Biathletin Julia Pieper - Zerbrach sie am Leistungsdruck?

Ihre Eltern sollen hohe Erwartungen an die Sportlerin gehabt haben

Am Montag, 24. Februar, ereilte uns die traurige Nachricht, dass sich die Biathletin Julia Pieper im Alter von 19 Jahren das Leben genommen hat. Wie immer nach einer solchen Tragödie bleibt die Frage nach dem Warum. Eine quälende Frage, die in erster Linie ihr Umfeld, das sie zurücklässt, beschäftigt.

Kein Abschiedsbrief

Was treibt einen Teenager, dem eine vielversprechende Karriere bevorsteht, in den Selbstmord? Hätte die Tragödie verhindert werden können?

Fragen, auf die im Nachhinein nur schwer eine Antwort gefunden werden kann. Julia Pieper war erfolgreich, privat lebte sie in einer Beziehung mit dem zwei Jahre älteren Rodler Toni Förtsch, 21. Einen Abschiedsbrief, der Klarheit bringen könnte, hat sie nicht hinterlassen.

Wurde sie den Erwartungen ihrer Eltern nicht gerecht? 

Fest steht mittlerweile, dass sich die talentierte Sportlerin mit ihrem eigenen Biathlon-Kleinkalibergewehr gerichtet hat. "Es handelt sich um einen tragischen Selbstmord", bestätigt Ludger Rath, Pressesprecher der Polzei im Hochsauerlandkreis gegenüber "Welt.de". 

Nun werden immer mehr Stimmen im Umkreis laut, die berichten, dass Piepers Eltern hohe Erwartungen an ihre Tochter gehabt hätten. Ihr Vater war selbst als Nordischer Kombinierer aktiv, ihre Mutter versuchte sich zu DDR-Zeiten als Turnerin. Beide mit mäßigem Erfolg. Heutzutage setzten sie ihre Hoffnungen in Julia und in ihren 14-jährigen Bruder, der ebenfalls Biathlon betreibt. War sie dem hohen Leistungsdruck am Ende nicht mehr gewachsen?

Nach Informationen von "Welt.de" soll Julia Pieper ihre Eltern unmittelbar vor ihrer Verzweiflungstat noch einmal angerufen haben. Diese hielten sich zu dieser Zeit mit ihrem jüngeren Bruder bei einem Biathlonwettkampf in Oberwiesenthal auf. Was sie ihren Eltern vor ihrem Suizid zu sagen hatte, ist hingegen nicht bekannt.

Umfeld beschreibt Pieper als sehr emotional

Weggefährten beschreiben die junge Frau als sehr emotional. Im jungen Teenageralter litt sie unter einer Essstörung. "Sie nahm so stark ab, bis sie nicht mehr leistungsfähig war", erklärt Thomas Grellmann, Leiter des Bundesstützpunktes Winterberg und Willingen. Doch Pieper ließ sich helfen und begab sich für mehrere Monate in Therapie. 

Sportlich lief es in letzter Zeit nicht mehr so glatt für die 19-Jährige. Zuletzt hatte sie in der Juniorenwertung der German Team Challenge in der Arena "Auf Schalke" 2013 gemeinsam mit David Pfeil Platz acht erreicht. Sie verpasste jedoch die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaften in den USA. Wie sehr zehrte dieser Niederschlag an Piepers Nerven? 

Es bleiben viele Fragen offen, die wohl nur Julia Pieper selbst hätte beantworten können. Fragen, die leider zu spät kommen. Die Urnenbeisetzung ist am Donnerstagnachmittag.