Bisexuell: Der neue Trend in Hollywood

Ein bisschen bi schadet nie - oder?

Immer mehr Stars nutzen pikante Sex-Geständnisse, um die Karriere anzukurbeln. Cool finden das die einen. Geschäftstüchtig die anderen …

Böse Zungen behaupten, ihr Outing sei nichts als eine PR-Maßnahme. „Es gibt keinen Zweifel: Ich bin bi­sexuell“, bekannte Stacy Ann „Fergie“ Ferguson – und brachte sich damit, rechtzeitig zur Veröffent­lichung der neuen Black-Eyed-Peas-Single, wieder ins Gespräch. Der britischen Tageszeitung „Sun“ verriet die 34-Jährige: „Dita Von Teese würde ich nicht von der Bettkante stoßen.“ In der Vergangenheit sei sie schon oft zweigleisig gefahren: „Ich habe viel experimentiert!“ Fergies Strategie ging auf: Angeheizt durch das Sexgeplänkel schoss „Boom Boom Pow“ an die Spitze der amerikanischen und britischen Charts. Auch die nächste Auskopplung soll von der Liebesbeichte profitieren: „Wartet, bis ihr das Video zu ‚I Got A Feeling‘ gesehen habt“, kündigt sie an. „Ich habe darin eine kleine lesbische Verführungsszene.“

Der Zeitung verrät sie, wie heiß es gewesen sei, vor der Kamera Zärtlichkeiten mit Frauen auszutauschen. „Sie waren so schön, so sinnlich!“, schwärmt Fergie. „Eine von ihnen war die Freundin­ des ­Regisseurs – auch der hat sich gefreut.“ Es darf bezweifelt werden, ob Fergies Ehemann Josh Duhamel, 36 („Las Vegas“), das genauso sieht. Laut Insidern hatte der Schauspieler schon an ­Fergies Rolle in „Grindhouse“ (ab 3. Juli im Kino) schwer zu schlucken. Darin spielt ­seine Liebste eine Lesbe.

Auch Ex-„Beverly Hills, 90210“-Star ­Brian Austin Green, 35, versteht die Welt nicht mehr. Seine On-and-Off-Freundin Megan Fox offenbarte kürzlich dem US-Magazin „Esquire“, dass sie sich eigentlich lieber mit Frauen verabredet. „Weil Männer so schmutzig sind. Die gleichgeschlechtliche Liebe ist viel reiner!“ Sie muss es ja wissen: 2007 hatte Megan eine zweiwöchige Affäre mit der russischen Stripperin Nikita. „Sie roch wie ein Engel, nach Vanille“, seufzt die 23-Jährige. Doch auf Frauen festlegen wollte sich die „Transformers“-Schauspielerin nicht: „Ich bin keine Lesbe“, sagt sie. „Ich lebe nur meine homosexuellen Phasen aus.“ Geständnisse wie diese streut Megan mit Berechnung, um ihr Image als Sexsymbol zu festigen. Denn darin liegt ihr Erfolg begründet: Das Mädchen aus Tennessee hat aktuell sieben Projekte in der Pipeline. So ehrgeizig sie auch ist – einen Oscar wird Megan mit ihren Rollen als Cheerleader (in „Jennifer’s Body“) oder sexy Revolverheldin (in „Jonah Hex“) nicht gewinnen.

„Bisexual chic“ nennt die Online-Enzyklo­pädie Wikipedia den von Sängerin Katy Perry begründeten Trend. Der vermeintliche Tabubruch, den sie in „I Kissed A Girl“ thematisiert, war mitverantwortlich für den Durchbruch der 24-Jährigen – andere Stars hoffen auf ähnliche Effekte. Popstar Lady Gaga („Pokerface“) antwortete auf die Frage, ob sie Frauen sexuell anziehend finde, mit einem „sicher!“. Und auch Sängerin Pink, die gerade ein Liebes-Comeback mit Ehemann Carey Hart feiert, sagt: „Mit ’ner Frau wäre ich genauso glücklich. Ich bin da nicht so festgelegt.“  

Bleibt die Frage: Was treibt Prominente dazu, ihre Neigungen zu offenbaren? Die renommierte Zeitung „Sunday Times“ wagt einen Erklärungsversuch: „Sich bei beiden Geschlechtern interessant zu machen, bedeutet, die Fangemeinde zu vergrößern“, schreibt das Blatt. Nebenbei wird durch ein – kalkuliertes – Outing vermittelt: Ich bin verrucht, interessant, experimentierfreudig! Alles Attribute, mit denen sich Stars gern schmücken. Geständnisse wie die von Katy Perry („Scarlett Johansson finde ich extrem erotisch“) sollen das Image von nimmersatten Schönheiten entstehen lassen, die wahllos ihre Promiskuität ausleben. Keine reizvolle Vorstellung? Sicher nicht für die Durchschnittsfrau. Aber sehr wohl für Stars, die ihren Marktwert über ihre Präsenz in den Schlagzeilen definieren. Denn Sex ist immer wieder ein Aufreger. Und Hollywood liebt die Aufregung.

Maren Gäbel