Stars in der Jo-Jo-Falle

Wenn Diäten dick machen

Immer dasselbe Spiel in Hollywood: Erst purzeln die Pfunde, kurze Zeit später sind sie wieder da. Das muss nicht sein. OK! verrät, wie Sie gar nicht erst in die Jo-Jo-Falle hineingeraten.

Wochenlang regierte die Disziplin. Von Apfeltaschen bis Zwiebelkuchen – alles verboten. Stattdessen gab es staubtrockene Reiswaffeln, zuckerfreie Kräutertees und fettfreie Gemüsebrühe. Da muss man sich doch jetzt zur Belohnung mal ein winziges Schokoriegelchen gönnen dürfen – noch besser in Kombination mit einem großen Becher Latte Macchiato. Und, schwupps, ist man schon wieder mitten hineingesprungen – in eine der zahllosen Fallen, die nach fast jeder Diät überall lauern. Was dann passiert, bezeichnet man als Jo-Jo-Effekt. Eben war der Speck noch weg, jetzt ist er wieder da. Nicht selten sogar mehr als je zuvor.

An Janet Jackson, 43 oder Oprah Winfrey, 55, ließ sich dieser hinterhältige Mechanismus in den letzten Jahren sehr plastisch mitverfolgen. Die Kurven kamen und gingen – die Kleidergröße wechselte von 54 zu 36, um sich dann irgendwann wieder bei 48 einzupendeln. Kein Problem, mag man denken, das Budget dieser Stars, zu denen unter anderem auch Jennifer Love Hewitt, 30, oder Lily Allen, 24, zählen, dürfte ausreichen, um den Kleiderschrank der jeweils neuen Leibesfülle wieder anzupassen.

Viel bedenklicher ist allerdings das gesundheitliche Risiko, das durch das Kilo-Chaos­ entsteht. Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam ergab schon 2005: „Weight Cycler“ – Opfer des Jo-Jo-Effekts also – leiden messbar häufiger unter zu hohem Blutdruck als Menschen mit stabilem Gewicht. Außerdem verweist das Institut auf gesteigerte Diabetesgefahr. Und zu allem Überfluss leiden bei Gewichts-Crashs auch noch die Nieren. Gallensteine treten häufiger auf, genauso wie Osteoporose und Gebärmutterkrebs. Diese unschöne Ansammlung von Krankheitsrisiken fasst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgendermaßen zusammen: „Weight Cycler haben eine erhöhte Sterblichkeitsrate.“

Neben den körperlichen Faktoren schlägt der Jo-Jo-Effekt aber auch aufs Gemüt bzw. das Selbstwertgefühl: Kelly Osbourne, 24, berichtete schon von einem Gefühl des „Kontrollverlusts“. Wer hart abgenommen hat und dann sofort wieder zunimmt, empfindet sich als Versager und macht sich schwere Selbstvorwürfe.

Ein Teufelskreis. Laut Ernährungswissenschaftlerin und Autorin Dagmar von Cramm ist der aber durchaus vermeidbar: „Wichtig ist es zunächst, sich realistische Ziele zu setzen“, erklärt sie im Gespräch mit OK!. Pro Jahr sollte man nicht mehr als zehn Prozent seines Körpergewichts verlieren, pro Woche nicht mehr als ein Kilo. „Der Jo-Jo-Effekt“, so von Cramm, „ist fast immer das Ergebnis einer Crash-Diät. Der Körper stellt um auf ein Notprogramm. Und wartet dann nur darauf, nach der Diät wieder Fett anzusetzen.“ Deshalb empfiehlt sie, das Abnehmen nicht zum Ausnahmezustand zu erklären, sondern so weit wie möglich in das normale Leben zu integrieren: also nicht ganz auf die Kantine verzichten, sondern dort statt Currywurst lieber den Salatteller bestellen. Ähnlich wie von Extremdiäten rät von Cramm auch von Extremsport ab: „Viel wichtiger ist es, die Alltagsbewegung zu steigern.“ Da beweist die Expertin Erfindungsreichtum: „Statt den Trockner anzuwerfen, lieber mal die Wäsche auf der Leine aufhängen.“ Beim Einkaufen statt Auto das Rad nehmen oder zur Straßenbahn mal einen flotten Sprint einlegen … Erwähnt sei hier natürlich auch der Rat, zugunsten der Treppe auf den Fahrstuhl zu verzichten.

Dass Sport nicht Mord, sondern unverzichtbarer Bestandteil jeder Abnehmstrategie sein sollte, weiß inzwischen auch Bewegungsmuffel Victoria Beckham. Neuerdings sieht man die 35-Jährige statt in High Heels öfter mal in Laufschuhen. Auch  Hollywood-Beauty Scarlett Johansson, 24, hat ihre neu erschlankte Linie nicht allein von Luft und Liebe bekommen. Statt einsam durch den Wald zu traben, schwingt sie aber lieber mal den Tennisschläger. Und tut so auch noch was für die Muskeln in Armen, Waden und Oberschenkeln. „Muskeln verbrauchen zusätzliche Kalorien“, so Dagmar von Cramm. Insofern ist Sport also doppelt gut. Auch wenn man auf der Waage zunächst nicht solche Erfolge verbuchen kann wie bei einer Fastenkur: Muskeln haben mehr Gewicht als Fett. Eindrucksvoller als die Kilozahl ist hier laut Expertin aber der „Hosen-Schlabber-Effekt“. Der stellt sich ein, wenn sich an Bauch und Hüften Muskeln statt Rettungsringe festsetzen. „Statt auf die Waage zu steigen, sollte man also lieber mal zum Maßband greifen.“

Was die Ernährung betrifft, hat Dagmar von Cramm eine weitere goldene Regel: „Drei Mahlzeiten am Tag dürften reichen.“ Dabei empfiehlt es sich, die Kohlenhydratzufuhr (Brot, Brötchen, Müsli) auf den Morgen zu verlegen und die von Eiweiß (z. B. mageres Fleisch oder Fisch) auf den Abend. „Gemüse sollte generell ganz oben stehen“ empfiehlt die Ernährungswissenschaftlerin. Außer Avocado sind sämtliche Sorten fast vollkommen fettfrei. Grundsätzlich sollte man sich aber nichts komplett verbieten.­ Souldiva Alicia Keys, 28, legt regelmäßig Schlemmertage ein. Da gönnt sich die Sängerin dann all das, worum sie ansonsten einen großen Bogen macht. Apropos: Verzicht ist vor allem bei zuckerhaltigen Limonaden angesagt. Jüngsten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge sind vor allem sie für die massive Zunahme an Übergewicht in den USA verantwortlich.

Ein Glas Cola hat 150 Kalorien. Wie es heißt, sorgte das zuckerhaltige Koffeingetränk auch für die erneute Gewichtszunahme von Britney Spears, 27. Bis zu 24 Dosen soll sich die Sängerin bei Konzerten aufs Hotelzimmer bestellen. Da hilft dann auch ein Personal Trainer nichts mehr. Und wir merken uns: Zucker macht nicht satt, sondern dick. Trotzdem kommt es auch hier auf das Maß an. Ein Gläschen in Ehren kann schließlich niemand verwehren. Danach gibt’s dann wieder Kräutertee …

Nicolle Hofmann