Jennifer Garner: Ein heißes Date war ich früher nie

Die Schauspielerin im Interview

Jennifer Garners Weg nach oben: Der Hollywood-Star ganz exklusiv über den schwierigen Start in der Traumfabrik und das große Glück mit Ben Affleck.

So sieht echte Lebensfreude aus! Verheiratet mit Oscar-Preisträger Ben Affleck, Mutter zweier Töchter und in Hollywood wieder gefragt wie nie zuvor. In der Romantikkomödie „Der Womanizer – Die Nacht der Ex-Freundinnen“ bringt Jennifer Garner, derzeit den Casanova Matthew McConaughey in emotionale Turbulenzen. OK! traf die Traumfrau zum Interview – und siehe da: Die 37-Jährige sieht noch viel umwerfender aus als auf der Leinwand. Jennifer trägt kaum Make-up, lässige Jeans, eine Bluse und braune Slipper. Sie ist entspannt, herzlich und unglaublich lustig. Die kleinen Lachfältchen um ihre braunen Augen erzählen davon …
 
Was sind Ihre Erfahrungen mit Frauenhelden?
(lacht) Da habe ich ziemlich wenige, wenn ich ehrlich bin. Ich finde diesen Typ Mann nämlich nicht attraktiv. Jemand, der ernsthaft den Don Juan gibt, auf dem Macho-Trip ist oder sich mit seinen Eroberungen brüstet, der hat bei mir noch nie punkten können. Für mich zählen ganz eindeutig andere Qualitäten.

Verraten Sie uns, welche?
Ich bin verschmust und sehr romantisch. Mein Traummann muss etwas größer als ich sein, Humor haben und ein Gentleman sein. Und emotional gereift. All das trifft auf Ben zu.

Sie und Ben Affleck sind fast vier Jahre verheiratet … 
Aber wir kennen uns schon fast zehn Jahre. Kennengelernt haben wir uns im Jahr 2000 bei den Dreharbeiten zu „Pearl Harbor“. Schon damals war er mir durch seine zuvorkommende Art sympathisch. Doch da waren wir beide noch nicht frei füreinander. Aber mittlerweile sind wir eine richtige Familie geworden.

Sie haben zwei Töchter: Die dreijährige Violet und Seraphina, die vor sechs Monaten geboren wurde. Wollen Sie noch mehr Kinder?
Warum nicht? Das war die größte Veränderung in meinem Leben – und die schönste.

Leben Sie jetzt vorsichtiger als früher?
Nein, freudiger. Ich habe schon früher nicht über die Stränge geschlagen, war ein braves Mädchen. Meistens jedenfalls! (lacht) Ich bin sehr konservativ erzogen worden. Im Grunde meines Herzens bin ich immer noch das ­Country-Girl aus West Virginia.

Da waren Sie als Teenager sicher der Lieblings-Cheerleader aller Footballspieler.
Dass ich nicht lache! Damals war ich noch ein richtiger Backfisch. Typ „Zahnspange mit Brille“ – die Gläser so dick wie Aschenbecher. Ich war alles andere als ein heißes Date. Aber das störte mich nicht. Ich spielte lieber Saxofon oder ging zum Ballettunterricht. Das war meine große Leidenschaft. Seltsamerweise habe ich nie daran gedacht, Tänzerin zu werden. Übers Ballett kam ich zum Musical und dann zur Schauspielerei. Ich war so um die 20, als es bei mir endlich „Klick“ machte.

Und mit 20 begann dann Ihre Karriere als Hollywood-Schauspielerin?
Das wäre schön gewesen! Damals habe ich davon höchstens geträumt. Ich bin pro Woche zu zehn, zwölf Castings gegangen, wurde meistens nicht genommen und habe mit Kellnerjobs meinen Lebensunterhalt bestritten. Erst Ende 20 hatte ich mit der Serie „Alias – Die Agentin“ meinen ersten wirklichen Erfolg.

Also wahrlich kein „Erfolg über Nacht“, wie damals sämtliche Zeitungen vermeldeten.
(lacht) Mein „Erfolg über Nacht“ hat ganze zehn Jahre gedauert!

Leben Sie eigentlich eher spontan, oder läuft bei Ihnen immer alles nach Plan?
Ich lebe eindeutig spontan, immer aus dem Bauch heraus. Ich bin mir auch sicher, dass man nichts wirklich planen kann. Schon gar nicht eine Karriere. Es geschieht einfach, und dann sollte man die Gelegenheit beim Schopf packen. Meine Mutter sagte immer: „Für dein Glück bist nur du selbst verantwortlich!“

Hat sich das in Ihrem Leben bewahrheitet?
Es kommt immer darauf an, welche Haltung man einnimmt. Wenn es nicht so läuft, kann man sich auch an kleinen Dingen erfreuen: einer guten Apfeltorte zum Beispiel. Ben sieht das genauso. Das vermitteln wir auch unseren Töchtern.

Sie ziehen in der Erziehung am selben Strang?
Nicht nur da gibt es bei uns eine Grundübereinstimmung. Ich glaube, das ist für eine gute Ehe wichtig. Das heißt aber nicht, dass wir nicht verschieden sind.

Ben spielt gern Poker …
Und ich stricke Strampler. (lacht) Nein, so ist es auch wieder nicht! Man muss sich nur über gewisse Prioritäten im Klaren sein. Und dann heißt es „living by doing“.

Was war denn das Kostbarste, das Sie das Leben bisher gelehrt hat?
Dass es für alles eine richtige Zeit gibt – und eine falsche. Den Unterschied zu erkennen, ist die Kunst. Und man darf sich nie Scheuklappen anlegen. Ich erinnere mich noch, wie meine Mutter mich mal zur Schule fuhr. Plötzlich hielt sie an und deutete auf einen Baum, aus dem ein Regenbogen in den Himmel wuchs. Sie sagte: „So viel Zeit muss sein!“ Es sind die Details, auf die es im Leben ankommt.

Stimmt es, dass Sie den Nachnamen Ihres Ehemanns angenommen haben?
Ja, aber Garner ist weiterhin mein Künstler­name. Es freut mich, dass ich wieder mehr Filme drehen kann. Bis jetzt bekommen Ben und ich Karriere und Kinder ganz gut auf die Reihe. Und natürlich gibt es da noch Oma und Opa.

Planen Sie wieder einen Film zusammen?
Wir suchen schon lange nach einem gemeinsamen Projekt, aber es findet sich nicht so leicht.

Hatten Sie eigentlich schon einmal Albträume, in denen Bens Ex-Freundinnen Jennifer Lopez oder Gwyneth Paltrow aufgetaucht sind?
(Lacht) Deswegen hatte ich noch keine einzige schlaflose Nacht. Das können Sie mir glauben!

Ulrich Lössl