Christian Bale: Ich bin kein brutaler Berserker

Exklusiv im Interview

Mit seinem Ruf als schwierigster Schauspieler Hollywoods hat Christian Bale hart zu kämpfen. Im Gespräch mit OK! zeigt er seine sanfte Seite …

Diese Rolle wurde ihm auf den Leib geschrieben. Im Kino sehen wir Christian Bale, 35, als Nachfolger von Arnold Schwarzenegger in „Terminator – Die Erlösung“: Er spielt eine knallharte Kampfmaschine, mit der sich niemand anlegen will. Darin ist er grandios. Doch privat ist Bale ganz anders. Da liest er seiner Tochter Emmeline, 4, Gutenachtgeschichten vor und kocht für seine Frau Sandra Blazic, 39, Pasta. Mit seinem rebellischen Image räumt er hier endgültig auf.

Bei den Dreharbeiten zu „Terminator“ hatten Sie angeblich einen Ausraster und gingen auf einen Kameramann los. Möchten Sie Ihre Seite der Geschichte darstellen?
Nein, eigentlich nicht. Das gehört nicht in die Öffentlichkeit. Aber ich bin sicher nicht der brutale Berserker, als der ich dargestellt wurde.

Ihre Kollegin Bryce Dallas Howard sagte auch, es hätte Ihnen sichtlich leid getan.
Filmarbeit ist Teamarbeit. Und ich bin ein Teamplayer. Das alles ist Schnee von gestern …

Bryce war während des Drehs schwanger. Sie sagte, Sie seien ein echter Gentleman, der sie immer und überall beschützt habe.
Natürlich. Auch wenn „Terminator – Die Erlösung“ ein sehr testosterongesteuerter Film ist, heißt das doch noch lange nicht, dass man unsensibel und unachtsam mit seinem Gegenüber umgeht. Bryce und ich haben uns in den Drehpausen über Kindererziehung und Ähnliches unterhalten. Ich habe eine vierjährige Tochter, die bald in die Schule kommt. Und so war zum Beispiel ein großes Thema: Wie wählt man denn die richtige Schule für sein Kind aus?

Nächstes Jahr sind Sie schon zehn Jahre mit der amerikanischen Filmproduzentin Sandra Blazic verheiratet …  
… und ich möchte betonen: sehr glücklich verheiratet! Sandra ist die wunderbarste Frau, die mir je begegnet ist. Und unsere Tochter Emmeline ist das Kostbarste auf der ganzen Welt. Meine Familie ist mein Lebenselixier. Das ist es, wofür es sich zu leben lohnt.

Im Film heißt es, der wesentliche Unterschied zwischen einer Maschine und einem Menschen ist, dass der Mensch ein Herz hat …
… und ein Gewissen. Nicht zu vergessen: den freien Willen, also die Möglichkeit, sich zwischen Gut und Böse zu entscheiden. Natürlich ist das nicht immer einfach. Und oft werden wir hart geprüft. Aber nur so kann man doch als Mensch reifen.

Glauben Sie persönlich an Schicksal?
Darüber habe ich mir schon sehr viele Gedanken gemacht. Was ist Schicksal? Können wir unser Leben tatsächlich selbst beeinflussen? Sind manche Dinge vorherbestimmt? Aber das sind Fragen, die sehr, sehr persönlich sind. Lassen Sie mich so darauf antworten: Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt, aber ich weiß, dass meine Taten Konsequenzen haben. Also versuche ich, das Beste aus den Möglichkeiten zu machen, die mir gegeben sind. 

Glauben Sie, dass Sie nur durch harte Arbeit zum Star …
… Stop! Ich sehe mich überhaupt nicht als Star. Ich bin Schauspieler. Ein Schauspieler, der sich immer wieder neu beweisen muss.

Sie haben eine großartige Karriere gemacht. War da überhaupt kein Glück im Spiel?
Ohne Glück geht gar nichts. Ich hatte durchaus auch regelrechte Pechsträhnen und habe manchmal jahrelang darauf gewartet, dass ein Film überhaupt erst gedreht wird.

In Hollywood gelten Sie als nicht ganz einfache Person.
Wer ist schon einfach? Oder immer gut drauf und nett? Das ist doch kein Maßstab, um einen Menschen zu beurteilen, oder? Und wenn ich ganz ehrlich bin, verspüre ich manchmal schon das dringende Bedürfnis, meine Überzeugungen auszutesten. Und das ist dann meist nicht gerade politisch korrekt. Ab und zu muss man dem Anstand auch mal ins Gesicht lachen.

Wozu ist so etwas gut?
Das ist gut für die seelische Hygiene. Dabei darf man natürlich nicht verrückt werden. Aber den Druck muss man aushalten.

Ist Christian Bale ein glücklicher Mensch?
Ein sehr glücklicher Mensch, dem es immer besser gelingt, seine Dämonen in Schach zu halten.

Ulrich Lössl