Boris & Lilly: Wir wollen uns immer treu sein

Das große Interview mit Boris und Lilly Becker

Wochenlang haben die beiden so getan, als gäbe es nichts Selbstverständlicheres als ihre Hochzeit. Der Skepsis in der Öffentlichkeit gegenüber ihren Heiratsplänen begegneten Boris Becker, 41, und Lilly Kerssenberg, 32, mit entwaff

Sie machen kein Geheimnis aus dem Auf und Ab ihrer Liebe und verraten Details zum bevorstehenden Fest. Eigentlich war all das unnötig: Wer die beiden zusammen erlebt, muss einfach glauben, dass sie sich lieben und zusammengehören. Das junge Glück wird auch die folgende Nachricht nicht stören: „Die Hochzeitsnacht ist ausgefallen“, berichtet Lilly lachend am nächsten Morgen beim Brunch auf der „El Paradiso“- Berghütte. „Ich war so erledigt, dass ich sofort in den Tiefschlaf gefallen bin.“

Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlen Sie sich jetzt als Ehepaar Becker?
Boris:
Wir sind sehr glücklich. Es ist ein wunderbares Gefühl, mit Lilly verheiratet zu sein.

Warum war Ihnen das Eheversprechen so wichtig?
Lilly: Wir haben zusammengelebt, uns getrennt, sind wieder zusammengekommen. Ich wollte nicht länger mit diesem Mann einfach nur zusammenleben – ohne festen Boden unter den Füßen. Wenn wir verheiratet sind, müssen wir vielleicht neue Kämpfe austragen, aber dann auf einer anderen Ebene.
Boris: Gerade in einem beruflich unsteten Leben, in dem man fast wöchentlich reisen muss, ist es wichtig, eine emotionale Heimat zu haben. Letztlich sind wir beide traditionsbewusste Menschen, für die die Familie im Mittelpunkt steht.

Was bedeutet Familie für Sie?
Boris: Ein gemeinsamer Name, Kinder, ein gemeinsames Zuhause und eine gemeinsame Zukunft. In unserer schnelllebigen Welt – und die haben wir ausgiebig erkundet – wollen wir etwas für die Ewigkeit schaffen. Das fängt mit unserer Hochzeit an und hört mit einem Kind auf.

Die Nachwuchsplanung beginnt also in den Flitterwochen?
Boris: Nein, nein! Ich bin in diesem Punkt etwas erfahrener als Lilly. Das ist auch unser Vorteil, dass ich nicht nur Lebensjahre älter bin, sondern auch viele Kilometer mehr gelebt habe als Lilly. Gerade, was Kinder angeht, kann ich ihr und uns Ratschläge geben. Ein Kind ist ein Gottesgeschenk, das wir uns sehr wünschen. Aber wir haben keinen Zeitdruck, wir wollten erst mal Mann und Frau werden. 

Aber jetzt wäre ja Zeit …
Boris: Was immer passiert, passiert. Es war uns aber sehr wichtig, dass wir heiraten, ohne dass Lilly schwanger ist und wir unter Druck geraten. Also, da wächst noch kein Baby!

Was lieben Sie am meisten aneinander?
Lilly: Einerseits ist Boris ein fantastischer Vater, toll im Umgang mit seinen Kindern und sehr fair. Andererseits ist er sehr geduldig, wenn ich ausflippe oder will, dass es nach mir geht, ob ich nun recht habe oder nicht. Er lehnt sich nur zurück und lässt mich machen, er streitet nicht wegen Kleinigkeiten. Und er kann tanzen und er ist lustig. Boris ist einfach ein Volltreffer.

Und Sie, Boris?
Boris: Ich mag, dass wir einen identischen Sinn für Humor haben. Manchmal schauen wir uns nur an und wissen, dass wir laut loslachen müssen, es aber noch zurückhalten. Ich mag, dass wir beide einen ausgeprägten Familiensinn haben und dass Lilly meine Kinder genauso liebt wie ich. Und natürlich, dass sie rein optisch betrachtet ganz meine Geschmacksrichtung ist.

Das haben wir uns schon gedacht ...
Boris: Das Aussehen ist auch wichtig, klar! Aber richtig verliebt bin ich in Lillys Charaktereigenschaften. Sie ist wahnsinnig emotional und sehr bauchgesteuert. Sie macht und sagt immer genau das, was sie denkt und fühlt. Oft passt das, aber manchmal eben auch nicht. Das ist Stärke und Schwäche in einem. Mit 25 wäre ich wahrscheinlich wahnsinnig geworden und hätte nicht die Geduld für so eine Frau aufgebracht, aber mit 41 bin ich froh, dass ich eine lebensbejahende Frau habe. Eine mit viel Energie, die Dampf hat und die mich jung hält.

Haben Sie schon Macken aneinander entdeckt?
Lilly: Nichts, was mich richtig ärgern würde.
Boris: Ich weiß zum Beispiel heute, dass sie nicht pokern sollte, wenn sie zu viel Wodka getrunken hat. Dann gibt es immer einen Riesenkrach, ich kann die Uhr danach stellen. Ein Glas zu viel und man kann mit ihr nicht mehr vernünftig umgehen. Was auch durchaus seine Vorteile hat ... (lacht)

Bedeutet Ehe automatisch auch Treue?
Lilly:
Ja!
Boris: Natürlich, aber wir sind auch nur Menschen aus Fleisch und Blut, haben unsere Stärken und Schwächen. Dennoch: Die Hoffnung ist hundertprozentig da, dass wir bis an unser Lebensende respektvoll, liebevoll, treu und loyal miteinander umgehen.

Hand aufs Herz, Lilly! Wie haben Sie Boris gezähmt?
Boris: Sag schon, wie hast du das Unmögliche möglich gemacht? (lacht)
Lilly: Wenn er mich verletzt, mir wehtut oder mich nervt, dann mache ich genau dasselbe wie er. Daran erkennt er: Oh, was ich hier anstelle, könnte ihr wehtun oder ist uncool. Dann wird ihm klar, wie sehr er mich liebt und dass ich ihn liebe. Boris hat gemerkt, was bestimmte Verhaltensweisen für Gefühle auch bei ihm auslösen.
Boris: Da sind wir auf Augenhöhe.

In Bezug auf Treue und Untreue?
Boris:
Grundsätzlich. Wenn ich an einem Abend eine Frau möglicherweise ein bisschen zu lange anschaue oder zu lange mit einer spreche …

… geht Lilly mit einem anderen tanzen?
Boris: Und glauben Sie mir, dann dauert es sehr lange, bis sie zurückkommt. Bis ich dann merke: Moment mal, was ist denn hier los?
Lilly: Egal, was er anstellt, was ich, wie jede andere Frau auf der Welt, nicht leiden kann, ich würde einfach dasselbe tun, knallhart.

Sind Sie eifersüchtig?
Lilly:
Ja, beide!

Haben Sie einen Ehevertrag?
Lilly:
Selbstverständlich, das war für mich kein Problem, im Gegenteil: Boris ist weiter im Leben als ich, er hat mehr erlebt. Ein Ehevertrag war da Pflicht. Wir heiraten ja schließlich nicht wegen des Geldes.
Boris: Ich finde, ein Ehevertrag hat etwas sehr Gutes. Wenn Lilly finanziell abgesichert ist, dann kann man sich, für den Fall, dass doch etwas schiefläuft, weiter auf den Menschen konzentrieren. Man muss keine Angst haben, dass da nichts mehr ist, falls ich die Nerven verliere oder sterbe oder sonst was.  Auch da stehen wir mitten im Leben. Wir sind keine 18 mehr und wir wissen, dass viel  passieren kann. Das haben wir durch einen fairen Ehevertrag geregelt.

Wie stellen Sie sich jetzt Ihre Zukunft als Herr und Frau Becker vor?
Boris: Das klingt doch erst mal schon gut, oder? Es wird sich nichts Dramatisches in unserem Leben ändern. Wir pendeln weiter zwischen Zürich, London und Miami.

Wird es Ihnen gelingen, mehr Ruhe in Ihr Leben zu bringen?
Boris:
Keine Sorge, wir sind ruhig. Dass wir oft den Ort wechseln, hat nichts mit Unruhe oder mit Rastlosigkeit zu tun. Aber wenn mich meine Kinder anrufen und fragen, ob ich sie besuchen komme, kann ich entweder ein Rabenvater sein und Nein sagen. Oder ein vernünftiger Vater und sagen: „Okay, wir fliegen jetzt rüber.“

Brauchen Sie keine Erholungsräume, in denen Sie mal durchatmen?
Boris: Doch, aber wir haben keine räumliche Heimat, sondern eine emotionale. Lillys Familie lebt zum Beispiel in den Niederlanden, darum muss sie oft nach Amsterdam oder Rotterdam. Sie hat dort kein Haus oder eine Wohnung, aber es ist ihre Heimat. Ich könnte gar keine Frau heiraten, die immer an einem Ort sein will.

Sport hat jahrelang Ihr Leben geprägt, die einzige Motivation war Sieg. Was hat sich verändert?
Boris:
Grundsätzlich, glaube ich, kann man seinen Charakter nicht verändern. Wenn ich meine Geschäfte leite, mit meinen Partnern zusammen bin, dann möchte ich gute Arbeit leisten. Sportlich ausgedrückt, möchte ich auch da gewinnen, und das gelingt sogar ab und zu. Wenn ich meine Rolle als Vater sehe, dann möchte ich, dass aus meinen drei Kindern vernünftige Menschen werden. Wenn das gelingt, kann man auch das als Sieg bezeichnen. Wenn ich eine eine Ehe eingehe, dann möchte ich, dass die harmonisch funktioniert. Also gewinnen. Im Alter lernt man natürlich dazu und merkt, es ist nicht alles schwarz oder weiß und dass die Lösung manchmal ein Grauton ist.

Da sprechen wir hoffentlich nicht von Ihrer Ehe ...
Boris:
(lacht) Nein, natürlich nicht! Aber im Ernst, meine Kinder sind nicht jeden Tag bei mir. Ich bin nicht für alles verantwortlich, im Guten wie im Schlechten, was da passiert. Ich habe mich in den letzten zehn Jahren verändert und ich hoffe, ich bin ein bisschen intelligenter und etwas weiser geworden.

Trotzdem wird Ihnen Selbstinszenierung vorgeworfen …
Boris: Ich glaube, dass ich niemals alle Kritiker zum Schweigen bringen werde, vielleicht auch gar nicht will. Ich möchte nur Boris Becker 2009 sein, der sich deutlich unterscheidet zu Becker 1999. Jetzt, nach der Hochzeit, werden wir hundertprozentig ein fast langweiliges Privatleben führen und auf unsere Familien aufpassen.

Wovon träumen Sie in der Zukunft?
Lilly: Wir wünschen uns unsere eigene Familie.
Boris: Wir haben beide hart an unserem Glück gearbeitet. Dass jetzt alles so ist, wie es ist, ist ein halbes Wunder. Aber es wird klappen. Eine eigene Familie ist unser größter Traum – und unser nächster Mount Everest.
Lilly: Mount Everest, wir sind auf dem Weg!

Kati Degenhardt