Steffi Graf & Andre Agassi: Intime Einblicke in ihr Privatleben

Exklusiv-Interview

Nur selten sprechen die ehemaligen Tennisstars Steffi Graf und Andre Agassi über ihre Kinder und ihr Privatleben. Für OK! machen sie eine Ausnahme...

Als sich die beiden Tennis­profis im Frühjahr 1999 in Key Biscayne, Florida, zufällig beim Training begegneten und näherkamen, sah wohl niemand voraus, dass das Paar im Sommer 2009 auf eine glückliche und komplett skandalfreie Promi-Ehe zurückblicken würde. Oder dass Steffi Graf, 40, und Andre Agassi, 39,  mit ihrem Sohn Jaden Gil, 7, und der Tochter Jaz Elle, 5, ein vollkommen zurückgezogenes Familienleben führen würden. Längst hat Steffi ihr Tennisröckchen gegen Jeans und T-Shirt getauscht. Nur selten präsentiert sie ihre Superbeine ausnahmsweise mal in einem eleganten Cocktailkleidchen. Immer dann, wenn sich die Chance bietet, Spenden für ihre Stiftung Children for Tomorrow einzusammeln oder ihren Ehemann bei der Charity-Arbeit für seine Andre Agassi Foundation zu unterstützen.

Wie jüngst beim Grand-Slam-Finale in Roland Garros in Paris. Zur Zehn-Jahres-Feier ihrer legendären Siege bei den French Open 1999 spielt das Paar gemeinsam ein Charity-Match mit Kindern aus aller Welt und folgt anschließend einer Einladung der  Uhrenmarke Longines zu einem Benefizabend. Der Auftritt des Power-Paars lohnt sich: Rund 220 000 Euro kommen für die sozialen Projekte der ehemaligen Sportstars zusammen. Dementsprechend gut gelaunt geben die beiden eines ihrer seltenen Interviews – exklusiv in OK! – und sprechen ungewohnt offen über ihr Familienleben und ihre große Liebe.

Steffi, werden Sie eigentlich mitunter mit Mrs. Agassi angesprochen?
Steffi: Das passiert gar nicht so selten, wie Sie denken, besonders zu Hause in Las Vegas.

Vermissen Sie Deutschland?
Steffi: Ich bin regelmäßig in der Heimat, meist ein paar Mal im Jahr. Der Hauptgrund ist, dass der Sitz meiner Stiftung in Hamburg ist. Außer­dem habe ich ein Büro in der Nähe meiner Heimatstadt Heidelberg und natürlich Familie und Freunde dort. Also eine Menge guter Gründe, zurückzukommen. Wenn wir länger bleiben, versuchen wir die Kinder mitzunehmen.

Wie funktioniert Ihr Leben in Las Vegas?
Andre: Wir haben eine große Familie gleich vor der Haustür, mein Stiefbruder lebt mit seinen vier Kindern hier, außerdem Steffis Mutter, meine Eltern und meine Geschwister mit Sohn und Tochter. Wir grillen oft und verbringen die Wochenenden zusammen. Meist haben wir dann gleich fünf oder sechs Kinder im Haus.

Wachsen Ihre Kinder zweisprachig auf?
Steffi: Sie verstehen zwar jedes Wort auf Deutsch, aber beim Sprechen wird es eher schwierig. Um sie herum spricht ja jeder Englisch. Aber sie hören auf mich, und das ist das Wichtigste.

Welche Werte vermitteln Sie Ihren Kindern?
Andre: Ich verbringe die meiste Zeit damit, von ihnen zu lernen.

Und, was haben Sie dazugelernt?
Andre: Dass man Kindern nichts beibringen oder sie leiten kann, wenn man nicht erkennt, in welcher Entwicklungsphase sie gerade stecken. Im Umgang mit Kindern ist man niemals auf Augenhöhe, da geht es nicht um Ebenbürtigkeit. Man versucht eher, sie fair zu behandeln. Man muss eine Balance herstellen und verstehen, welche Persönlichkeiten sich in ihnen entwickeln und was sie brauchen. Also versuche ich ständig rauszufinden, wer sie sind.

Ist das auch das Grundprinzip Ihrer Erziehung?
Andre: Ich glaube außerdem, dass sie mehr über Dinge lernen, die sie selbst sehen, als über Dinge, von denen sie nur hören.

Sind Sie sich eigentlich einig, wenn es um die Kinder geht?
Andre: Natürlich haben wir ab und zu unterschiedliche Ansichten. Steffi ist ziemlich streng, was die Ernährung angeht.

Also gibt’s keine Pommes?
Andre: Zumindest hat Steffi den Speiseplan immer im Blick. Wenn es abends schon Pasta gab, wird es am nächsten Tag nicht gleich wieder Nudeln geben. Und Süßes sowieso nicht. Ich bin eher fürs Benehmen zuständig.

Tennisfans hoffen ja, dass eines Ihrer Kinder mal ein neuer großer Champion wird...
Steffi: Oh, bitte nicht! Tennis hat in unser beider Leben eine große Rolle gespielt, keine Frage. Es war großartig, hat uns sehr viel bedeutet und viele schöne Momente beschert. Aber Tennis ist auch ein sehr fordernder, anspruchsvoller Sport. Wenn man das alles einmal hinter sich hat, stellt man fest, dass man oft allein auf dem Platz gestanden hat, allein gelassen in dieser Welt. Wir haben viel darüber geredet, ob wir unseren Kindern dieses Leben wünschen sollen. Aber weil wir kaum noch auf Tennisplätzen unterwegs sind, kennen sie diese Welt gar nicht.

Haben Sie einen Tennisplatz zu Hause?
Andre: Nein, bring deine Arbeit niemals mit nach Hause!

Und spielen die Kinder trotzdem manchmal?
Steffi: Solange man sie nicht auf eine Sportart aufmerksam macht, haben sie sich noch nicht entschieden. Unsere Kleine spielt ab und zu, aber der Junge ist noch in der Probierphase.
Andre: Die Kleine spielt drei, vier Mal die Woche. Das reicht, um den Sport zu erlernen, ist aber nicht auf Leistungssportniveau.
Steffi: Sie wechseln noch von Fußball zu Ballett. Wir haben ihnen alle möglichen Wege aufgezeigt. Sie fahren zum Beispiel super gut Snowboard. Aber sie interessieren sich auch sehr für Musik, womit sich Andre und ich kaum beschäftigt haben. Für uns hat das einen ganz eigenen Zauber: Ihre Wege zu verfolgen und  sie sich entwickeln zu lassen, ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Sollte es sie zum Tennis führen, dann wäre das ein Leben, dass wir sehr gut kennen, aber wir wünschen ihnen, dass sie etwas Eigenes finden. Egal, was es ist, wir werden sie auf ganzer Linie unterstützen.

Wissen die Kinder, dass ihre Eltern berühmt sind?
Steffi: Sie wissen, dass wir Tennisprofis waren, aber sie verstehen noch nicht, was das bedeutet.
Andre: Manchmal ­erkennen uns Menschen im Supermarkt und sprechen uns an. Dann fragen die Kinder: „Kennt ihr die?“ Wir antworten Nein – aber die Kids, wun­dern sich, warum wir gegrüßt werden. Aber wir werden nicht von Paparazzi verfolgt. Wir führen die meiste Zeit ein ganz normales Leben. Wir bringen sie zur Schule und zu Geburtstagspartys und gehen selbst einkaufen.

Wünschen Sie sich ein drittes Kind?
Andre: Nein, ich habe die Erfahrung gemacht, dass „mehr“ nicht automatisch „besser“ bedeutet. Es geht um die Intensität und die Qualität von Beziehungen. Nun ist Familie etwas anderes, vor allem, wenn man sich ausmalt, wie schön es wäre, wenn die erwachsenen Kinder später nach Hause zurückkehren, uns besuchen und die Großfamilie glücklich vereint wäre. Aber es ist auch schön, wie es gerade ist. Wir sind rund um die Uhr beschäftigt und wachsen mit­einander als Einheit. Steffi und ich sind eng zusammengeschweißt. Ich befürchte, ein drittes Kind könnte unsere Dyna­mik stören. Alle Familien mit drei Kindern, die ich kenne, führen ein anderes Leben.

Stimmt es, dass Sie sich in Paris verliebt haben?
Andre: Sie müssen schon auf mein Buch warten, um die wahre Geschichte zu lesen! (lacht) Die kurze Version ist: Paris 1999 war in doppelter Hinsicht Schicksal für uns: Einerseits war es für uns beide höchst unwahrscheinlich, dass wir die French Open gewinnen würden. Und andererseits haben wir zwar hier keine Zeit mit­einander verbringen können, aber wir wussten beide, dass wir uns zueinander hingezogen fühlen. Das war ein Anfang.

Was hat Ihnen an Steffi auf Anhieb gefallen?
Andre: Ganz ehrlich? Ihre Beine! Diese Qualitäten waren auf den ersten Blick erkennbar! Und dann hatte sie all das, was mir damals fehlte: Loyalität, Professionalität und Disziplin. All das wollte ich auch haben!

Wie ging es nach der Begegnung in Paris bei Ihnen weiter?
Steffi: Wir hatten uns im Frühjahr 1999 in Key Biscayne getroffen, aber bis August erst mal kaum Kontakt. Trotzdem sind wir den ersten Eindruck nicht mehr losgeworden. (lacht)
Andre: Es war etwas Besonderes zwischen uns. Alles ging sehr schnell, wir haben uns sofort verliebt. Und dieses Gefühl hält bis heute an. Es wird jeden Tag ein bisschen stärker.

Kati Degenhardt