Die verzweifelte Suche nach Mr. Perfect!

Wieder der falsche Mann

Mit ihrem Händchen für den falschen Mann stehen Jennifer Aniston und Cameron Diaz nicht allein da: Immer mehr Hollywood-Diven träumen vom Eheleben mit dem perfekten Mann — und suchen sich mit schönster Regelmäßigkeit e

Bei der Preisverleihung „Women in Film“ konnte Jennifer Aniston zumindest über sich selbst scherzen: „Meine Filmtitel wirken sich irgendwie auf mein Leben aus“, sagte sie und setzte süffisant hinzu: „Zuerst kam ‚The Good Girl‘, dann ‚Wo die Liebe hinfällt‘ und schließlich ‚Trennung mit Hindernissen‘. Sollte einer von Ihnen einen Film machen mit dem Titel ‚Ewige Liebe mit einem erwachsenen, tollen Mann‘ – ich sitze an Tisch sechs!“

Dass sie so selbstironisch mit ihren ­Fehltritten umgeht, hat einen Grund: Bradley Cooper, 34. Er gilt als der neue Mann an ihrer Seite und erfüllt mit stahlblauen Augen und jungenhaftem Charme auch alle Kriterien ihres Beuteschemas – nur nicht die, nach denen sie sich sehnt: denn ein Mann zum Heiraten und ein potenzieller Vater ist er nicht. Auch seine Ex-Frau, die ­Schauspielerin Jennifer Esposito, 36, reichte nach nur fünf Monaten Ehe die Scheidung ein. Nicht das erste Mal, dass Jennifer Aniston in die immer gleiche Liebesfalle getappt ist: Schon Paul Sculfor, 36, trennte sich von ihr, weil das britische Model schon beim bloßen Gedanken an Hochzeit in den Fluchtmodus schaltet – auch seine Ex-Freundin Cameron Diaz, 36, musste das schmerzlich erkennen.

Mit ihrem Händchen für den falschen Mann stehen Cameron und Jennifer nicht allein da: Immer mehr Hollywood-Diven träumen vom Eheleben mit dem perfekten Mann — und suchen sich mit schönster Regelmäßigkeit einen Partner aus, der ganz andere Ziele verfolgt. Ein Phänomen, das der Hamburger ­Psychologe Michael Thiel auch aus seiner Praxis kennt: „Viele Frauen haben ein bestimmtes Bild von einem Traummann im Kopf. Dabei übersehen sie dann leider den netten, realen Mann, der viel besser zu ihnen passen könnte“, erklärt er. „Wen wir als Partner wählen, hat viel damit zu tun, ob wir als Kind sichere Bindungen erfahren haben. Kinder, sie sich bedingungslos geliebt gefühlt haben, führen später meist stabilere und längere Partnerschaften, weil sie gelernt haben, an Beziehungen zu arbeiten.“ Bei Scheidungskindern wie Jennifer hingegen kann die Unsicherheit in der Kindheit dahin führen, dass sie ewig auf der Suche nach Mr. Perfect sind – und nie wirklich zur Ruhe kommen.

Dabei hatte Jennifer ihren Traummann bereits gefunden. Fünf Jahre war sie mit Brad Pitt, 45, verheiratet, fand in ihm und seiner Familie das Vertrauen und die Geborgenheit, der sie heute so verzweifelt nachjagt. Doch als Brad von Kindern träumte, war ihr die Karriere wichtiger. Eine Trennung war unausweichlich, meint der Psychologe: „Wenn die Beziehungsrichtung so auseinanderklafft, hat das Paar ein Problem.“

Es wäre mehr als verständlich, wenn Jennifer ihre Entscheidung von damals heute bitter bereut. Und jetzt nicht mehr bereit ist, sich auf eine echte Liebe einzulassen. Denn in einem Interview gestand die 40-Jährige gerade: „Wenn ich wählen müsste zwischen geliebt werden und zu lieben, würde ich mich für selbst lieben entscheiden.“ Für den Psychologen heißt das: „So drücken sich Menschen aus, die die Kontrolle behalten und sich dem Partner nicht wirklich öffnen wollen. Das kann ein Zeichen für Angst vor Nähe sein.“ Diese unbewusste Angst plagt viele Frauen und sorgt dafür, dass sie deshalb einen Mann wählen, mit dem keine enge Bindung möglich ist. „Das ist ein häufiges Beziehungsmuster bei Scheidungskindern“, weiß der Psychologe. „Die wissen, wie es sich anfühlt, verlassen zu werden. Indem sie sich einen bindungs­unfähigen Mann auswählen, schützen sie sich. Weil sie sich auf den gar nicht so intensiv einlassen, dass sie verletzt werden könnten.“ Gut möglich, dass das auf Jennifer zutrifft. Denn es ist unwahrscheinlich, dass die zerbrochene Beziehung zum wilden John Mayer, 31, so tiefe Wunden in ihr Herzen gerissen hat wie ihre Scheidung von Brad Pitt!

Doch die Sehnsucht nach der ewigen Liebe bleibt. Wer aber auf der Suche danach immer wieder an den falschen Mann gerät, „muss herausfinden, woran das liegt, und dann das Beuteschema ändern“, rät der Psychologe. Klingt so leicht, wird aber problematisch, wenn Frauen „Abenteurer“ sind. „Sobald ihnen die Leidenschaft fehlt, sind sie weg. Dabei gehört zu einer stabilen Beziehung das Wechselspiel zwischen Leidenschaft und Routine“, weiß Thiel. Kate Hudson, 30, ist seit ihrer Scheidung von Chris Robinson, 42, so ein Fall. Die Schauspielerin gibt sogar zu, dass sie in der Liebe „leicht entflammbar“ ist: „Früher war ich verrückt nach Jungs und das hat sich bis heute nicht geändert“, sagt sie lachend.

Hauptsache Spaß – das war früher auch das Motto von Cameron Diaz, 36. Doch seit dem Tod ihres geliebten Vaters letztes Jahr will sie selbst eine Familie gründen. Nur leider war Paul Sculfor dafür der falsche Mann. Auch das ist dem Experten nicht fremd: „Wenn man einen Idealvater hatte, muss man aufpassen, den Partner nicht immer an ihm zu messen. Der spürt nämlich irgendwann, dass er mit Papa nicht mithalten kann – und trennt sich.“ Trotzdem ist Liebe kein unmögliches Unterfangen: „Wichtig ist nur, dass Frauen lernen zu unterscheiden. Zwischen ihrem Traummann, der gern im Kopf bleiben darf, und dem Idealmann, der sie glücklich macht. Deshalb ist es wichtig, dass sie nicht auf die Suche nach Mr. Perfect gehen, sondern offen für alle Männer sind, die sie treffen. Und einen Kandidaten nicht gleich abhaken, weil er vermeintlich nicht dem Ideal entspricht“, sagt Michael Thiel.

Und mit diesem Mann klappt es auch in der Liebe. Wie bei Nicole Richie, 27, die mit Joel Madden, 30, das zweite Kind erwartet und ausgerechnet in dem Punk-Rocker Sicherheit und Geborgenheit fand. Den Glauben daran will Jennifer jedenfalls nicht aufgeben: „Das Beste, das einem passieren kann, ist die Liebe!“ Und vielleicht entpuppt sich Bradley Cooper ja doch als Überraschung …

Kathrin Kellermann