Otto: Ich will ernst genommen werden

Exklusiv im Interview

Ein bisschen Spaß muss sein! OK! traf den Star-Komiker Otto Waalkes zum Gespräch: Warum er nie wieder die Nacht mit Udo Lindenberg verbringen möchte und plötzlich von Scheidung redet …

Er ist der Vater der Comedians. Otto Waalkes, 60, ist Komiker, Musiker, Autor, Schauspieler und Synchron­sprecher. Gerade lieh er zum dritten Mal Sid aus „Ice Age 3“ (jetzt im Kino) seine Stimme. Der ­Ostfriese ist das Idol von Nachwuchstalenten wie Oliver Pocher und Mario Barth. Was er von seinen Nachfolgern und nebenbei von Dieter Bohlen hält, erzählt er im OK!-Interview.

Inwieweit identifizieren Sie sich eigentlich mit Ihrer Rolle des Faultiers Sid?
Nach dem dritten Mal sehr. Gewisse Ähnlichkeiten sind da: das charmante Lächeln, der Gang, das Haar. Wir sind inzwischen eins.

Die Figur Sid ist dafür bekannt, ständig den Kasper zu geben, plötzlich fordert er in „Ice Age 3“ Respekt. Kennen Sie das Problem, nicht ernst genommen zu werden?
Ich will immer ernst genommen werden. Aber die Leute nehmen mich seit vielen Jahren nicht ernst, das ist ein großes Problem. Ich wollte auch ernsthafter Folklore-Musiker werden. Aber mir fiel das Mikrofon immer herunter und meine nervöse Entschuldigung kam besser an als meine Musik. Und dann bin ich dabeigeblieben.

Aus der Not die Tugend?
Ja, in der Tat.

Kam es damals so auch zu Ihrer eher ungewöhnlichen WG mit Udo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen?  
Oh, daran erinnere ich mich noch gut. Der Udo mit seinem Wasserbett … Er hat über mir gepennt und ist einmal mit Zigarette eingeschlafen und alles ist ausgelaufen. (schmunzelt) Wir haben gejamt, gesungen, Gitarre gespielt. Es war ein Riesen-Haus mit 14 Leuten und wir haben nie abgewaschen. Ich war der Erste, der Geld verdiente und kaufte dann einen Geschirrspüler.

Haben Sie noch privaten Kontakt?
Ja, klar. Wir sehen uns sehr häufig. Udo und ich sind auch gerade zusammen aufgetreten.

Sie stehen schon seit über 40 Jahren auf der Bühne. Hatten Sie schon mal das Gefühl, alles hinschmeißen zu wollen?
Bisher nicht. Die Herausforderung ist immer noch da. Zumindest solange das, was ich mache, gut ankommt. Und solange ich für das, was ich geschrieben, komponiert und geübt habe, Applaus kriege. Das ist ein unbeschreibliches Gefühl.

Und wenn die Lacher ausbleiben?
Daraus lernt man und lässt dann den Gag weg.

Könnten Sie sich vorstellen, einmal in ernste Rollen zu schlüpfen?
Warum sollte ich?

Wegen der Herausforderung?
Für mich ist es nur eine Herausforderung, noch lustiger zu sein. Ich bekomme aber oft Angebote, ob ich nicht den Kommissar im „Tatort“ geben will, aber mir würde immer was rausrutschen wie: „Der Verdächtige hat gestanden.“ – „Die ganze Zeit? Und sie haben ihm keinen Platz
angeboten?“ Ich würde ständig den Faden verlieren. Das ist mein großes Leid.

Und Ihr großes Talent …
Das Tolle an meiner Branche ist eben, dass ich machen kann, was ich will. Wenn ich einen Film machen oder auf Tour gehen will, mache ich das. Oder ich lass’ mich scheiden …

Moment! Steht eine Scheidung an?
Ach! (lacht) Scheidung steht immer an.

Ihr Sohn Benjamin, 22, wächst bei Ihnen in Hamburg auf. Schlägt er in die gleiche Kerbe?
Leider nicht. Ich habe es immer versucht mit Gitarre, Klavier. Aber er spielt von morgens bis abends Tennis. Er hat andere Interessen. Als er 14 war, wollten mich seine Freunde immer sehen und wenn ich runterkam mit einem „Holadiriti“, sagte er immer: „Papa, lass’ es! Es ist peinlich.“ Heute sagt er: „Okay. Kannst wieder gehen.“ Das ist natürlich hart.

Im August startet Ihre „Otto – live in Berlin“-Show. In der Ankündigung sticheln Sie gegen Dieter Bohlen („Dauergrinser“). Mögen Sie ihn nicht?
Doch, doch. Wir sind Kollegen. Und wer Gold in der Kehle hat, soll ruhig seinen Schnabel aufmachen. Und wenn da nur Käse rauskommt, dann macht das nichts. (schmunzelt und reimt) Lieber Gott, schenke Dieter Bohlen doch ein Loch. Lass’ ihn reinfallen und mach’ zu. Dann ist auf der Erde Ruh!

Wie beurteilen Sie die heutige Comedy-Szene? Mario Barth füllt inzwischen Stadien …
Na ja, er füllte nur das Berliner Stadion (lacht). Meine Art von Humor ist eher amerikanisch orientiert. Ich stehe mit meiner Gitarre auf der Bühne, erzähle Märchen, es ist diese bestimmte Vortragsform, die die Leute mögen. Heute kristallisieren sich neue Talente raus: Michael Mittermeier zum Beispiel. Diese Generation hat das Talent, Hallen zu füllen und lange auf Tournee zu sein. Diese Beständigkeit ist nicht einfach.

Das Olympiastadion würden Sie aber auch füllen …
Ach, das habe ich doch alles hinter mir. Opernhäuser, das ist so meine Kragenweite. Diese wahnsinnige Akkustik in riesigen Hallen. (imitiert sein Echo und das wiederhallende Lachen) Das ist nichts für mich.

Meike Rhoden