Harrison Ford: Ich bin noch gut in Schuss

Exklusiv im Interview

„Dafür bin ich zu alt“ – diesen Satz werden wir von Harrison Ford wohl nie hören. Exklusiv mit OK! spricht der Schauspieler über den neuen Indiana Jones, Macho-Gehabe und sein Sexleben.

Normalerweise ist er einer von den Netten. Das war er auch im Exklusiv-Interview mit OK!. Doch es gibt zwei Sachen, die Harrison Ford, 66, gar nicht leiden kann: seichte Filme und Autogrammjäger, die ihn bis auf die Toilette verfolgen.

Sie haben mal gesagt: „Wenn ich einen Film mache, dann ist das, als würde die Feuerwehr ausrücken, um einen Großbrand zu löschen – nicht etwa eine Mülltonne.“ Ist Ihr neuer Film ein „Großbrand“?
(lacht) Sicher nicht in dem Sinn wie die Indiana-Jones-Filme. Ich wollte mit dem Vergleich nur sagen: Wenn ich mich schon aufmache ­einen Film zu drehen, muss er schon eine gewisse Substanz haben. Für banale Movies mache ich jedenfalls keinen Finger mehr krumm.

Indiana Jones ist ein gutes Stichwort: Wie man hört, wird gerade an einem fünften Teil gearbeitet …
… da haben Sie richtig gehört. Aber mehr kann und will ich dazu nicht sagen.

Sie werden im Juli stolze 67 Jahre alt. Wann haben Sie das letzte Mal den Satz gesagt: „Dafür bin ich zu alt“?
Den habe ich überhaupt noch nicht gesagt. Das ist so ziemlich das Dümmste, was man ­sagen kann – egal, wie alt man ist. Entweder man macht etwas oder man lässt es sein. Und auch mit 67 kann man noch jede Menge tun, wenn man gut in Schuss ist – so wie ich.

Zum Beispiel heiraten. Wie man hört, wollen Sie Ihrer Lebenspartnerin Calista Flockhart nächstes Jahr am Valentinstag das Ja-Wort geben …
… was Sie so alles hören. Calista und ich sind seit gut acht Jahren zusammen. Und wir sind sehr glücklich. Das kann ich bestätigen.

Sie haben vier Kinder gezeugt, ein Haus gebaut – jetzt müssen Sie nur noch einen Baum pflanzen …
… und wäre dann – dem Klischee zufolge – ein ganzer Kerl. (lacht) Wenn das so einfach wäre!

Ist es also nicht?
Ein echter Mann würde sich niemals auf seinen Lorbeeren ausruhen. Er muss sich täglich neu beweisen. Das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, den Macho heraushängen zu lassen. Sondern sehr viel damit, Verantwortung zu übernehmen. Für sich und die Seinen.

Der Mann als Beschützer – warum nicht?!
Das Leben ist schon eine seltsame Reise. Bei all meiner Erfahrung muss ich trotzdem fest­stellen, dass ich mich auch heute noch mit denselben Problemen und demselben Frust he­rumschlage wie früher. (lächelt) Anscheinend habe ich nichts dazugelernt.

Sie haben einen Wunsch frei – was wäre das?
Anonymität! Das ist der große Verlust, den ich in meinem Leben erfahren habe.

Das ist Jammern auf hohem Niveau: „Hollywood-Star und Multimillionär leidet darunter, dass er auf der Straße erkannt wird“. Wie schrecklich!
Nein, das meine ich damit nicht. Auch nicht die gelegentliche Paparazzi-Plage. Was ich meine ist, dass mir dadurch eine wesentliche Arbeitsgrundlage als Schauspieler abhanden ­gekommen ist. Ich kann schon lange nicht mehr fremde Leute beobachten – sie beobachten mich. Früher habe ich mir so viele Ticks und Besonderheiten von Fremden abgeschaut, die ich dann später in meine Rollen eingebaut habe. Heute fühle ich mich oft wie der berühmte Goldfisch im Glas. Das ist sehr unangenehm.

Müssen sich Autogrammjäger etwa vor Ihnen fürchten?
Nein. Diesbezüglich ist mit mir gut Kirschen essen. Ich gebe sogar Autogramme, wenn Leute während des Essens auf mich zukommen und stören. Nur wenn ich vor dem Urinal stehe, dann sollten sie lieber nicht nach einem Autogramm fragen. Und auch nicht, wenn ich gerade Sex habe.

Ulrich Lössl