Brad Pitt macht Schluss!

Er will Hollywood den Rücken kehren

Goodbye, Hollywood! Brad Pitt denkt tatsächlich ans Aufhören. Doch sein Plan, sich bald verstärkt um seine Kinder zu kümmern, sorgt für Streit mit Angelina Jolie …

Manchmal gewinnt ein kurzer Satz erst später an Bedeutung: „Ich denke,­ die Schauspielerei gehört den Jungen. Ich habe das Gefühl, ich bin fertig damit. Ich hatte meine Zeit und es ist befreiend, das zu wissen.“ Ein nebenbei hingeworfener Kommentar von Brad Pitt, 45, der aus dem Mund des ehemals „Sexiest Man Alive“ zwar klingt, als wäre er nur auf Komplimente aus, der aber doch offenbart, welche Pläne der Superstar insgeheim bereits schmiedet: Er denkt tatsächlich ans Aufhören! Schluss mit Hollywood, dem Glamour-Leben, dem Jetset.

Es ist mehr als offensichtlich, dass sich Brads Prioritäten in den vergangenen Jahren komplett verschoben  haben – und ihn sogar philosophisch werden lassen: „Ich weiß nicht, ob ich noch zehn Tage, zehn Jahre oder weitere 45 Jahre habe. Die Zeit rast“, gab er gerade in einem Interview mit dem britischen Magazin „Reveal“ zu. „Von daher will ich keinen Moment mit Bitterkeit verschwenden, sondern mit den Menschen zusammen sein, die ich liebe.“ Und das sind ohne Zweifel seine sechs Kinder und Lebensgefährtin Angelina Jolie, 34, die er zärtlich „meine Seelenverwandte“ nennt.

Trennungsgerüchte, die seit Monaten nicht verstummen, weist er weit von sich. „Wie oft im Leben passiert es, dass man echte Liebe findet? Wenn man Glück hat, zwei oder drei Mal. Ich habe die Liebe in meinem Leben gefunden.“ Trotzdem ist im Haushalt Jolie-Pitt bei Weitem nicht alles eitel Sonnenschein: Die beiden haben zu unterschiedliche Auffassungen – vor allem von der Kindererziehung! Brad Pitt, der sich vom weltweit angebeteten Sexsymbol zum verantwortungsbewussten Vater gemausert hat, denkt deshalb schon länger über die Zukunft von Maddox, 8, Pax, 5, Zahara, 4, Shiloh, 3, und den Zwillingen Knox und Vivienne, 1, nach. Und für den Mann, der als ältestes von drei Geschwistern behütet in einer Kleinstadt in Missouri aufwuchs, steht fest: Er will endlich sesshaft werden, um den Kindern ein stabiles Zuhause zu geben.

Doch damit stößt er bei seiner ­rebellischen Partnerin auf taube Ohren: „Die Kinder sollen die Welt und verschiedene Kulturen kennen­lernen“, ist oberste Prämisse von Freigeist Ange­lina Jolie. Bereits mit 14 Jahren lebte sie mit ihrem damaligen Freund im Haus ihrer Mutter Marcheline Bertrand († 2007) zusammen und verriet einmal in einem TV-Interview: „In der Zeit habe ich erkannt, dass es irre erregend ist, sich beim Sex mit einem Messer gegenseitig zu verletzen.“ Diese Erlebnisse und die daraus resultierende unkonventionelle Einstellung zum  Leben sind allerdings meilenweit entfernt vom Wertesystem eines Brad Pitt: Er verbrachte eine beschauliche Teenager-Zeit an der High School, spielte Football, Theater, und die erste Liebe erlebte er wesentlich harmloser.

Genau das wünscht er sich für seine Kinder: Liebe, Geborgenheit, Sicherheit – und manchmal auch ganz klare Verhaltensregeln. Denn gerade an Letzterem fehlt es: „Meine Kinder sind die lustigsten Menschen, die ich je getroffen habe“, schwärmt Pitt zwar, setzt dann aber hinzu: „Sie sind aber auch gleichzeitig die unordentlichsten. Wenn wir ein hübsches, aufgeräumtes ­Hotelzimmer betreten, herrscht innerhalb von Minuten absolutes Durcheinander!“ Statt jedoch ein Machtwort zu sprechen, ändert der sechsfache Vater sein eigenes Verhalten: „Ich muss mir immer genau überlegen, wo ich meine Sachen ablege. Ansonsten ist schnell ein Fleck drin!“

Dass er sich diesbezüglich nicht durchsetzt, hat einen guten Grund: Von Machtwörtern oder Regeln hält Angelina nichts. Sie ist der Meinung, dass sie Kinder nur einengen und schwört auf antiautoritäre Erziehung. Das bestätigte auch ein ehemaliges Kindermädchen des Paares, das vor einem Jahr entnervt seinen Job kündigte: „Die Kleinen können tun und lassen, was sie wollen. Es ist immer Lärm und Chaos im Haus.“ Außerdem verriet die Ex-Angestellte, dass im Hause Jolie-Pitt gesunde Ernährung kein Thema ist: „Wenn die Kinder zum Frühstück Pizza wollen, bekommen sie die auch.“

Abendessen im Kreise der Familie? Fehlanzeige! „Ich kann nicht kochen“, gibt Angelina selbst zu. Aber einen Koch engagiert sie trotzdem nicht: Fahrten zum Fast-Food-Restaurant oder eine Tüte Chips zum Frühstück sind ihre Antwort auf quengelige Kinderfragen: „Wann gibt es was zu essen?“ All das würde Brad mittlerweile gern ändern – weil er es als Kind selbst anders kennengelernt hat und weil ihn nicht nur seine Eltern Bill und Jane darin bestärken, dass Kindern Grenzen gesetzt werden müssen.

Brads Plan, Hollywood den Rücken zu kehren, kommt also nicht von ungefähr: Er sehnt sich danach, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen und ein Vorbild für sie zu sein. Zwar gibt es zwischen ihm und Angelina das ungeschriebene Gesetz, nach Möglichkeit bei Dreharbeiten nie länger als drei Tage von den Kindern getrennt zu sein, aber das reicht ihm nicht. Er will einen festen Wohnsitz, an dem die sechs zur Schule gehen und ihre Erfahrungen machen: Streit mit Mitschülern, den ersten Flirt, Schulaufführungen, ­Sportveranstaltungen und gemeinsame Abendessen. „Ich möchte, dass sie ein erfülltes Leben haben und hoffe, dass ich ihnen dabei helfen kann, die Menschen zu werden, die sie sind.“  

Für den Superstar hat die Familie eindeutig oberste Priorität. Etwas, das auch seine Lebensgefährtin immer wieder betont hatte: „Ich werde mir jetzt eine lange Auszeit nehmen und mich nur um die Kinder kümmern“, kündigte Angelina nach jeder ihrer zwei Schwangerschaften an. Gehalten hat sie dieses Versprechen nie. Vielleicht, weil sie zu umtriebig und rastlos ist, um ein harmonisches Leben zu führen, das sie scheinbar als „spießig“ empfindet. Damit seine „große Liebe“ weiterhin Filme drehen, ihren Tätigkeiten als Botschafterin der Vereinten Nationen nachgehen und sich ausprobieren kann, ist Brad bereit, zurückzutreten und ein großes Opfer zu bringen. „Natürlich habe ich noch Träume, was die Schauspielerei angeht“, verrät er. „Aber so viele gute Rollen sind nicht dabei.“ Jedenfalls keine, die ihn so sehr ausfüllt, wie die Rolle als Familienvater.

Kathrin Kellermann