Naomi Campbell: Die Modebranche ist rassistisch!

Farbige Models haben es schwieriger

Naomi Campbell, das erfolgsverwöhnte Topmodel muss plötzlich anderen Schönheiten den Vortritt lassen. Jetzt klagt sie öffentlich an.

Sie ist eines der erfolgreichsten Topmodels. Doch die Erfolgskarriere von Naomi Campbell, 39, stagniert. Eine Entwicklung, für die das raubeinige Mannequin die fremdenfeindliche Modeindustrie verantwortlich macht. "Dieses Jahr habe ich noch keine dunkelhäutige oder exotische Frau in großen Werbekampagnen gesehen“, klagt sie in einem Interview mit der englischen Zeitung "Telegraph“ an. „Es ist eine Schande: Seit der Wirtschaftskrise wollen angeschlagene Unternehmen den Erfolg ihres Produktes nicht durch farbige Models in ihren Kampagnen riskieren“, wütet sie. Als "rassistisch“ rügt sie die Branche. Und liefert die Beweise gleich mit: 1988 ehrte Naomi als erstes farbiges Model die Titelseite der "Vogue“, bis 2007 zierte sie insgesamt achtmal die erste Seite des Modemagazins. Kate Moss, 35, adelte im Laufe ihrer Karriere hingegen wenigstens 24 Ausgaben. Weil sie Europäerin ist und helle Haut hat, so Naomi.

Die Zeiten haben sich tatsächlich geändert. Auch auf den internationalen Laufstegen haben es farbige Models schwer. Die meisten Designer buchen blonde, hellhäutige Frauen. Je unauffälliger das Mädchen, desto weniger konkurriert es mit der Kleidung auf seinem Körper. Yannis Nicolaou, Direktor der Hamburger Modelagentur Place Models, bestätigt die erschreckende Tendenz auf Nachfrage von OK!: "Auftraggebern präsentieren wir immer unsere besten Models unabhängig von ihrer Hautfarbe. Doch die farbigen Mädchen werden weniger bis kaum gebucht – das ist eine traurige Entwicklung.“ Regelmäßig hieße es dann: "Die verkaufen sich nicht so gut“, so der Agenturchef.

"Der amerikanische Präsident mag inzwischen farbig sein, aber als dunkelhäutige  Frau bin ich immer noch eine Ausnahme im Business. Ich muss immer härter arbeiten als andere, um gleich behandelt zu werden", betont Naomi. Und um Respekt entgegengebracht zu bekommen. Das sudanesische Model Alek Wek, 32, berichtete einst über diskriminierende Foto­shootings mit Farbigen, die auch sie am Anfang ihrer Karriere durchstand: Alek wurde mit Tierfellen und afrikanischen Speeren dekoriert oder sollte sich als menschliches Espresso-Imitat in einer überdimensionalen Kaffeetasse ­rekeln. Seit diesem Auftrag lehnt sie alle Angebote, die sie nur wegen ihrer Hautfarbe bekommt, prinzipiell ab.

Meike Rhoden