Michael Ballhaus: Hollywoods Plaudertasche

Die Wahrheit über die Stars

Als Kameramann kam er den Stars so nah wie kaum ein anderer. In OK! erinnert er sich - an die Macken von Tom Cruise, Julia Roberts und Meryl Streep.

Dieser Mann ist ein Phänomen. Nach einer großen Karriere in Deutschland bis Anfang der 80er-Jahre, wurde Michael Ballhaus, 74, zu einem der besten Kameramänner in Hollywood. Dreimal war er für den Oscar nominiert, drehte Kultfilme wie „Goodfellas“ und arbeitete mit Martin Scorsese, Francis Ford Coppola und Mike Nichols. Nach „The Departed“ war Schluss. Ballhaus zog sich 2006 nach Berlin zurück. Mit Filmstudenten dreht er nun Werbefilme gegen die Klimaerwärmung. Nur manchmal lässt er sich hinreißen, über die Starallüren von Hollywood-Größen zu lästern. John Travolta, Jack Nicholson, Robert De Niro und Dustin Hoffman – auch Superstars haben so ihre kleinen Fehler, wie er verrät …

Sie berichten mit erfrischender Offenheit von den Macken der Stars. Warum machen Sie das?
Ich weiß auch nicht, was mich dazu treibt. Ich habe das speziell beim letzten Gespräch hinterher bereut . Denn die Leute, die das betraf, hat das nicht begeistert. Jetzt bin ich vorsichtiger.

Schade …
Es gibt Dinge, die sind in Amerika kein Geheimnis. Viele Schauspieler sind klein, die berühmtesten sogar. Dann stellt man ihnen eben ein kleines Kistchen hin, auf das sie sich stellen können und schon sind sie sind zehn Zentimeter größer.

Hollywood-Stars leben ja von ihrem Image …
Ich habe Tom Cruise in seiner ersten großen Rolle bei „Color of Money“ kennengelernt. Da stand er ganz am Anfang: ein junger, sehr begabter Schauspieler. Wie ich gehört habe – ich hatte dann nicht mehr mit ihm gearbeitet –, hat er sich sehr verändert. Oder Julia Roberts: Mit der habe ich gedreht, als sie 20 war: Ein süßes Mädchen, das immer morgens fröhlich ans Set kam und alle Leute herzlich an ihren zauberhaften Busen gedrückt hat. (schmunzelt) Und die ist immer noch nett.

Das sagt man auch über Meryl Streep, trotzdem hatten Sie miteinander Stress …
Ich liebe Meryl! Dass wir bei einem Film mal Probleme hatten, hatte andere Gründe. Zunächst mal war sie für ihre Rolle zehn Jahre zu alt – und das wusste sie. Dazu kamen familiäre Probleme. Aber am Ende sah sie toll aus.

Sie reden nicht nur offen über Schauspieler, sondern auch über Politik.
Es ist wichtig, dass der Atomausstieg eingehalten wird. Deshalb habe ich eine Initiative der SPD unterstützt. Zum einen wissen wir, dass Uran, genauso wie Öl, nur begrenzt zur Verfügung steht und immer teurer wird. Weil immer mehr Länder Atomenergie nutzen, wird Uran schneller verbraucht als vorhergesehen. Da ist es doch ein Irrsinn, dass man Milliarden in Atomkraftwerke steckt, statt dasselbe Geld in erneuerbare Energien zu investieren.  

Sie sind mit SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier befreundet. Wie kam es dazu?
Freundschaft ist ein so großes Wort. Aber es ist mehr als eine Bekanntschaft, auf jeden Fall. Er hat mir ein wunderbares Fax geschickt, als meine Frau Helga vor drei Jahren verstarb. Das hat eine emotionale Basis hergestellt, die sofort da war, als wir uns persönlich kennengelernt haben. Ich schätze ihn sehr – als Mensch und Politiker.

Dafür, dass Sie in Rente sind, sind Sie sehr aktiv!  
Ich habe viel zu viel Spaß an meinem Beruf und am Unterrichten an Filmhochschulen. Außerdem liegen mir meine Umweltprojekte sehr am Herzen, sodass ich jetzt mehr zu tun habe, als damals, wo ich vor allem Filme gedreht habe. Mein Ruhestand ist ein Unruhestand.

Kati Degenhardt