John Travolta: Ist er Schuld am Tod von Sohn Jett?

Jetzt spricht er vor Gericht

Nach dem Tod seines Sohnes Jett muss sich John Travolta einer grausamen Frage stellen: Trägt er Schuld an der Tragödie?

Als er im Zeugenstand über die letzte Stunde im Leben seines Sohnes spricht, bringt er nicht mehr als ein Flüstern hervor. Zum ersten Mal seit der Tragödie im Januar, als sein Sohn Jett († 16) starb, kehrte John Travolta, 55, auf die Bahamas zurück, um vor dem höchsten Gericht in Nassau auszusagen, wie sein Kind gestorben ist: "Er lag auf dem Badezimmerboden, seine Betreuerin führte die Herzmassage durch und ich habe ihn beatmet", erzählt er stockend. Ohne Erfolg. Der chronisch kranke Junge wurde wenig später in einem Krankenhaus der Ferieninsel für tot erklärt.

Es ist offensichtlich, dass sich der Hollywood-Star mit Vorwürfen quält. Und sich die Frage stellt, ob er das Drama hätte verhindern können. Allerdings nicht durch bessere Erste Hilfe, sondern durch frühere Einsicht. Denn vor Gericht gab ­Travolta zum ersten Mal zu: "Ja, mein Sohn war autistisch. Alle fünf bis zehn Tage hatte er einen etwa 45-sekündigen epileptischen Anfall." Das hatten er und Ehefrau Kelly Preston, 46, bisher immer vehement bestritten, stets beteuert, Jett leide unter dem Kawasaki-Syndrom – einer akuten Gefäßentzündung. Hinter dieser Lüge steckt die Weltanschauung von Scientology, der das Paar folgt: Laut der Sekte ist Autismus keine Krankheit, sondern eine psychosomatische Störung, die man mit Gebeten und nicht mit Medikamenten heilt. Natürlich stellt sich der trauernde Vater nun die Frage, ob Jett mit angemessener medizinischer Behandlung noch leben könnte …

Dieses Schuldbewusstsein nutzten auch zwei Betrüger aus. Tarino L., der Fahrer des Wagens, der Jett ins Krankenhaus bringen sollte, und die mittlerweile zurückgetretene Lokalpolitikerin ­Pleasant Bridgewater, 49, hatten versucht, den Star um 25 Millionen Dollar zu erpressen. Travolta hatte ein Dokument unterzeichnet, das den Sanitäter von der Pflicht entbindet, Jett in die Notaufnahme zu fahren. Denn: Er wollte sein Kind lieber direkt zu Ärzten in die USA fliegen. Deshalb nun seine Aussage vor Gericht, weil ­Travolta Klage gegen die Erpresser einreichte. Jetzt muss er sich der schmerzhaften Erinnerung an den Tod seines Sohnes stellen und seinen Glauben an Scientology hinterfragen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Anna-Julia Meyer