Jennifer Aniston in der Diät-Hölle

Gefährlicher Körperkult

Seit Jahren ist Jennifer Aniston auf Dauerdiät, quält sich mit einem strengen Sportprogramm und hat sich sogar unters Messer gelegt. Alles nur fürs Aussehen. Denn nur wer schön ist, hat in Hollywood Erfolg.

Endlos lange schlanke Beine, mit denen sie grazil über den roten Teppich schreitet. Egal, auf welcher Party Jennifer Aniston, 40, auftaucht: Sie ist der Hingucker des Abends! Die 1,65 Meter große Schauspielerin gilt als der Hollywood-Star mit dem schönsten Körper. Weil sie beneidenswert schlank und durchtrainiert, aber nicht mager ist. Weil sie jugendlich schön, aber ihr Gesicht nicht von Botox zur Maske erstarrt ist. Dass Jennifer im Februar 41 Jahre alt wird, sieht man ihr auch deshalb nicht an, weil sie sich stets so erfrischend herzlich und offen präsentiert. Sie ist Vorbild – und Neidobjekt zugleich. Viele Frauen träumen davon, einen Körper wie Jennifer zu haben, den sie offenbar nur ihren guten Genen verdankt.

Doch dem ist nicht so, ganz im Gegenteil. Es ist eine Qual, Jennifer Aniston zu sein. Das gibt sie jetzt sogar selbst zu: "Wenn ich ständig Burger und Chips essen würde, bekäme ich nicht mehr die Rollen, die ich gern hätte." Stattdessen ist sie auf Dauerdiät. "Ich nehme nicht mehr als 1 300 Kalorien am Tag zu mir", verrät Jennifer. Zum Vergleich: Der normale Kalorienbedarf für Frauen liegt bei 2 000, mit Diäten purzeln die Pfunde bereits bei 1 500 Kalorien am Tag. Jennifer jedoch liegt deutlich unter dem erlaubten Bedarf, um mit Gewalt ihre athletische Figur zu halten.
Hungern allein bringt aber nicht den ­gewünschten Erfolg. Zusätzlich unterwirft sich die Schauspielerin einem rigiden Fitnessplan. Täglich stehen zwei Stunden Sport auf ihrem Programm. Selbst an anstrengenden Drehtagen geht sie erst joggen, bevor sie mit Yoga-Training ihre Muskeln und Nerven stählt. "Um auf meine tägliche Sportdosis zu kommen, stehe ich um 3 Uhr morgens auf", gibt sie zu. Gemütliche Abende mit Freunden, Pasta und Rotwein gibt es bei ihr nicht. Zu viele Kalorien und Kohlehydrate, die alle Hollywood-Stars meiden wie der Teufel das Weihwasser. Und da schon ein Schokoriegel mit 300 Kalorien zu Buche schlägt, "vermeide ich das gleich", so Jennifer über ihre No-Go-Liste. Auch Fertiggerichte, die jeder Mensch schon aus Zeitgründen im Tiefkühlfach hat, sind verboten: "Die schwemmen nur auf", erklärt sie.

Das klingt nach einem Leben ohne Lust – dafür mit viel Verzicht. Und damit steht Jennifer in der Traumfabrik nicht allein da. Sie ist nur eine der wenigen, die es offen zugibt. Andere Stars behaupten eher, dass sie alles essen, was ihnen schmeckt und nur deshalb so dünn sind, weil sie einen guten Stoffwechsel haben. Doch das ist eine Lüge: Nicole Richie, 28, wurde ihre Schwangerschaftspfunde nur deshalb so schnell los, weil sie sich wochenlang nur noch von japanischen Sashimi (roher Fisch ohne Reis) ernährte. Eine Radikaldiät, die neuerdings auch Victoria Beckham, 35, für sich entdeckt hat: "Weil ich so schlank sein will wie die Models, die meine Mode vorführen", sagt sie. "Schließlich habe ich Vorbildfunktion."

Hollywood diktiert das strenge Schönheitsideal. Wer das nicht erfüllt, ist abgeschrieben. Davon kann auch Ex-Topmodel Tyra Banks, 35, ein Lied singen. Als sie 15 Kilo zulegte, sanken die Quoten ihrer Castingshow "America’s Next Top Model" und ihr wurde dringendst nahegelegt, schnell wieder abzuspecken (OK! berichtete). Für Jennifer Aniston wird das keine böse Überraschung gewesen sein: Als sie ihre Schauspielkarriere begann, riet ihr Agent sofort: "Nimm 15 Kilo ab, dann sehen wir weiter." Die Hungerkur zeigte den gewünschten Erfolg: Kaum brachte Jennifer weniger Pfunde auf die Waage, wurde sie mit Rollenangeboten überhäuft und 1994 durch die Kultserie "Friends" zur Ikone. Seitdem ist sie auf Diät, quält sich mit einem intensiven Sportprogramm und hat sich für den perfekten Look sogar unters Messer gelegt – und sich eine neue Nase verpassen lassen. ­Offiziell sagte ihr Sprecher zwar 2007, Jennifer hätte sich dem Eingriff nur unterzogen, um eine verkrümmte Nasenscheidewand zu korrigieren. Aber er gab auch zu, dass es notwendig war, weil die Nase vor über zwölf Jahren inkorrekt gemacht worden wäre.

Nasen-OPs gehören in Hollywood schon zum guten Ton. Einen "Nose Job" bekommen reiche Töchter bereits zum 16. Geburtstag geschenkt. Kurz bevor sie sich die Brüste vergrößern lassen. Ein Eingriff, den man Jennifer Aniston mehrfach unterstellt hat, den sie aber beharrlich leugnet. Verwunderlich wäre es aber nicht, wenn sie bei ihrem straffen Dekolleté nicht nachgeholfen hätte. Schließlich geht es in ihrem Job nicht um innere Werte, sondern vor allem ums Aussehen.

Für Jennifer bedeutet das vor allem eins:  Sie muss noch härter an sich und ihrem Körper arbeiten, um mit jüngeren Schauspielerinnen mithalten zu können. Deshalb ist ihr Trick: "Ich bevorzuge Rollen, bei denen ich jünger aussehen muss, als ich bin. Das spornt mich bei meinem Training richtig an." Das verschafft ihr zwar den Traumkörper, den sie ohne Zweifel hat. Aber sich selbst stets zu kasteien, kostet sie auch ein Stück Lebensqualität. Weil es nahe­zu lustfrei ist, konstant auf Diät zu sein. Aber vielleicht rückt der Körperkult in den Hintergrund, wenn Jennifer mit der Familienplanung beginnt: "Ich will viele Kinder", sagt sie. "Das liegt wohl an meinen griechischen Genen." Und die verlangen irgendwann nach Genuss …

Kathrin Kellermann