Andre Agassi: Überraschende Drogenbeichte

Alles aufs Spiel gesetzt

Er hat so viel zu verlieren: Warum der Ex-Tennisstar Andre Agassi dennoch eine überraschende Drogenbeichte abgelegt hat.

Die Maske ist gefallen. Und was dabei zum Vorschein kommt, ist teilweise sehr hässlich. Schonungslos ehrlich und ohne Rücksicht auf Verluste berichtet Andre Agassi in seiner Autobiografie "Open" über seine Vergangenheit. Und was er offenbart, kratzt sehr heftig an seinem Saubermann-Image: "Ich habe Crystal Meth genommen!" Mit dieser Aussage schockiert der 39-Jährige nicht nur die Tenniswelt. Als seine Karriere 1997 an einem Tiefpunkt angelangt war, habe ihm sein Assistent die Droge angeboten. Agassi beschreibt haargenau, wie er das Pulver schnupfte und welche Reaktion das bei ihm auslöste. Tagelang habe er völlig high durchgemacht. "Ich hatte mich noch nie so lebendig und voller Hoffnung gefühlt. Noch nie so viel Energie verspürt."

Krampfhaft hat Agassi über Jahre die Fassade aufrechterhalten. Schon als kleiner Junge habe ihn sein Vater Emmanuel in den Tennissport getrieben, nur Höchstleistungen akzeptiert. Agassi gibt zu, dass er Tennis eigentlich immer gehasst habe, "mit einer dunklen und geheimen Leidenschaft". Der Weckruf kam im Herbst 1997, als er bei einem Drogentest überführt wurde – und die Mediziner vom ATP eiskalt anlog, indem er behauptete, aus Versehen einen mit Drogen versetzten Drink seines Assistenten getrunken zu haben.

Warum stellt der Tennisstar sich jetzt, so viele Jahre später, dermaßen bloß? Riskiert seinen guten Ruf und damit alle seine Werbeverträge? Zusätzlich zur Drogenbeichte lässt er sich noch seitenlang darüber aus, dass er in den 90ern seinen fortschreitenden Haarverlust mit einem künstlichen Haarteil kaschierte. Und furchtbare Ängste ausstand, es zu verlieren. "Ich freue mich sogar, der Welt meine ganze Geschichte zu erzählen", gibt sich Agassi gelassen. "Meine Hoffnung ist, dass die Menschen von mir lernen."

Gerettet haben ihn letztendlich die ­Liebe zu Steffi Graf und die zwei gemeinsamen Kinder Jaden Gil, 8, und Jaz Elle, 6. "Wenn Stefanie etwas sagt, gehen die Worte sehr tief. Sie streichelt meine Wange, neigt ihren Kopf und sie versteht es. Sie ist da und das ist genug"  schwärmt er über die 40-Jährige.

Tanja Fritzensmeier