Scooter: Warum sind sie uns so peinlich?

Über peinliche Musik, Nonsense-Texte und ihren Mega-Erfolg

Die Band hat ein Image-Problem: Ihr Album erobert die Charts, aber keiner will sich als Scooter-Fan outen.

Mit 25 Millionen verkauften CDs gehören sie zu den erfolgreichsten deutschen Bands. Trotzdem werden Scooter von vielen belächelt. In Internet-Foren werden sie als "Karstadt-Raver" gebrandmarkt, namhafte Musikmagazine kommentieren Scooters aktuellen Charterfolg mit „armes Deutschland“. OK! will von Frontmann H. P. Baxxter wissen, ob das am Selbstbewusstsein kratzt.

"Man kann nicht jeden Geschmack treffen", sagt der 43-Jährige im exklusiven Inter­view. Die vergangenen Jahre ("Wir wurden gnadenlos runtergeputzt!") haben ihn kritik­resistent gemacht. Wo andere resignieren, dreht H. P. erst richtig auf: "Die Geringschätzung stachelt mich an, noch besser zu werden", sagt er und bemüht sich, sogar einem Verriss etwas Positives abzugewinnen. "Man wird bloß selbstzufrieden und träge, wenn man von allen hochgejubelt wird." Außerdem sei er viel zu beschäftigt, um sich Anfeindungen zu Herzen zu nehmen. Mit dem aktuellen Album "Under The Radar Over The Top" sind Scooter von null auf Platz zwei in die deutschen Charts geschossen. Den Erfolg hat die Band mit Champagner­duschen gefeiert. Kein Wunder: "Wir haben über ein Jahr daran gearbeitet, standen extrem unter Erfolgsdruck", gibt H. P. zu. "Ich finde es unheimlich schwierig, einen Hit mit Wiedererkennungswert zu produzieren, der nicht wie ein oller Aufguss klingt." Manchmal, so erzählt er, sitze er in seinem Arbeitszimmer und müsse selber lachen über Refrains wie "Wicked!", "Hardcore!" oder "Posse!", mit denen er Tanzflächen zum Kochen bringt.

Das hört sich doch alles gleich an, mag man denken. Doch der Wahl-Hamburger verteidigt ­seinen Sound: "Wir setzen jedesmal andere Beats und Rhythmen ein." Dass seine Texte Nonsens sind, mag er trotzdem nicht bestreiten. "Ich will mit meiner Musik ja keine Gesellschaftskritik üben, sondern eine  positive Stimmung verbreiten." Was ihm wohl gelingt: "Auf unseren Konzerten wird gefeiert wie verrückt!" Doch in vielen Ohren klingt Scooter nur nach lärmendem Kirmes-Techno. Die Ursache sieht H. P. in Anfängerfehlern. "Damals haben wir uns unbeholfen angestellt und waren auch in Sachen Outfit nicht auf der Höhe der Zeit", räumt er ein. Dieses Image würde ihnen immer noch negativ nachhängen. Was er aber nicht tragisch findet. "Die Fans wollen uns nicht als Everybody’s Darling", ist er sich sicher.

Privat entspannt der Sänger bei melancholischen Klängen von Enya."Das kommt gerade im Herbst gefühlsmäßig und situationsbedingt echt gut." Doch wer jetzt glaubt, in H. P. stecke ein echter Romantiker, irrt. "Meine Frau hat mich schon mal um ein Liebeslied angebettelt", erzählt er. Doch den Gefallen konnte er ihr nicht tun. "Wie würde denn das klingen?", fragt H. P. "135 Beats und ich brülle 'Love' dazu? Das wäre dann doch zu heftig." Allerdings könnte er sich durchaus vorstellen, ein Baby in den Schlaf zu singen – doch noch ist für Nachwuchs keine Zeit. "Ich bin ständig auf Tour, meine Frau Simone studiert", erklärt der Sänger. "Wenn ich aber irgendwann mein eigenes Kind in den Armen halte, werde ich mich sicher fragen, warum ich damit so lange gewartet habe …"

Maren Gäbel