Heidi Klums harter Kampf gegen die Kilos

Für die Karriere geht sie bis an ihre Grenzen

Heidi Klum will zurück auf den Laufsteg! Doch um sich mit anderen Topmodels messen zu können, kämpft sie jetzt härter denn je gegen die Kilos. Warum sie diesmal verlieren wird …

Heidi Klum hat ihre Karriere als Model noch nicht aufgegeben. Sie joggt täglich entlang des Hudson River in New York, um wieder in Topform zu kommen. Seit Ende Juni trainiert das Model wieder verbissen für seinen Traumkörper. Einen Körper, dem man die Schwangerschaft des letzten Jahres nicht mehr ansehen soll. Dabei tönte Heidi noch nach der Geburt von Tochter Lou, 10 Monate, gelassen: „Ich mag meine Kurven.“ Und propagierte ein Ende des Diät-Wahns.

Eine Forderung, die für eine Frau, deren größte Model­erfolge hinter ihr liegen, die im Juni 37 Jahre alt wurde und Konfektionsgröße 36 trotz vier Kindern trägt, durchaus angebracht ist. Was treibt Heidi also plötzlich an, sich und ihren Körper wieder zu quälen? Sie findet sich zu dick – im Vergleich mit jüngeren Mager-­Models. Gemunkelt wird nämlich, Heidi trainiere, um bei der Victoria’s-Secret-Show im November wieder in knappen Dessous zu brillieren. 2009 überraschte sie hier sechs Wochen nach Lous Geburt in einem blickdichten Korsagen-Kleid auf dem Laufsteg. Von der ehrgeizigen Überfrau aus Germany, die 2005 in nur acht Wochen 21 Schwangerschafts-Kilos in ein Sixpack umwandelte, hätte man allerdings mehr erwartet, feixte damals die Presse. Will Heidi es deshalb dieses Jahr noch mal allen beweisen?

Dünn sein und sich dick finden. Das ist ein Problem, das gerade in der Modelbranche große Gefahren mit sich bringt. Wissenschaftler sprechen vom sogenannten Kate-Moss-Effekt. Das britische Model etablierte in den 90ern den Heroin-Chic: ausgemergelter Körper, fahler Teint, leerer Blick. Im Vergleich mit Moss fühlten sich Frauen fett, obwohl sie normal- bis untergewichtig waren. Die Folge: eine verzerrte Körperwahrnehmung. Auch Heidis Selbstbild wird durch die harte Konkurrenz der anderen Victoria’s-Secret-Engel beeinflusst. „Der einzige Vorteil daran, Kinder zu haben, ist, dass ich jetzt ein breiteres Lächeln auf meinem Gesicht habe. Aber für meinen Körper gibt es Nachteile. Ich muss mich besser ernähren und mehr trainieren“, gibt Heidi zu. „Ich bin definitiv die Schwerste in der Gruppe der 30 Mädchen, die für die Show laufen“, so Heidi.

Prämissen wie Alter, Körperbau oder ihre vier Schwangerschaften blendet sie aus. Immer die Konkurrenz im Auge: Victoria’s-Secret-Kollegin Karolina Kurkova lief acht Monate nach der Entbindung ihres Sohnes schon wieder auf der Fashion Week Paris. Gisele Bündchen bekam im Dezember ihr Kind und präsentierte im Februar schon wieder Bikinis bei einem Fotoshooting. Die gesundheitlichen Gefahren, nach einer Schwangerschaft sofort wieder zu trainieren, werden ignoriert: „Ich wäre gar nicht in der Lage gewesen, wieder zu arbeiten“, reagiert Topmodel und Lagerfeld-Muse Luca Gadjus, 27, selbst Mutter eines Zweijährigen, fassungslos im OK!-Gespräch.

Vor den Kurkovas oder Bündchens galt Heidi immer als Diät-Disziplin-Ikone. Diese zweifelhafte Ehre will sie anscheinend zurück: „Models wollen für das Hungern geliebt werden, für einen schlanken Körper“, erklärt Marion Weise, Therapeutin für Essstörungen. „Derartige äußere Kontrolle über den Körper soll oft helfen, innere, unangenehme Gefühle zu kompensieren.“ Die Lebensberaterin analysiert: „Frau Klum steht unter starkem Erfolgsdruck, und ihr Körper ist ihr Produkt.“

Ihr gerade erst neu entdeckter Sinn fürs Weibliche muss nun ihrem messerscharfen Geschäftssinn weichen: Heidi muss wieder klotzen statt kleckern! Die einstige TV-Quoten-­Queen glänzte dieses Jahr bei „Germany’s Next Topmodel“ nicht gerade mit Zuschauerrekorden. Auch ihr US-Format „Project Runway“ wurde überarbeitet, die achte Staffel läuft ab 29. Juli 30 Minuten länger, um dem Fernsehpublikum mehr zu bieten. Heidi möchte ihren Karriere-Knick wieder glatt blügeln und plant nach der US-Reality-Serie mit Ehemann Seal, 47, gleich noch ein Format: „Seriously Funny Kids“ – eine Art „Versteckte Kamera“ für Kinder. Mediale Aufmerksamkeit wie beim Lauf über den Victoria’s-Secret-­Catwalk könnte ihr bei diesen Karriereplänen nur hilfreich sein.

„Ich werde auch noch mit 80 bei Victoria’s Secret über den Laufsteg hoppeln“, kündigte Heidi unlängst an. Doch damit setzt sie sich weiter dem ungesunden Dünn-Diktat aus – und darunter leidet letztlich auch ihre Familie. Expertin Marion Weise: „Eine verzerrte Selbstwahrnehmung und der verzweifelte Kampf gegen die Kilos, der in ihrem Alter immer aussichtsloser wird, kann zu einer schweren Depression führen“. Aber vor allem: „Sie ist ihren Kindern ein schlechtes Vorbild im Umgang mit Essen. Mit dem Körper und ihrem Selbst!“ Dabei fällt das Wohl der Kinder beim Topmodel doch eigentlich am stärksten ins Gewicht. Oder?

Meike Rhoden