Mel Gibson: Warum er die Kontrolle verliert

Wer jetzt noch zu ihm hält

Nach Auftauchen der Telefonmitschnitte ist die Karriere von Mel Gibson am Ende. Ein Psychologe erklärt, wie es zu diesem Ausraster kommen konnte.

Früher schmolzen die Frauen weltweit bei einem Blick in seine blauen Augen dahin. Damals war er der starke Beschützer, ein wilder, aber seine Familie liebender Kerl und ein Hollywood-Megastar. Doch diese Zeiten sind ein für alle Mal vorbei. Tiefer kann Mel Gibson, 54, nicht mehr sinken.

Kein Jahr nach Geburt seiner unehelichen Tochter Lucia herrscht zwischen ihm und der Mutter Oksana Grigorieva, 40, nur noch Hass. Telefonmitschnitte bringen immer neue, geschmacklose Details der Beziehung ans Licht. Auf den Bändern ist etwa zu hören, wie er Oksana als „Hure“ beschimpft, die sich nicht wundern müsse, wenn sie vergewaltigt werde, da sie sich wie eine Schlampe anziehen würde. Außerdem beleidigte er sie mit rassistischen Schimpfwörtern und drohte, ihr Haus abzufackeln und sie im Garten zu vergraben. Doch es blieb nicht nur bei Beleidigungen – Gibson soll Oksana auch mit einer Waffe bedroht und sogar geschlagen haben. „Er hat mich mehr als einmal angegriffen“, wird die Russin zitiert.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Gibson die Kontrolle verliert. Schon 2006 war der streng katholische Hollywood-Star in die Schlagzeilen geraten, weil er bei einer Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer antisemitische und sexistische Beschimpfungen von sich gegeben hatte. Er entschuldigte sich. Mit den aktuellen Geschehnissen wurde es seiner Künstleragentur William Morris Endeavor nun doch zu brisant – sich strich Gibson kurzerhand aus der Kartei. Wie kann es sein, dass sich ein so erfolgreicher Mann nicht mehr im Griff hat? „Die Aggressivität, die auf den Bändern zu hören ist, ist nicht ungewöhnlich“, sagt der renommierte US-Psychologe Steven Stosny. „Dieser Mensch hat Probleme mit sich selbst, leidet wahrscheinlich unter Panikattacken, verstärkt durch Alkoholkonsum.

Er wälzt seine Probleme auf andere ab, um sich besser zu fühlen.“ Gibson, ein alkoholabhängiger Soziopath mit gestörter Persönlichkeit? Als solcher wird er bereits von Kollegen behandelt. „Alle gehen ihm aus dem Weg, keiner will mit ihm zu tun haben“, berichtet ein Crewmitglied von „The Beaver“ – Gibsons aktuellem Filmprojekt, das gerade in New York gedreht wird.

Nur eine Person scheint jetzt noch zu ihm zu halten: „Mel hat weder vor noch während noch nach unserer Ehe jemals irgendwelche Misshandlungen angewandt“, so seine Noch-Ehefrau Robyn, 49, mit der Gibson sieben gemeinsame Kinder hat. „Er ist ein wundervoller und liebender Vater.“ Über die Gründe, warum sich jetzt ausgerechnet seine gehörnte Ehefrau zu Wort meldet, kann nur spekuliert werden. Wahrscheinlich will sie ihre Kinder schützen, die durch die Telefonmitschnitte mit einer Seite ihres Vaters konfrontiert wurden, die sie und ihr Umfeld so besser nicht kennengelernt hätten.

Niklas Starnitzky