Daniel Küblböck: Sein trauriges Leben

Gewalt, Demütigungen und Mobbing: Der Sänger musste einiges einstecken

Seit Sonntag, dem 9. September, wird Daniel Küblböck vermisst. Er soll von Bord eines Kreuzfahrtschiffes gesprungen sein. Mittlerweile hat die Küstenwache die Suche eingestellt, die Hoffnung schwindet.  Durch DSDS wurde Daniel als Paradiesvogel bekannt. Er polarisierte mit seiner besonderen Art und kam damit nicht bei allen Zuschauern gut an. Für den Sieg reichte es nicht: Küblböck erreichte nur Platz 3. Auch bei

2003 wurde Daniel Küblböck, 33, durch die Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" berühmt. Jahre später wandelte er sich vom schrillen Paradiesvogel zum geschäftstüchtigen Businessmann. Die schockierende Nachricht kam plötzlich: Küblböck wird vermisst. Bei einer Kreuzfahrt soll er über Bord gegangen sein - ob er sich umbringen wollte, bleibt bisher ungeklärt. Doch im Leben des Sängers lief nicht immer alles rund.

Daniel Küblböck: Traumatische Familien-Verhältnisse

Dass Daniel Küblböck bereits als Kind tiefe seelische und körperliche Verletzungen erlitt, zeigen Auszüge aus seiner im Jahr 2003 erschienenen Biografie „Ich lebe meine Töne“ . Vor allem das Verhältnis zu seiner Mutter Bianca war offenbar schwierig. Aufgewachsen in Hutthurm in Niederbayern durchlebte er eigenen Aussagen zufolge traumatische Erlebnisse. 

Gegen seine Mutter erhebt er schwere Vorwürfe. Sie habe ihn neben den ständigen Männerbesuchen im Rausch verprügelt. Anschaulich schildert der spätere DSDS-Spaßvogel die angeblichen Misshandlungen: 

Ich will ihr ausweichen, aber wohin? Sie legt die Finger um meinen Hals. Beginnt mich zu schütteln und zu würgen. Mama schreit: Du bist nicht mein Kind! Du sollst nicht mein Kind sein!

Immer wieder soll Mutter Bianca gesagt haben: "Du bist und wirst auch nichts werden"

Angeblich habe Küblböcks Mutter lieber eine Tochter gewollt. Immer wieder soll sie zu ihrem Sohn gesagt haben: „Du bist und du wirst auch nichts werden.“

Mutter Bianca bestreitet nach der Veröffentlichung der Biografie gegenüber der „Bild“ jedoch die Vorwürfe: "Sicher gab es mal schwierige Zeiten bei uns. Jeder hat mal zu viel getrunken. Aber Daniels Vorwürfe sind völlig übertrieben. Ich bin eine liebende Mutter und war immer für meine Kinder da."

Wer die Wahrheit sagt? Unklar. Konstanz gab es in Daniels Kindheit jedoch offenbar keine: 

Ich bin 15 Mal umgezogen. Mama war sieben Mal verheiratet. Ich habe sehr an meinem Vater gehangen. Ich habe als Scheidungskind unter diesem Hin und Her gelitten. Von meiner Oma wurde ich weggerissen,

schreibt Küblböck im Alter von 17 Jahren in dem Buch. Obwohl Vater Günther zu DSDS-Zeiten Küblböcks Management übernahm, soll auch die Beziehung zu ihm schwierig gewesen sein. Nach kurzer Zeit gingen die beiden wieder getrennte Wege.

Daniel Küblböck: Vom Kind zum Castingstar?

Seinen Ausgleich fand Daniel auf der Bühne. Als Kind trat er auf der Schulbühne und auf Kleinbühnen in Bayern auf. 1998 macht er eine zweijährige Tanzausbildung in Passau. Nach dem Hauptschulabschluss macht er 2001 eine Ausbildung zum Kinderpfleger an der Berufsfachschule Pfarrkirchen.

Doch erst mit seiner Teilnahme in der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" 2003 ändert sich Küblböcks Leben deutlich. Aus der Kleinstadt rückte der Teenager ins Rampenlicht. Der Beginn einer Karriere mit vielen Höhen und Tiefen. 


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DSDS: Bekannter Paradiesvogel

Mit seinen 17 Jahren fällt Küblböck weniger als großes Gesangstalent, sondern mehr durch seine besondere Art und speziellen Performances auf. Schnell wird Daniel Schlagzeilen als ein ganz besonderer Castingstar berühmt. Doch statt für eine herausragende Stimme gefeiert zu werden, sticht Küblböck als Paradisvogel mit schrillen Outfits in der Show hervor. Der "schräge Vogel" kommt nicht bei allen gut an: Schon während seiner Teilnahme muss der Bayer negative Kommentare und Anfeindungen über sich ergehen lassen. 

Er polarisiert, doch er gewinnt nicht. In der vorletzten Sendung von DSDS scheidet Daniel als Drittplatzierter aus - hinter Juliette Schoppmann und dem heutigen Musicalstar Alexander Klaws. 


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Riesen-Erfolg mit "You Drive Me Crazy"

Trotz des Rückschlags in der Fernsehshow verfolgt Küblböck seine Musikkarriere weiter. 2003 veröffentlicht er seine erste Single "You Drive Me Crazy", produziert von Poptitan Dieter Bohlen. Mit seinen Songs erklimmt er die Spitze der deutschen CD-Stars. Der Erfolg scheint erstmal anzuhalten: Im Juni 2003 folgt Küblböcks erstes Album "Positive Energie", es folgen mehrere Konzerte und Auftritte, und der Castingstar erhält 2003 zwei goldenen Schallplatten. 

Erneut der 3. Platz - diesmal im Dschungelcamp

Doch es wird ruhiger um den DSDS-Star. Durch seine Teilnahme Dschungelcamp bleibt Küblböck aber präsent in der Öffentlichkeit. In der ersten Staffel der RTL-Show muss sich Daniel wie seine prominenten Camp-Mitbewohner harten Dschungelprüfungen unterziehen, muss in rund 30.000 Kakerlaken baden. Er schlägt sich tapfer - doch der Erfolg bleibt wieder aus, es reicht nicht für den Sieg. Küblböck belegt nur den 3. Platz, genau wie bei DSDS.


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Autounfall verursacht: Küblböck macht Negativschlagzeilen

Einen Tiefpunkt seiner Karriere erreicht Küblböck 2004, als er im Februar einen Autounfall verursacht. Ohne Führerschein ist er unterwegs, prallt mit einem Gurkenlaster zusammen. Das sorgt für negative Schlagzeilen. Von vielen wird Küblböck dafür für sein Verhalten verurteilt. Die fahrlässige Aktion hat zudem Folgen: Der vom Unfall schwer verletzte DSDS-Star muss eine Geldstrafe von 25.000 Euro zahlen und 8 Stunden gemeinnütziger Arbeit verrichten. 

Karrieredruck: Von der Kritik zerrissen

Das Unglück nimmt seinen Lauf, auch in der Karriere läuft es danach nicht rund.  2004 dreht Küblböck einen halbdokumentarischen Film, im August erscheint "Daniel der Zauberer" in den Kinos. Ein totaler Flopp - die Kritiker zerrissen das filmerische Werk. 

Ein eigentlich für 2004 angekündigtes zweites Album wird verschoben, stattdessen kommt nur ein Album gemeinsam mit drei anderen DSDS-Teilnehmern unter dem Namen "4 United" zusammen. 2005 erscheint die Comicserie "Super-Dan", in der Daniel als Superheld Abenteuer besteht. Aber auch dieser Versuch - ein Reinfall. Die Serie wird kurze Zeit später wegen rechtlicher Probleme wieder eingestellt. 

Ein Imagewandel als Lösung?

Um seiner wenig erfolgreichen Karriere Aufwind zu geben, versucht Köblböck, sein angeschlagenes Image aufzupolieren. Der Sänger verändert sich äußerlich, lässt sich tätowieren, trägt Piercings. Er scheint seinen Kritikern zeigen zu wollen: Er ist nicht mehr der süße Junge von früher. Auch seine Musik wandelt sich: Statt deutscher Popmusik widmet sich Küblböck zeitweise Countrymusik und orientiert sich Richtung Jazz. 

Was zu der Zeit noch keiner ahnt: Küblböck ist Selfmade-Millionär. Was kaum einer seiner Kritiker glauben mag, ist aber wahr. Statt sein verdientes Geld aus DSDS-Zeiten auf den Kopf zu hauen, investierte Küblböck damals in Solarenergie.

Das war zu der Zeit noch relativ neu, und die Regierung hat das subventioniert. Ich habe mir das dann angeguckt und dachte mir, die Sonne scheint ja immer - was ja bei den Aktien nicht so ist. Ich fand das damals so klasse, weil ich ja auch immer von positiver Energie gesprochen habe,

 begründet er die Investition, die sich später auszahlte. Die Millionen teuren Solar-Anlagen stehen auf den Dächern eines Sägewerks und bescheren Küblböck ordentliche Einnahmen. 

Adoption durch Elisabeth Kaise

Mit dieser Nachricht machte Küblböck 2012 Schlagzeilen, die viele überraschten: Er lässt sich heimlich von der 70-Jährigen Immobilien-Millionärin Kerstin Elisabeth Kaise adoptieren. Seine leibliche Mutter Bianca wusste davon nichts: "Das glaube ich jetzt nicht. Den Schock muss ich jetzt erst mal verdauen. Der Junge macht vielleicht Sachen. Das gibt's doch gar nicht. Ist denn so etwas ohne die Einwilligung der echten Mutter überhaupt möglich?“, so die überraschte Mutter damals gegenüber der "Bild". Doch wieso ließ ihr Sohn sich adoptieren? 

Ja, sie wollte das genauso wie ich. Also kam es vor eineinhalb Jahren in Deutschland zur Adoption. Sie hatte mein Herz berührt, ich ihres. Wir sind seelenverwandt,

erklärte Küblböck gegenüber der "Bunte". Er nenne seine Adoptivmutter sogar liebevoll "Oma" und nimmt ihren Namen an: Zukünftig ist sein Künstlername offiziell Daniel Kaiser-Küblböck.


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Todesfall in der Familie 

2013 dann das Familiendrama: Am 3. Januar wird Daniels Bruder Michael tot in seiner Wohnung aufgefunden. Im Alter von nur 28 verstarb er an einer Überdosis Heroin. Während sein Bruder als Sänger erfolgreich wurde, saß Michael wegen schwerer Körperverletzung und Widerstand gegen Polizeibeamte in Haft. 2007 bedrohte er im Wahn nach Drogen eine Ärztin mit einer blutigen Heroinspritze. Und er soll der Neonazi-Szene angehört haben - auf seinem Arm hatte er ein Hakenkreuz tätowiert. 

Zwar hatten die Brüder zuvor seit Jahren keinen Kontakt mehr, doch die plötzliche Todesnachricht traf Daniel Küblböck:

Ich bin traurig über den Tod meines Bruders. Ich habe so sehr gehofft, dass er auf die Beine kommt. Durch seinen Drogen- und rechtsradikalen Hintergrund brach ich den Kontakt vor vielen Jahren ab. Ich wünsche Ihm, bei Gott im Himmel, seinen ewigen Frieden,

erklärte er gegenüber "Bunte.de".

Keine leichte Zeit für den Sänger: Neben seiner eher schleppend verlaufenden Karriere muss er auch noch den Tod seines Brudes verkraften. 

Herber Rückschlag: ESC-Absage

2013 tritt Küblböck unter dem Namen Daniel Kaiser auf. Mit seiner Single "Be a Man" bewirbt er sich für die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2014 in Kopenhagen. Erfolglos: Von der Jury des Norddeutschen Rundfunks wird er abgelehnt. 

Doch Küblböck gibt nicht auf und versucht, eine Wildcard für die Vorauswahlssendung zu erhalten. Das scheiterte ebenfalls. Eine Niederlage, die er offenbar nur schwer verkraften kann: 

Das ist doch eine Riesen-Kungelei beim ESC. Hier geht es um willkürliche Sympathien. Ich zahle Rundfunkgebühren, so eine Schiebung kann sich ein Sender nicht leisten,

macht Daniel seinem Ärger Luft. 

Glück in der Liebe? 

Pech im Spiel, aber dafür Glück in der Liebe? Seit Jahren lebt Daniel seine Bisexualität offen aus. Mehrere Monate ist er mit einer Frau, Sarah, liiert, die er aber immer liebevoll "Uschi" nennt. 2014 lernt er seinen Freund Robin kennen. Der Musiker und der Make-Up-Artist machen ihre Liebe jedoch erst ein Jahr später öffentlich bekannt. 

2015 nimmt Daniel an der RTL-Show "Let's Dance" teil, bei der er mit Tanzpartnerin Otlile Mabuse übers Parkett fegte. „Tanzen ist für mich pure Leidenschaft und diese Leidenschaft möchte ich gerne auf dem Parkett wiedergeben“, so Küblböck. Sein Liebster feuert ihn aus dem Publikum an. Leider hilft auch das nicht - Daniel belegt nur den 6. Platz in der Show. Zahlreiche Pärchenbilder und sogar ein Couple-Tattoo später, ist es dann aus mit der Liebe. Wann sich Robin und Daniel trennten, ist unklar. 

Mobbing-Opfer in der Theaterschule

Im September 2015 beginnt Daniel eine zweijährige Schauspielausbildung am Europäischen Theaterinstitut in Berlin. Erst vor kurzem wird bekannt, dass Küblböck während der Ausbildungszeit immer wieder von Kollegen gemobbt worden sein soll. Anfang August wurde auf einer Fanseite auf Facebook ein Brief veröffentlicht, in dem der Ex-DSDS-Star über die Zeit berichtet. 

Ich musste Wochen mit hohen Hacken über Steine laufen, dann wurde mir meine Bühnengarderobe zerschnitten und mir wurde Sabotage unterstellt, da jemand Wasser über die Technik geschüttet hat,

heißt es. Der Brief ist mittlerweile wieder gelöscht, doch er gibt Einblick darüber, wie sehr Küblböck gelitten haben muss. 

Ich habe den ganzen Sommer ein halbes Buch auswendig lernen müssen, und dann so ein Hammerschlag. Diese Gesamtsituation macht mich einfach nur fertig. 

Die Schauspielschule selbst wehrt sich gegen die Vorwürfe"Die Behauptungen über Mobbing an unserer Schule weisen wir strikt zurück. Wir sind zutiefst bestürzt und geschockt über das Verschwinden unseres Schülers Daniel Kaiser-Küblböck."

Auch die Mitschüler weisen die Anschuldigungen zurück. Gleichzeitig wird Küblböck aber für sein Verhalten verurteilt. Gegenüber der "Bild" äußert sich ein Schüler:

Das mit den Mobbing-Vorwürfen stimmt nicht. Für uns als Schüler ist es ein Albtraum, was auf der Facebook-Seite der Schule für Beschimpfungen erfolgen. Daniel hat sich selber den Schaden zugefügt. Uns wurde damals nach den Vorwürfen von Daniel erklärt, das es Überwachungsvideos der Schule gibt, auf denen zu sehen ist, wie Daniel am Ende selber seine Kostüme beschädigt hat oder etwa auch wie er vor einer Probe etwas an der Elektronik verändert hat. Er war ein sensibler Mensch, er war ein Sonderling.

Außerdem solle Daniel nach Angaben eines anderen Mitschülers „auffällig oft alkoholisiert zur Schule“ gekommen sein. Was der Wahrheit entspricht, ist schwer zu sagen. Es steht Wort gegen Wort. 

Identitätskrise: Depressiv und transsexuell?

Es gibt mehrer Hinweise darauf, dass Küblböck zuletzt unter einer Identitätskrise gelitten haben könnte. Erst kürzlich offenbahrte er in einem Posting, wie schlecht es ihm gehe: 

Liebe Fans, leider geht es mir psychisch und physisch immer noch nicht besser. Ich muss diesen Schmerz der letzten Monate erst noch verkraften. Dieses monatelange Mobben an meiner Schule, in meiner Klasse, hat mich doch zutiefst in meiner Seele erschüttert.

Zudem wird spekuliert, er wolle sich einer Geschlechtsumwandlung unterziehen. Auf einem eigenen Instagram-Account zeigte sich Daniel unter dem Namen "Rosa Luxemburg" in Frauenkleidung und geschminkt. Darunter hat er die Hashtags transsexuell und Transformation markiert. 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Auch in seinem Musik-Video zum Song „Be a Man“ spielte Küblböck damals eine Frau. Über seine doppelte Geschlechterrolle sagt er gegenüber der „Bild“: „Das hat sich spontan ergeben.“ Hatte er möglicherweise schon früher transsexuelle Tendenzen? Unklar.

Auch DSDS-Juror Dieter Bohlen äußert sich zum tragischen Vorfall. Daniel habe schon früher Stimmungsschwankungen gehabt:  "Er konnte unglaublich traurig und unheimlich depressiv sein. Ich habe mich damals echt gewundert, wie schnell das so hin und her ging bei ihm. Vorstellen kann ich mir das schon, in so einer Kurzschlusssituation, dass er das wirklich gemacht hat." 


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Daniel Küblböck bleibt weiterhin vermisst. Ob er wirklich Suizig begann, kann zur Zeit niemand beantworten. 

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