Fettes Brot: „Eine Band ist wie eine Liebesbeziehung“

Mit "Teenager vom Mars" erscheint bereits das achte Studioalbum der Band

Nur zwei Jahre nach Veröffentlichung ihrer letzten Platte kommen Fettes Brot mit "Teenager vom Mars" auch schon mit ihrem nächsten und achten Studioalbum um die Ecke. Das Magazin IN hat zu diesem Anlass mit König Boris, Doktor Renz und Björn Beton über Generationsfragen, politischen Hip-Hop und Beziehungsprobleme gesprochen.

Wenn man in die Runde fragt: „Wie lange gibt es Fettes Brot eigentlich schon, rangieren die Antworten zwischen zehn bis zu 30 Jahre… ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Björn Beton: Das liegt wohl daran, dass die unterschiedlichsten Menschen zu den unterschiedlichsten Zeiten auf uns aufmerksam geworden sind. Immer wenn jemand zu mir kommt und sagt: Also, eure früheren Sachen fand ich irgendwie geiler, weiß ich ehrlich gesagt nie genau, worauf er sich da bezieht.

"Eine Band ist wie eine Liebesbeziehung"

Was hättet ihr denn 1992 jemandem erzählt, der euch prophezeit hätte: 2015 bringt ihr euer achtes Studioalbum raus?

König Boris: Wenn man eine Band gründet, dann ist man so begeistert von sich, dem Augenblick und den vielen Ideen, die man im Kopf hat, dass man sich um die Zukunft erstmal gar keine Gedanken macht. Und auch heute frage ich mich nicht, was in zehn oder 20 Jahren wäre. Aber klar, geglaubt hätte ich das damals nicht. Selbst unser Management damals hat uns etwa fünf Jahre gegeben. Eine Band ist ja wie eine Liebesbeziehung. Wenn es sich gut anfühlt, dann macht man, ohne groß nachzudenken.

Björn Beton: Es war ja auch die Zeit nach der Schule und durch den Zivildienst hindurch, in der wir uns gegen die Sicherheit einer Berufsausbildung und für die Band entschieden haben. Das ist ja eh die geilste Zeit des Lebens, in der man nicht groß nachdenkt und meint, die Welt steht einem offen. Man ist mutiger. Wenn das nicht klappt, kann ich immer noch was anderes machen.

Doktor Renz: Es war natürlich auch eine Generationsfrage, und wir hatten natürlich auch das Glück, glückliche Entscheidungen zu treffen.

Neue Zeit, gleiche Leidenschaft

Jetzt hat sich seit euren Anfängen der komplette Musikmarkt durch Digitalisierung, Internet, Streaming, etc. komplett verändert. Was waren denn für euch als Künstler so die größten Veränderungen?

König Boris: Wir haben uns 2004 entschlossen, ein eigenes Plattenlabel zu gründen. Damals ein sehr wagemutiger Schritt, aber im Nachhinein goldrichtig war. Ich wüsste nicht, was ein Major Label uns außer eine Menge Kohle wirklich bieten könnte.

Björn Beton: Früher war es wichtig, eine große Plattenfirma im Rücken zu haben, die einen auch auffangen kann. Doch heute stellt sich Vielen die Frage: Was können die eigentlich genau für uns tun, was wir nicht auch aus eigener Kraft stemmen können.

Doktor Renz: Trotz aller Veränderungen muss man sagen, es ist schön zu sehen, dass die Leidenschaft für Musik in der Gesellschaft nach wie vor riesig ist, auch wenn diese Leidenschaft anders gelebt wird.

Perfekte Form für Stabilität

Eben fiel der Satz: Eine Band ist wie eine Liebesbeziehung. Wie haltet ihr denn das Feuer nach all diesen Jahren am brennen?

König Boris: Die Musik ist das, was uns immer noch eint, dafür brennen wir, auch wenn wir uns gegenseitig mal auf den Sack gehen. Musik ist die höhere Kraft, die uns vereint. Aber klar, wenn man sich ewig auf der Pelle hockt, besonders bei einem neuen Album, Promo und Tour, dann ist das so wie zehn Monate Sex am Stück.

Klingt anstrengend…

König Boris: Klar ist das anstrengend. Aber auch geil! Es ist aber gut, dass wir uns so gut kennen, weil viele Konflikte dadurch wegfallen.

Doktor Renz: Außerdem glaube ich, dass ein Trio wie wir eine perfekte Form für Stabilität ist. Zwei kann zu eng werden, bei Vieren können sich schnell zwei Lager bilden.

Unterhaltung und Haltung

Bei Eurem neuen Album „Teenager vom Mars“ stolpert man über die Textzeile: „Im All wissen alle, ihr könnt Fremde hier nicht leiden.“

Björn Beton: Da muss man in Hinsicht auf die aktuellen Ereignisse vorsichtig sein mit der Interpretation. Wir meinen das nicht pauschal, weil es genug Menschen gibt, die offen in die Welt blicken. Aber wir, die Außerirdischen, waren überrascht wie fremdenfeindlich und engstirnig viele Menschen auf das ihnen Unbekannte schauen. Die Weltsituation beweist das leider auf eine sehr traurige Art.

Wie politisch ist denn Hip-Hop 2015 in Deutschland?

König Boris: Das ist unterschiedlich. Einige legen da viel Wert drauf, andere weniger. Unser Anspruch ist schon immer gewesen: Unterhaltung und Haltung. Spaß widerspricht nicht, auch mal den Kopf einzuschalten.

Mit „Teenager vom Mars“ sind nur zwei Jahre seit dem letzten Album „3 is ne Party“ vergangen. Rekordverdächtig für Fettes Brot, oder nicht?

Doktor Renz: Wir haben uns da so ein wenig selbst ausgetrickst, weil wir die Pause, die wir sonst immer nach einem Albumzyklus eingelegt haben, einfach weggelassen haben. Normalerweise kam früher oder später immer die Frage: Gibt es euch eigentlich noch? Die habe ich in letzter Zeit nicht mehr gehört.

 

Interview: Henrik Hohl