"Springe nachts über die Friedhofsmauer": Till Schramm spricht über den Tod seines Sohnes

Bewegendes Interview: Der 3-jährige Sohn des Triathleten verschluckte sich an einer Möhre und starb

Sportler Till Schramm hat in einem bewegenden Interview über den plötzlichen Tod seines Sohnes gesprochen.  Im Interview spricht der 31-Jährige über seine unendliche Trauer: Kraft schöpft der Sportler durch seine Familie. Sohn Theo sei wie eine

Und dann ist nichts mehr, wie es war: Im Januar diesen Jahres hat Triathlet Till Schramm, 31, seinen Sohn Henry (†3) verloren. Der Dreijährige verschluckte sich in der Kita an einer Möhre und kam dabei ums Leben. Im Interview mit dem "Express" hat der Sportler nun über den schmerzlichen Verlust gesprochen - und wie sich sein Leben von einem Tag auf den anderen komplett verändert hat. 

Till Schramm: "Ich springe auch nachts über die Friedhofsmauer, um an seinem Grab zu sein"

Henry ist weg, doch für Till Schramm ist er immer noch da:

Ich verbringe viel Zeit mit ihm. Wenn ich schwimme, laufe oder mit dem Rad fahre, dann ist er bei mir. Ich springe auch nachts über die Friedhofsmauer, wenn das Tor verschlossen ist, um an seinem Grab zu sein. Ich investiere viel Zeit und Liebe in die Grabpflege. Henry bleibt mein Sohn.

"Das Schicksal reißt den wohl tollsten Menschen, den ich je kannte, von uns"

Sein Sohn Henry starb vor einem halben Jahr. Am 29. Januar postete der Kölner Athlet auf seiner Facebook-Seite:

Völlig unerwartet ist mein Sohn Henry heute aus unserer Mitte gerissen worden. Meine Frau, Ich, Henry selbst und mindestens 20 Ärzte haben 30 Stunden gekämpft und leider verloren. Der Schmerz ist unerträglich und der Verlust nicht greifbar. Bitte lasst mich und meine Familie einfach in Ruhe trauern und betet dafür, dass es meinem ganzen Stolz im Himmel gut geht. Das Schicksal reißt den wohl tollsten Menschen, den ich je kannte, von uns. In tiefer Trauer, Till

 

 

 

 

 

"Schreiend, flehend und weinend bin ich in den Kindergarten gerast" 

Was war passiert? Henry starb, weil er sich im Kindergarten an einem großen Stück Möhre verschluckte. Dies führte zum sogenannten Bolustod. Dabei drückt ein Fremdkörper auf ein Nervengeflecht und sorgt für einen vagalen Reflex. Die Folge ist ein Ausfall aller Systeme – Herzstillstand, Atemstillstand. Schramm sagt gegenüber dem "Express": „Du machst dir alle möglichen Gedanken als Eltern, setzt hinter jede Impfung deinen Haken, aber an so einen Scheiß denkt man einfach nicht.“ Auch von dem Moment, als sich sein Leben für immer veränderte, berichtet der zweifache Vater voller Trauer:

Ich saß auf dem Rennrad, als meine Frau mich anrief und mir erzählte, was passiert war. Schreiend, flehend und weinend bin ich zum Kindergarten gerast.

Till Schramm: "Und dann fährst du ohne dein Kind weg, in ein dunkles schwarzes Loch hinein"

Die Ärzte kämpften um das Leben des kleinen Jungen, doch schließlich starb Henry an den Folgen des Unfalls."Die Fahrt von der Klinik nach Hause war das Schlimmste, wir sind noch voller Hoffnung hin und dann fährst du ohne dein Kind weg, in ein dunkles schwarzes Loch hinein“, erzählt Schramm der Boulevardzeitung unter Tränen, und berichtet davon, wie er sich anschließend gefühlt habe:

Nach dem Tod ist das erst mal ein Schockzustand. Ich konnte mehrere Wochen nicht länger als zwei Stunden pro Nacht schlafen. Der Schmerz geht nicht weg, aber er verändert sich. Und ich weiß nicht, ob der Schock schlimmer ist oder die quälende Gewissheit, dass Henry nie wieder zurückkommt.

"Theo ist wie eine Taschenlampe, die bei mir ins Dunkle leuchtet"

Diese Tragödie lässt den Sportler verständlicherweise bis heute nicht los, doch Trost bietet ihm sein zweijähriger Sohn Theo:

Ich bin ein anderer Mensch, ich führe ein Leben, das ich nie führen wollte. Und wenn ich nicht meinen Sohn Theo hätte, dann wüsste ich wirklich nicht, was ich hätte tun sollen. Theo ist wie eine Taschenlampe, die bei mir ins Dunkle leuchtet. Er leidet auch unter dem Verlust, ich will nicht, dass er noch mehr leidet. Das wäre unfair. Ich will ihm die besten Möglichkeiten bieten.

Soll er überhaupt weitermachen? Das sind Gedanken, mit denen sich der "Ironman"-Athlet in den vergangenen Monaten intensiv auseinandergesetzt hat: "Ich habe mich gefragt, ob ich weiter Triathlon-Profi sein kann. Ob ich hier in Köln noch leben kann. Aber uns ist wichtig, dass in dieser Phase, wo sich alles verändert hat, nicht noch weitere Veränderungen getroffen werden. Man kann vor der Trauer nicht weglaufen, aber man kann versuchen, damit zu leben."