Vater des toten Jungen von Bodrum schildert Flucht-Drama: "Ich musste ihn loslassen"

Das Foto des ertrunkenen Ailan Kurdi aus Syrien wird zum Symbolbild der Flüchtlingskrise

Das Foto des in der Türkei angespülten Flüchtlingskindes erschütterte gestern ganze Nationen. Der kleine Junge aus Syrien, dessen Name Ailan Kurdi ist, wurde zum weltweiten Symbol der Flüchtlingskrise. In einem berührenden Radio-Interview sprach jetzt der Vater des dreijährigen Jungen über die dramatische Bootsflucht über das Meer, bei der er zwei Kinder und seine Frau verlor.  

   

Abdullah Kurdi verlor seine ganze Familie

Kaum einer kann sich vorstellen, was Abdullah Kurdi, der Vater des toten Flüchtlingskindes Ailan Kurdi, alles durchmachen musste. Gegenüber dem syrischen Radiosender "Rosana FM" schilderte er die schlimmen Todesumstände seiner Familie. Das Boot, auf dem sie sich gemeinsam befanden, sei auf der Fahrt vom türkischen Bodrum zur griechischen Insel Kos bei hohem Wellengang gekentert, so Kurdi. 

Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten da noch.

Doch lange hielten sie dem gefährlichen Wellengang nicht stand.

Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den anderen zu retten.

Und auch für seinen zweiten Sohn und seine Frau kam jede Rettung zu spät. Auch wenn Kurdi alles Menschmögliche versucht haben soll, schaffte er es nicht, sie zu retten. Und auch er selbst habe ganze drei Stunden weiter durchhalten müssen, bis die Küstenwache ihn endlich rettete. 

Er zahlte Schleusern 4000 Euro für die Überfahrt

Kurdi soll Schleusern satte 4000 Euro für die Überfahrt seiner Familie gegeben haben - einer Überfahrt, bei der seine Frau und seine Kinder ihr Leben lassen mussten. Auch der Fahrer an Bord des Bootes habe den Flüchtlingen im entscheidenden Moment nicht geholfen. Im Gegenteil: Als der hohe Wellengang immer mehr zunahm, sei er Kurdis Berichten zufolge ins Wasser gesprungen, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. Die Flüchtlinge überließ er ihrem Schicksal.

Sie haben Kanada nie erreicht

Die kurdische Familie war offenbar auf dem Weg nach Kanada. Laut der Tageszeitung "Ottawa Citizen" wollten sie zur Schwester von Abdullah Kurdi, die in Vancouver lebt, um dort ein besseres Leben zu beginnen. Doch haben sie ihr Ziel nie erreicht. Jetzt sei der einzige Wunsch des überbliebenden Vater nur noch, mit seiner toten Familie ins syrische Kobane zurückzukehren. Dort wolle er seine Familie beerdigen.