Kleine Nadeln sollen die Kollagenbildung anregen, Poren verfeinern und sogar Aknenarben sichtbar reduzieren. Klingtverlockend. Doch zwischen einem sanften Pflege-Tool und einer dermatologischen Behandlung gibt es große Unterschiede. Wer selbst zum Dermaroller greift, sollte deshalb nicht nur wissen, was Microneedling bewirken kann, sondern auch, ob es der eigenen Haut wirklich guttut.
Was passiert beim Microneedling eigentlich?
Anders als eine Creme wirkt Microneedling nicht allein an der Hautoberfläche. Man könnte sagen, Nadeln setzen zahlreiche winzige Verletzungen. Darauf reagiert die Haut mit ihren natürlichen Reparaturprozessen, bei denen unter anderem neues Kollagen gebildet werden kann. Kollagen ist ein Strukturprotein, das die Haut fest und straff aussehenlässt. Mit zunehmendem Alter verändern sich seine Menge an Kollagen in der Haut. Sie wird gewissermaßen instabiler. Das zeigt sich äußerlich in einem unebeneren Teint und Fältchen.
Microneedling soll die körpereigenen Regenerations- und Umbauprozesse gezielt anstoßen und damit unter anderem die Kollagenproduktion stärker anregen. In der dermatologischen Praxis werden Microneedling-Verfahrenbeispielsweise eingesetzt, um eingesunkene Aknenarben oder feine Falten zu behandeln. Die Ergebnisse entstehen allerdings nicht über Nacht. Sichtbare Veränderungen entwickeln sich häufig erst über Wochen und mehrere Behandlungssitzungen hinweg.
Ein Detail geht in vielen Beauty-Videos unter: Microneedling ist nicht gleich Microneedling. Entscheidend sind unter anderemdie Nadellänge, die Eindringtiefe, das verwendete Gerät und die fachgerechte Durchführung.
Dermaroller aus dem Badezimmer oder doch lieber die Behandlung beim Profi?
Microneedling hat inzwischen auch einen Weg in die heimische Wellness-Oase gefunden. Die handlichen Dermaroller für denHeimgebrauch erinnern fast ein bisschen an kleine Farbwalzen. Die Oberfläche ist mit feinen Spitzen besetzt. Sie setzen gezieltkleine Einstiche in die Haut und sollen so ihre regenerativen Fähigkeiten anregen. Dabei bleiben Heimgeräte absichtlich nah an der Hautoberfläche. Professionelle Geräte in der dermatologischen Praxis arbeiten dagegen häufig mit motorisierten Nadelaufsätzen und können gezielt tiefere Hautschichten erreichen.
Microneedling ist ein minimalinvasiver Eingriff, der möglichst von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden sollte. Die sanften Dermaroller für eine Behandlung zu Hause können deshalb begrenzte kosmetische Effekte erzielen. Sie sind nichtmit einer professionellen Behandlung vergleichbar, bei der die Hautstruktur gezielt verändert werden soll.
Ganz wichtig dabei: Bei Microneedling bedeutet mehr Druck nicht automatisch mehr Wirkung. Eine zu intensive oder zu häufige Behandlung kann die Haut empfindlich schädigen und in einzelnen Fällen sogar Infektionen, Narben und Pigmentveränderungen verursachen.
Ob Microneedling als Beauty-Routine für zu Hause geeignet ist, hängt auch vom individuellen Hauttyp ab. Wer zuempfindlicher Haut, Unreinheiten und Hautirritationen neigt, sollte vor dem Griff zum Dermaroller herausfinden, was die Haut wirklich braucht. Denn manchmal wünscht sich die Haut keinen neuen Beauty-Trend, sondern einfach etwas Ruhe.
Wie geht es der Haut? Hier kann Microneedling nicht der richtige Ansatz sein
1. Fettige Haut mit sichtbaren Poren
Große Poren sind häufig ein Grund dafür, zum Dermaroller zu greifen, da große Poren oft fettige Haut und damitUnreinheiten mit sich bringt. Doch die Nadeln sind in diesem Fall nicht immer die beste Wahl. Die Porengröße wird unteranderem durch genetische Faktoren und die Talgproduktion beeinflusst. Microneedling kann bei bestimmten strukturellenVeränderungen des Hautbildes helfen, beeinflusst aber weder die Talgproduktion noch lässt es Poren dauerhaftverschwinden.
Wer vor allem unter Glanz, Mitessern und verstopften Poren leidet, sollte eher die tägliche Hautpflege noch einmal in denBlick nehmen. Eine milde Reinigung, eine auf die Bedürfnisse der Haut abgestimmte Feuchtigkeitspflege und in Absprachemit einem Dermatologen zusätzliche Wirkstoffe wie Salicylsäure unterstützen ein gesundes und natürliches Hautbildhäufig besser.
Gut zu wissen:
Bei aktiver, entzündlicher Akne sollte der Dermaroller überhaupt nicht zum Einsatz kommen. In diesem Fall ist ein Besuch in einer dermatologischen Praxis die richtige Wahl.
2. Trockene Haut, die spannt und schuppt
Die Wangen fühlen sich rau an, nach dem Waschen spannt das Gesicht und selbst die gewohnte Creme brennt plötzlich? Dann ist nicht unbedingt eine intensivere Behandlung gefragt. Trockene, gereizte Haut entsteht oft durcheine beeinträchtigte Hautbarriere. Zusätzliche mechanische Reize sind dann gar keine gute Idee.
Microneedling kann vorübergehend selbst Trockenheit, Rötungen und ein Spannungsgefühl auslösen oder das ohnehin angespannte Gefühl auf der Haut durch die Reizung noch verstärken. Sinnvoller ist es dann oft, ersteinmal die tägliche Hautpflege zu vereinfachen: eine milde Reinigung, eine gut verträgliche Feuchtigkeitscreme und konsequenter Sonnenschutz tun der Haut wohl und versorgen sie mit wichtigen Nährstoffen und Feuchtigkeit, ohne sie zu überfordern.
3. Alte Pickelmale oder eingesunkene Aknenarben
Hier wird die Sache interessanter. Denn je nach Ausprägung kann Microneedling bei eingesunkenen Aknenarben durchaus das Hautbild verbessern. Vor einer Behandlung sollte aber unbedingt eine dermatologische Einschätzung stehen. Sie klärt, ob Microneedling überhaupt zum Narbentyp passt oder ein anderes Verfahren geeigneter ist.
Und was kommt nach dem Dermaroller: Warum nach dem Needling nicht allesauf die Haut gehört
Microneedling ist nicht nur eine Behandlungsmethode, um die hauteigenen Regenerationsprozesse zu fördern. Die kleinenNadeleinstiche sollen auch dafür sorgen, dass nährende Wirkstoffe aus Pflegeprodukten anschließend besonders gut in die Haut eindringen und dort ihre wohltuende Wirkung entfalten können.
Aber nicht alles, was der Haut sonst guttut, ist auch nach einer Behandlung mit dem Dermaroller eine Wohltat:
Produkte, die für die Anwendung auf unverletzter Haut entwickelt wurden, sind nicht immer dafür geeignet, über Mikroverletzungen in tiefere Hautschichten zu gelangen. Auch vermeintlich sanfte Naturöle sind nicht immer gutgeeignet für die frisch behandelte Haut.
Besondere Vorsicht gilt bei reizenden Inhaltsstoffen wie Retinol, bestimmten Fruchtsäuren und alkoholhaltigen Produkten. Nach dem Microneedling sollten deshalb ausschließlich nachweislich geeignete Pflegeprodukte, idealerweise sogar die vom Dermatologen individuell empfohlene Nachsorge verwendet werden.
Wann weniger Beauty tatsächlich mehr ist
Nicht jedes Hautproblem braucht einen Beauty-Trend. Manchmal ist eine konsequente, gut abgestimmte Pflegeroutine die sinnvollere Antwort als das nächste angesagte Treatment. Professionelles Microneedling kann bei ausgewählten Hautveränderungen durchaus eine Option sein. Dabei kommt es aber auf den individuellen Hauttyp und seine Besonderheiten an.





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