Thomas Anders: "Ich muss mich für unsere Hits nicht schämen"

Mit Modern Talking, aber ohne Bohlen startet er in den USA durch

Wer glaubt, dass die Zeiten von Modern Talking lange vorbei sind, irrt sich. Während die Hits von Dieter Bohlen, 61, und Thomas Anders, 52, heute bei uns eher auf Partys oder als Gag durch die Boxen tönen, rennen Fans in den USA oder Russland letzterem die Konzerthallen ein. Vor rund 5000 Menschen performte Anders gemeinsam mit Komponist Uwe Fahrenkrog-Petersen, 55, in Los Angeles. Wie sich das anfühlte, verriet er uns im Interview.

Zwei seit Monaten ausverkaufte Konzerte in Los Angeles, davor Auftritte in Russland. Was für ein Publikum ist weltweit so wild auf Thomas Anders?

Das hat mich auch sehr interessiert. In L.A. waren sehr viele US-Asiaten dort und viele Osteuropäer, aber auch viele Amerikaner. Ansonsten sehr gemischt, ab Anfang 20 aufwärts.

Erwarten ihre Fans in ihren Konzerten Thomas Anders oder Modern Talking?

Eine Mischung aus beidem. Natürlich wollen sie die Hits, dafür stehe ich ja auch. Dafür muss ich mich ja nicht schämen.

"'Wenn Cheri Cheri Lady' lief, standen alle auf der Tanzfläche!"

Hat Modern Talking im Ausland ein anderes Standing als hier in Deutschland?

Ja, das ist komplett verschieden. In Deutschland wird der Focus immer auf die Vita Bohlen/Anders gelegt, im Ausland steht die Musik im Vordergrund. Hierzulande haben wir es leider oft noch nicht drauf, zu Dingen zu stehen. Alle rümpften bei Modern Talking die Nase, aber wenn spät Abends „Cheri Cheri Lady“ lief, standen alle auf der Tanzfläche. Aber siehe Helene Fischer – auch da hat sich zum Glück einiges getan.

Sie sind ja musikalisch heute näher dran an Modern Talking als der Kollege Bohlen, der nach Ende der Band einen ganz anderen Weg als Sie eingeschlagen hat. Beneiden Sie ihn darum, dass er sich von Modern Talking so emanzipiert hat?

ich beneide ihn überhaupt nicht, weil ich für mein Leben genau das Richtige gemacht habe. Ich stehe seit ich sechs bin als Sänger auf der Bühne, ich bin ja in die Branche als Interpret gekommen. Dieter Bohlen war  - nicht falsch verstehen – ein Quereinsteiger, der aus der Komposition und Produktion kommt. Dieter stand zwar mit auf der Bühne, sitzt aber lieber hinter seinem Jurypult oder seinem Mischpult. Wir machen jetzt beide, was wir sind. Ich bin mehr als glücklich mit dem, was ich mache.

"Castingformate sind Verzweiflungstaten"

Würden Sie denn zu den richtigen Konditionen auch bei einer Castinghow mitmachen?

Nein. Da ist im Augenblick die Luft raus. Alle Castingformate, die jetzt neu auf dem Markt kommen, sind ja Verzweiflungstaten. Und wer als junger Künstler bei so etwas mitmachen will, sollte sich das zweimal überlegen. Der große, langjährige Erfolg im Anschluss ist eher ein frommer Wunsch.

Ein Comeback mit Modern Talking schließen sie kategorisch aus. Warum?

Was soll das noch bringen? Ein Comeback ist nur dann sinnvoll, wenn man eine Vision hat, die nicht im Schatten der Vergangenheit steht. Vielleicht würden wir mit einem Album wieder Nummer eins werden, aber Dieter und ich haben uns im jetzt weiseren Alter darauf geeinigt, dass jeder seinen Weg geht. Modern Talking hatte seine Zeit.

"Wäre ich wie Bohlen, hätte es sofort gekracht!"

Viele meinen, mit einem Alphatier wie Bohlen zusammen zu arbeiten, muss eine echte Qual für sie gewesen sein. Wie haben sie das empfunden?

Bohlen und ich waren damals die optimale Kombination. Wäre ich so wie er gewesen, hätte es sofort gekracht. Ich bin der Entspanntere, der nicht immer in der ersten Reihe stehen muss.

Sie haben sporadisch ja noch Kontakt mit Bohlen, über was wird denn da geredet?

Modern Talking ist ja eine eingetragene Marke, jedes Jahr werden noch eine Viertel Million Alben verkauft. „Unser erster Hit 'You’re my heart, you’re my soul' wurde in den letzten zehn Jahren 120 Millionen Mal geklickt, gestreamt und runtergeladen. Da sind natürlich immer noch Dinge zu besprechen.