Trauer um Marcy Borders: der tragische Tod der "Staubfrau" vom 11. September

Sie überlebte die Anschläge von 9/11 - jetzt starb sie an Magenkrebs

Marcy Borders floh aus dem 81. Stock des World Trade Centers. Von Kopf bis Fuß mit Schmutz bedeckt, konnte sie sich in Sicherheit bringen. Mit diesem Foto wurde sie zur Zehn Jahre nach 9/11 ist Marcy Borders zu Gast bei Günther Jauch, spricht von ihren fürchterlichen Erlebnissen.  Sie lacht, doch was geht tatsächlich in ihr vor? Marcy Borders erhielt im Sommer 2014 die Diagnose Magenkrebs.  Marcy Borders mit dem Foto des AFP-Journalisten Stand Honda, das sie berühmt machte.

Ihr Foto als ging um die Welt: Marcy Borders wurde nach den Anschlägen des 11. September zu einem der Gesichter des 11. September 2001 - das Bild der "Staubfrau" erreichte traurige Berühmtheit. Die Sekretärin arbeitete damals bei der "Bank of America", als die Anschläge auf der World Trade Center in New York verübt wurden. Sie überlebte den Terroranschlag nur knapp. Doch ein Happy End gab es für die 42-Jährige nicht. 

Marcy Borders wurde als "Staubfrau" zum Sinnbild des 11. September

28 Jahre alt war Marcy Borders, als sich das Leben der jungen Frau komplett veränderte. Danach war nichts mehr wie es war. Jetzt, mit 42 Jahren, verstarb eines der Sinnbilder des 11. September an Magenkrebs

Das Foto des AFP-Fotografen Stan Honda zeigt Marcy Borders unmittelbar nach dem Anschlag auf das World Trade Center. Der Staub, der sie nahezu komplett bedeckt und das blanke Entsetzen in ihrem Gesicht steht im krassen Kontrast zu dem feinen Arbeits-Outfit, das sich nur noch erahnen lässt: ein adrettes Kostüm, glänzender Goldschmuck, zurückgegelte Haare. Borders hatte sich auf die Straße retten können, nachdem der "American-Airlines-Flug 11" mehrere Stockwerke über ihr in den Nordturm des World Trade Centers gekracht war.

Immer wieder hatte das Opfer von 9/11 seine Geschichte erzählen müssen, darunter auch auf dem Talkshow-Sofa von Günther Jauch - zehn Jahre nach dem Terroranschlag. Die Bank-Sekretärin räumt an diesem Tag in der 81. Etage des Nordturms ihren Schreibtisch auf, als das erste Flugzeug in das World Trade Center fliegt und die 28-Jährige zu Boden reißt. Gegen den Rat ihres Chefs entscheidet sie sich zu fliehen. Auf ihrem Weg 81 Stockwerke nach unten herrscht Panik, Tote liegen auf den Fluren.

Ich sah Menschen, aus denen Gegenstände heraustraten, vom Kopf bis zu den Zehen mit Blut bedeckt. Ich konnte es nicht begreifen,

erinnert sie sich später in einem "Daily Mail"-Interview an die fürchterlichen Ereignisse. Eine Stunde braucht sie für ihre Flucht, als der Südturm einstürzt. Trotz mehrerer Stürze schafft es die Angestellte auf die Washington Street - nur wenige Minuten später fällt auch der Nordturm in sich zusammen.

"Ich bin ein Wrack"

Doch für die Überlebende gibt es kein Happy End. In den diversen Interviews schildert sie ihre Albträume, die von schreienden Menschen, Explosionen und Verfolgungsängsten handeln. Traumatisiert von 9/11 muss sich Borders wegen Depressionen behandeln lassen, verliert ihren Job. Die Abwärtsspirale dreht sich weiter, als sie zunächst Alkohol- und später Drogen-abhängig wird. Ihre Wohnung verlässt sie nicht mehr, ihr Mann dafür sie, und zwischenzeitlich entziehen die Behörden ihr das Sorgerecht ihrer beiden Kinder. 2011 schüttet sie der britischen "Daily Mail" ihr Herz aus:

Der Anschlag verfolgt mich noch immer. Mein Leben ist auf den Kopf gestellt, ich habe seitdem keinen Tag gearbeitet. Ich bin ein Wrack.

"Der Staub der Türme hat mich krank gemacht"

Nach mehreren Therapien fasst die "Staubfrau" wieder Fuß, findet einen neuen Job, engagiert sich politisch. Auch das Sorgerecht für ihre Kinder bekommt sie zurück. Dann der nächste Schicksalsschlag, von dem sie sich nicht mehr erholen wird: Vor rund einem Jahr erhält Marcy Borders die Diagnose Magenkrebs. Für sie steht fest: "Der Staub der Türme hat mich krank gemacht." 

Doch beweisen kann sie es nicht, für die Behandlung bezahlt der Staat ihr nicht. Sie muss allein für die teuren Medikamente und die Chemotherapie aufkommen. Doch das Geld hat sie nicht: Sie macht Schulden in Höhe von fast 190.000 Dollar. Der "Bild" gab sie noch vor wenigen Monaten ein Interview, in dem sie sagte: "Ich bin völlig pleite. Ich bin erschöpft, ich habe keine Kraft."

Cousin schreibt: "Sie hat jetzt endlich Frieden"

 Jetzt hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren. Auf Facebook schrieb ihr Cousin Elnardo Borders gestern: 

Wir haben unsere Heldin Marcy Borders verloren. Möge Gott uns trösten in dieser Zeit voller Sorgen. Meine Emotionen spielen gerade verrückt.

Später ergänzte er zu einem Clip der Verstorbenen: "Sie hat jetzt endlich Frieden." 

Seht Marcy Borders hier im Video: