Erneuerbare Energie - So gelingt's auf dem eigenen Balkon

Erneuerbare Energie - So gelingt's auf dem eigenen Balkon

Die eigene Photovoltaikanlage wird zunehmend beliebter. Immer häufiger sind die Solarmodule auf den Dächern hierzulande anzutreffen. Manchmal allerdings ist eine Dachmontage nicht sinnvoll oder schlicht unmöglich. Dann kann ein Balkonkraftwerk mit Solarelementen die Lösung sein. Aber: Lohnt sich das auch und was ist vor der Montage zu beachten?

Paar trägt Solarplatte
© iStock
Hier findest du Tipps, wie du Sonnenenergie auf dem Balkon gewinnen kannst. 

Preise für Photovoltaik-Module drastisch gesunken

Solaranlagen galten in der Vergangenheit als vergleichsweise kostspielig. Erst ab einer gewissen Größe war mit ihnen ein wirtschaftlicher Betrieb möglich. Der Einsatz von Mini-Photovoltaik-Anlagen kam daher nur dann infrage, wenn, wie beim Campen abseits erschlossener Gebiete, keine andere Stromquelle verfügbar war. Inzwischen hat sich die Situation grundlegend verändert. Im Zeitraum von 2012 bis 2020 sind die Preise für Solarmodule um etwa 50 Prozent gefallen. Zudem sind sie kompakter und effizienter geworden. Aktuell sind die Anlagen sogar noch günstiger zu haben.

Ein Photovoltaik-Modul mit 60 Zellen und einer Standardgröße von etwa 100 mal 170 Zentimetern hat eine Stärke von 40 Millimetern und kann es auf eine Nennleistung von knapp 300 bis 350 Watt bringen. Da die Solarmodule Gleichstrom erzeugen, von handelsüblichen Elektrogeräten aber Wechselstrom benötigt wird, ist neben einigen weiteren Zubehör zudem ein Wechselrichter erforderlich. Als Komplettset ist ein solches Balkonkraftwerk schon ab ungefähr 350 Euro im Handel. Dazu kommt: Seit dem 01.01.2023 fällt für Mini-Photovoltaik-Anlagen die Mehrwertsteuer von 19 Prozent weg. Die Preise können also noch um einiges fallen.

Montage von Mini-Solaranlagen grundsätzlich in Eigenleistung möglich

Ein weiterer Vorteil von modernen Balkonkraftwerken ist, dass sie sich mit geringem Aufwand montieren lassen. Ein wenig Sorgfalt sowie handwerkliches Geschick vorausgesetzt, kann diese Aufgabe selbst übernommen werden. Auch der Anschluss sollte keine Probleme bereiten. Die Anlage wird einfach über einen gewöhnlichen Schukostecker oder einen speziellen "Wielandstecker" mit dem heimischen Netz verbunden und schon kann sie Strom einspeisen. Wer ganz sicher gehen will, überlässt Montage und Anschluss einem Fachbetrieb. Der wird etwa 100 Euro für den Service berechnen. Sie müssen zu den Anschaffungskosten hinzugerechnet werden.

Mini-Photovoltaik-Anlage mit dem Vermieter absprechen und anmelden

Eine Hürde gibt es allerdings, wenn Mieter das Balkonkraftwerk an die Fassade des Hauses anbringen wollen. Dazu müssen sie die Zustimmung ihres Vermieters oder anderen für das Wohneigentum verantwortlichen Personen einholen. Da überdies aktuell kein Rechtsanspruch auf die Montage einer Mini-Solaranlage am Balkon besteht, sollte dieses Einverständnis auch dann vorliegen, wenn sie dort Platz finden soll.

Ein weiterer Punkt betrifft den Stromzähler. Für den Betrieb eines Balkonkraftwerks muss dieser mit einer Rücklaufsperre ausgestattet sein. Viele vor allem ältere Modelle erfüllen diese Anforderung nicht. Erkennbar ist die Funktion an einem Symbol auf dem Stromzähler. Es stellt ein Zahnrad dar, das sich durch eine Blockade über eine Kralle nur in eine Richtung bewegen kann. Ist diese Rücklaufsperre nicht vorhanden, ist es möglich, dass der Zähler bei einer Stromerzeugung durch das Balkonkraftwerk über den eigenen Verbrauch hinaus rückwärts läuft. Das ist jedoch verboten, da es als Manipulation des Zählers im Sinne einer Urkundenfälschung gilt.

Vor der Inbetriebnahme ist es des Weiteren erforderlich, das Balkonkraftwerk im sogenannten Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur sowie beim örtlichen Netzbetreiber anzumelden. Letzterer bietet zu diesem Zweck in vielen Fällen vereinfachte Formulare zum Download an oder ermöglicht sogar eine Online-Anmeldung. Einschränkend gilt dieser relativ unkomplizierte Weg nur dann, wenn das Balkonkraftwerk eine Leistung von maximal 600 Watt bringt.

Wo am besten die Solarmodule anbringen?

Idealerweise sollte das Balkonkraftwerk an einer Stelle montiert werden, die nach Süden ausgerichtet ist und auf die am besten kein Schatten fällt. Logischerweise erreichen die Solarmodule nur bei größtmöglichem Lichteinfall ihre optimale Leistungskraft. Im Falle eines Balkonkraftwerks mit 300 Watt können das im Jahr rund 200 Kilowattstunden sein. Gerechnet auf eine mögliche Betriebsdauer von 20 Jahren kommen so um die 4.000 Kilowattstunden zusammen. Bei einem Anschaffungspreis von 350 Euro plus 100 Euro Montage, liefert die Mini-Solaranlage am Balkon eine Kilowattstunde Strom für weniger als 12 Cent. Noch günstiger kann es mit zwei Modulen und einer Leistung von bis zu 600 Watt werden.

Strompreise erreichen schwindelerregende Höhen

Auf der anderen Seite kennt die Entwicklung der Strompreise über den jeweiligen Versorger nur noch eine Richtung: steil nach oben. Lag die Kilowattstunde im Jahre 2000 noch bei rund 14 Cent, kostete sie bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Juli 2022 schon durchschnittlich 37,20 Cent. Ab März 2023 zieht zwar rückwirkend zum Jahresbeginn die Strompreisbremse. Sie begrenzt jedoch nur 80 Prozent des Stromverbrauchs auf einen Preis von 40 Cent je Kilowattstunde. Diese Marke ist inzwischen vielerorts längst überschritten. Ein Kilowatt Strom vom Balkonkraftwerk kann mitunter 12 Cent also selbst den gedeckelten Preis von 40 Cent beim Versorger deutlich unterbieten.

Solarstrom steht direkt zur Verfügung

Zu berücksichtigen ist allerdings, dass der Strom vom eigenen Balkonkraftwerk direkt eingespeist wird. Die Integration eines Stromspeichers ist vor allem aus Kostengründen nicht empfehlenswert. Der Solarstrom steht also genau dann zur Verfügung, wenn er erzeugt wird. Infolgedessen kann er in idealer Weise elektrisch betriebene Geräte versorgen, die zur Zeit der höchsten Sonneneinstrahlung genutzt werden beziehungsweise angeschlossen sind. Das können Haushaltsgeräte wie Waschmaschine, Wäschetrockner oder Staubsauger sein. Energiesparende Geräte können zusammen und, wenn sie nicht mit voller Leistung genutzt werden, auf einen Wert von unter 3.000 Watt kommen.

Alternativ oder ergänzend bietet es sich an, das E-Bike zu laden, wenn das Balkonkraftwerk den meisten Strom produziert. Dafür sind je Pedelec zirka 1.000 Watt erforderlich. Auch beim Betrieb von Smart-Home-Geräten kann die Mini Photovoltaikanlage gute Dienste leisten, indem sie den Verbrauch während der Stand-by-Zeiten übernimmt.

Solaranlage am Balkon kann sich schon nach einigen Jahren rechnen

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wer durch eine gezielte Nutzung das volle Potenzial eines 300-Watt-Balkonkraftwerks von 200 Kilowattstunden im Jahr ausschöpft, kann kräftig sparen. Bei einem Versorger-Preis von 40 Cent je Kilowattstunde sind das 80 Euro in 12 Monaten. Investitionskosten von beispielsweise 450 Euro wären also nach etwa fünfeinhalb Jahren amortisiert. Spätestens ab dem sechsten Jahr liefert das Balkonkraftwerk in diesem Falle kostenlosen Solarstrom. Aber selbst, wer nur die halbe Kapazität nutzt, hat nach rund elf Jahren die ursprünglichen Kosten erwirtschaftet. Auch das lohnt sich bei einer erwarteten Betriebsdauer von 20 oder mehr Jahren.

Darüber hinaus ist die Nutzung eines Balkonkraftwerks ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz. Bei voller Leistung kann so eine Mini-Solaranlage mit 300-Watt ganze 1,3 Tonnen Kohlendioxid-Emissionen während ihres Betriebs einsparen.

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