Interview

Claudia Michelsen: Wichtiger Appell - "Denkt an alte Menschen"

Als Tanzschulbesitzerin Caterina Schöllack nahm sie uns in der "Ku'damm"-Serie mit auf eine Reise durch die Mode und die Tänze der 50er- bis 70erJahre. Dass ihre Figur dabei auch altert, ist für Schauspielerin Claudia Michelsen (57) kein Problem. Über ihre Rolle in "Ku'damm 77" und übers Alter spricht sie im Interview. 

Claudia Michelsen auf dem roten Teppich
Seltene Einblicke: Claudia Michelsen spricht im Interview über den ZDF-Mehrteiler "Ku'damm".© Getty Images

Wie hat sich ihre Rolle in "Ku'damm" verändert? 

Wir haben angefangen mit einer Caterina, '56, da war alles viel mehr schwarz-weiß, weil die auch eine Funktion hatte für die Töchter. Und ich habe gedacht: Wieso ist die überhaupt so? Die konnte gar nicht anders, weil nach dem Krieg die Kinder durchzubringen waren. Von dieser Caterina hat es sich weiterentwickelt. Dann gab es die Enkel, verschiedene Herren, die sie wieder verlassen haben. Jetzt, '77, sind ihre Enkel groß. Und Caterina ist inzwischen milder geworden, sie hält sich mehr raus.

Helfen Ihnen Ausstattung und Kostüme für Ihre Rolle? 

Mir hilft das tatsächlich mehr, teilweise von außen nach innen zu gehen. Ohne das Maskenbild oder das Kostümbild wäre ich total aufgeschmissen. 

Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt? 

Wir hatten so eine tolle Zeit miteinander. Wir waren auch alle ganz traurig, als es vorbei war. Das gibt es nicht immer. Ich mache das ja alles schon sehr lange. Drehzeit ist ja Lebenszeit, und man sieht sich wirklich jeden Tag, von morgens bis abends. Das war wirklich ein Geschenk.

In "Ku'damm 77" leben alle unter einem Dach. Wie finden Sie die Idee eines Mehrgenerationenhauses? 

Finde ich ganz großartig. Ich glaube sogar, dass wir uns da wieder hinbewegen, weil die Leute auch gar nicht mehr bezahlen können zu wohnen. 

Caterina ist Großmutter. Glauben Sie, dass sich der gesellschaftliche Blick auf Großmütter verändert hat? 

Für mich war meine Großmutter unfassbar wichtig. Es ist eine Gefahr, wie die Gesellschaft mit alten Leuten umgeht im Moment. Die Tendenz ist: jünger, schneller, schicker und bloß nicht altern. Da verschiebt sich was, auf eine merkwürdige Art. Statt zu sagen, wir tragen auch ältere Menschen, weil da viel mehr Gelebtes und Wissen ist. Das finde ich eine gefährliche Richtung.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe von VIEL SPASS. Weitere spannende Star-News liest du in der aktuellen VIEL SPASS – Jeden Mittwoch neu am Kiosk.