Johannes Oerding: "Hatte immer Angst, dass die Leute mich vergessen" – Traurige Worte über seine Auszeit

Johannes Oerding traf 2024 eine mutige Entscheidung: Er zog den Stecker. Nach Jahren voller Chart-Erfolge und ausverkaufter Arenen verschwand der Musiker fast gänzlich von der Bildfläche. Was nach purem Luxus klingt, war für den Künstler jedoch ein Prozess voller Selbstzweifel und der schmerzhaften Erkenntnis, dass selbst die größte Leidenschaft zur Routine erstarren kann.

Johannes Oerding sieht nachdenklich zur Seite
Johannes Oerding spricht über seine Auszeit und die Sorge, nach seiner Weltreise nicht mehr gefragt zu sein. Doch die Fans stehen nach wie vor hinter dem Sänger.© picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Johannes Oerding: Warum er die Notbremse zog

Im Jahr 2024 hat sich Johannes Oerding (44) eine bewusste Auszeit gegönnt: Keine Konzerte, keine Fan-Treffen, sondern nur er selbst und eine Reise um die Welt. Kürzlich sprach der beliebte Musiker in der ZDF-Frühstückssendung "Volle Kanne" offen über diese prägende Phase. Dabei verriet er den Moment, in dem ihm klar wurde, dass er die Notbremse ziehen musste. Es geschah während seiner Open-Air-Tournee 2023, als er auf der Bühne stand und gerade "ein sehr trauriges, sehr persönliches Lied" performte. Doch anstatt den Moment mit seinem Publikum zu teilen, drifteten seine Gedanken vollkommen ab. Er gestand, dass ihm in diesem Augenblick nur eines durch den Kopf gegangen sei: "Ich habe dabei schon an die Einkaufsliste für morgen gedacht." Für den Vollblutmusiker war dies ein Warnsignal. Er zog die Konsequenz aus dieser inneren Abwesenheit und erkannte: "Das wird weder dem Song noch den Leuten noch mir gerecht. Es ist Zeit, mal kurz die Handbremse anzuziehen."

Johannes Oerding: Die Weltreise half ihm, den Kopf frei zu bekommen

Johannes Oerdings persönliche Therapie bestand darin, die Bühnen gegen die Weiten der Welt einzutauschen. Der Abstand hat dem "Alles brennt"-Sänger sichtlich gutgetan, dennoch blieb sein Kopf während der Auszeit nicht ganz frei von Zweifeln. Der Erfolgsdruck der Branche hinterließ auch bei ihm Spuren: 

Ich hatte immer so ein bisschen Angst, dass, wenn ich eine Pause mache, die Leute mich vergessen und dass sie nicht mehr zu meinen Konzerten kommen,

gab er im Interview zu. Es ist die Angst vor der plötzlichen Irrelevanz, die viele Künstler haben. Von den negativen Gedanken nahm er jedoch Abstand. Eine wichtige Selbsterkenntnis half ihm, den Druck loszulassen: "Da war meine Erkenntnis: Johannes, so wichtig bist du nicht". Heute steht Oerding wieder mit voller Kraft auf der Bühne. In den Sommermonaten gibt er zahlreiche Konzerte in ganz Deutschland.

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Johannes Oerding spricht etwas aus, das im Business fast jeder kennt, aber kaum einer zugibt. Wenn du auf der Bühne ein emotionales Lied singst und dabei im Kopf schon deine Einkaufsliste für den nächsten Tag schreibst, dann ist das ein Warnschuss. Das zeigt, dass du nur noch funktionierst, aber nichts mehr fühlst. In einer Zeit, in der man ständig präsent sein muss, ist die Angst, dass die Fans einen vergessen, real. Aber Oerding hat alles richtig gemacht: Wer sich nicht mal rausnimmt, brennt irgendwann komplett aus. Die Fans merken sofort, ob ein Künstler mit dem Herzen dabei ist oder nur sein Programm abspult.

Verwendete Quellen: ZDF "Volle Kanne"