Interview

Rudi Cerne: Diese "Aktenzeichen XY"-Schicksale gehen ihm besonders nah

Seit über zwei Jahrzehnten blickt Rudi Cerne in die tiefsten Abgründe der Kriminalität, doch manche Fälle lassen selbst den erfahrenen "Aktenzeichen XY"-Moderator nicht kalt. Im Interview spricht er über die erschütternde Zunahme falscher Polizisten und Schicksale, die weit über die Sendung hinaus bewegen.

"Aktenzeichen XY"-Moderator Rudi Cerne
Bei "Aktenzeichen XY" soll wieder ein Fall aufgeklärt werden© ZDF/Nadine Rupp

Rudi Cerne im Interview: "Das sind Schicksale, die einem wirklich nahegehen"

Einmal im Monat geht Moderator Rudi Cerne (67) bei "Aktenzeichen XY… ungelöst" im ZDF auf Verbrecherjagd. Er kennt sich in den Abgründen der Kriminalität also bestens aus. Und dennoch: Manche Schicksale gehen ihm besonders nah. Welche das sind, hat er im Interview mit VIEL SPASS verraten. 

In der jüngsten Folge gaben sich Räuber als Polizisten aus. Nehmen solche Fälle zu? 

Ja, der Eindruck täuscht nicht. Solche Fälle kommen mittlerweile fast in jeder dritten Sendung vor. 

Wie ist dabei die genaue Vorgehensweise der Täter? 

Es sind oft falsche Polizisten oder Paketboten, die an Türen klingeln – gut verkleidet und überzeugend. Viele Menschen werden dadurch immer wieder Opfer solcher Betrügereien.

Haben Sie Tipps, wie man sich davor schützen kann? 

Grundsätzlich hilft es, vorbereitet zu sein. Man sollte wichtige Telefonnummern griffbereit haben – etwa die 110 für die Polizei oder die 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst. Wenn jemand an der Tür steht und sich als Polizist ausgibt, kann man ruhig sagen: "Einen Moment, ich rufe kurz bei Ihrer Dienststelle oder bei der 110 an."

Häufig sind ältere Menschen von dieser Masche betroffen… 

Leider ja. Mich bewegt es jedes Mal sehr, wenn ich sehe, dass etwa eine alte Frau brutal niedergeschlagen wird – nur, damit jemand ihr Portemonnaie mit 50 Euro stehlen kann. Das ist einfach erschütternd. Besonders bedrückend sind auch Fälle, in denen Täter nachts in Häuser von Senioren eindringen, die Opfer fesseln und stundenlang festhalten, um Wertgegenstände zu rauben. Die Betroffenen sind oft traumatisiert, viele erholen sich davon nie wieder.

Ist Ihnen da ein konkreter Fall im Gedächtnis geblieben? 

Wir hatten kürzlich den Fall eines älteren Ehepaars um die 80, das nach einem solchen Überfall psychisch daran zerbrochen ist und kurz darauf starb. Das sind Schicksale, die einem wirklich nahegehen. 

Sind Sie durch Ihre Arbeit bei "Aktenzeichen XY …" vorsichtiger geworden? 

Ich denke, schon. Grundsätzlich bin ich aber ohnehin ein vorsichtiger Mensch, und meine Arbeit bei "Aktenzeichen XY…" hat mich in dieser Haltung bestätigt. Dort begegnen wir ja den extremsten Fällen – Mord, bewaffnete Raubüberfälle und andere Kapitaldelikte. Das sind Abgründe der Kriminalität.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe von VIEL SPASS. Weitere spannende Star-News liest du in der aktuellen VIEL SPASS – Jeden Mittwoch neu am Kiosk.