König Charles III.: Die tragische Familiengeschichte seiner Uroma

Hinter dem heutigen britischen Königshaus verbirgt sich eine Familiengeschichte voller Schicksalsschläge, Mut und Eigensinn. Eine Schlüsselrolle spielte dabei König Charles' Urgroßmutter Viktoria von Hessen-Darmstadt, die schon früh schwere Verluste verkraften musste. Doch sie trotzte den Widerständen ihrer Zeit und legte den Grundstein für die moderne Mountbatten-Dynastie.

König Charles guckt verträumt
König Charles III. hat nicht nur den Thron geerbt, sondern auch die verblüffenden Gesichtszüge seiner Urgroßmutter Viktoria von Hessen-Darmstadt. © Getty Images

König Charles III.: Das bewegende Leben seiner Uroma Viktoria

Es ist schon erstaunlich, wie Familienähnlichkeiten mehrere Generationen überspringen können. So ist es bei König Charles III. (77). Wer seine Urgroßmutter Viktoria von Hessen-Darmstadt betrachtet, wird feststellen: Der Monarch ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten! Dabei könnten die Biografien unterschiedlicher nicht sein. Wo Charles fast 74 Jahre lang im Schatten seiner Mutter Elizabeth (†96) stand, wurde Viktoria bereits mit 15 zur Halbwaisen.

Das Licht der Welt erblickte sie 1863 auf Schloss Windsor. Ihre Großmutter, Königin Victoria, war bei der Geburt zugegen. Die stolzen Eltern waren Prinzessin Alice, eine Tochter der Queen, und Großherzog Ludwig IV. von Hessen-Darmstadt. Viktoria und ihre Schwestern wurden aufgrund ihrer Anmut die "vier Grazien" genannt. Sie wuchsen mit ihren Brüdern in Hessen auf, wobei sie oft in England weilten. Eine normale adlige Kindheit – bis das Schicksal die heile Welt erschütterte. 1873 stürzte Viktorias Bruder Friedrich beim Spielen aus dem Fenster. Er starb, weil er unter der fatalen Bluterkrankheit litt. (Seine Schwester Alix, die spätere Gattin von Zar Nikolaus II., sollte diese später an ihren Sohn Alexej weitervererben und in die Fänge des Wunderheilers Rasputin geraten.) 1878 folgte die nächste Katastrophe: Die Kinder erkrankten an Diphtherie, Viktoria als erste. Ihre Schwester Marie erlag dem gefährlichen Leiden. Und als Mutter Alice einen ihrer Söhne mit einem Kuss tröstete, zog sie sich selbst die Krankheit zu. Sie starb am 14. Dezember 1878. Victoria sagte im Rückblick: "Der Tod meiner Mutter war ein unersetzlicher Verlust. Meine Kindheit endete mit ihrem Tod, denn ich war nun die Älteste, die am meisten Verantwortung tragen musste." 

Eine eigensinnige Prinzessin: Wie Viktorias Liebe die britische Krone veränderte

Doch so ganz ordnete die Prinzessin ihren Willen nicht der Familie unter. 1882 verliebte sich Viktoria in ihren Onkel zweiten Grades Louis von Battenberg. Ihr Vater Ludwig war gegen die Verbindung, weil der Verwandte zu arm sei und Viktoria ganz in seine Wahlheimat England ziehen würde. Doch die Prinzessin blieb hartnäckig und heiratete den Offizier der britischen Marine im Jahr 1884. Das Paar hatte vier Kinder, darunter Alice, die 1903 den griechischen Prinzen Andreas heiraten würde. Aus dieser Verbindung ging 1921 Prinz Philip (†99) hervor, der Vater von Charles III. Viktorias Tochter Louise wurde, als Gattin von König Gustaf VI. Adolf, 1950 Königin von Schweden. 1917 änderte die Familie ihren Namen von Battenberg in Mountbatten, um sich im Ersten Weltkrieg von ihrem deutschen Erbe abzugrenzen. So kennen wir Viktorias zweitgeborenen Sohn als Louis Mountbatten, der Vizekönig von Indien und "Ziehvater" seines Neffen Philip wurde. Viktoria starb 1950 hochbetagt in London. Doch zwei Jahre zuvor hatte sie noch an einer wichtigen Taufe teilnehmen können. Das Baby hieß Charles – und sollte 2023 zum König gekrönt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe von 7 TAGE. Weitere spannende Star-News liest du in der aktuellen 7 TAGE – Jede Woche neu am Kiosk.