König Charles III.: Nach dem Tod der Queen - So steht es um die Thronfolge

König Charles III.: Nach dem Tod der Queen - So steht es um die Thronfolge

König Charles III. hat so lange wie kein anderer Thronfolger in der Geschichte des Vereinigten Königreichs darauf gewartet, endlich König werden zu dürfen. Der Sohn von Queen Elizabeth II. (†96) stand 70 Jahre lang an erster Stelle der britischen Thronfolge. Nach dem Tod der Königin am 8. September 2022 änderte sich dort so einiges.

König Charles III.: Das bedeutet der Tod der Queen für ihn 

Für König Charles III. dürften die Tage nach dem 8. September 2022 wohl bittersüß gewesen sein. Einerseits musste der Thronfolger einen schweren Verlust verkraften - den Tod seiner Mutter Queen Elizabeth II. Und auch wenn das Verhältnis der beiden nicht immer einfach war, hat ihr Tod König Charles III. schwer getroffen. In einem emotionalen Statement sagte Charles kurz nach dem Tod von Queen Elizabeth II.: "Der Tod meiner geliebten Mutter, Ihrer Majestät, der Königin ist ein Moment der größten Traurigkeit für mich und alle Mitglieder der Familie." König Charles III. fuhr fort:

Wir betrauern das Ableben einer geschätzten Souveränin, einer sehr geliebten Mutter. Ich weiß, dass ihr Verlust im ganzen Land, den Realms,  im Commonwealth und von zahllosen Menschen auf der ganzen Welt tief empfunden werden wird.

Traurige Worte, die noch einmal daran erinnern, wie sehr König Charles III. seine Mutter geliebt hat. Doch für den Thronfolger bedeutete ihr Tod auch eine große Veränderung: Nachdem er so lange wie noch keiner seiner Vorgänger darauf gewartet hatte, wurde am 8. September aus Prinz Charles Philip Arthur George, dem Prinzen von Wales, Herzog von Cornwall, Herzog von Rothesay, Earl von Carrick, Baron Renfrew und dem Prinzen und High Stewart von Schottland, der Nummer eins der britischen Thronfolge, König Charles III. In der britischen Thronfolge und besonders für Charles’ ältesten Sohn Prinz William ändert sich so einiges - und das schon lange vor König Charles III. Krönung.

 

König Charles III.: So ist die britische Thronfolge geregelt

Die Regeln der britischen Thronfolge, die natürlich auch für König Charles III. gelten, reichen schon sehr lange zurück. Bereits im 17. Jahrhundert wurden mit den Bill of Rights (1968) und dem Act of Settlement (1701) die Grundlagen für die britische Thronfolge gelegt. Der Grund dafür war kurios: König James II. floh 1688 aus dem Land, sodass das britische Parlament seiner Tochter Mary den Thron anbot. Hier zeigt sich auch eine Besonderheit in der britischen Monarchie. Denn obwohl das Parlament formal als "Parlament des Monarchen" angesehen wird, können die Mitglieder auch immer wieder in die Monarchie eingreifen. So können sie die Thronfolge mit bestimmen - etwa, wenn der Nächste in der Thronfolge noch zu jung ist, um sein Amt auszuführen - oder einem Souverän seinen Titel entziehen

Der "Act of Settlement" regelt aber auch einige andere wichtige Punkte in der britischen Thronfolge. So wurde etwa festgelegt, dass nur die protestantischen Nachkommen von Prinzessin Sophia - einer Enkelin von James I. - legitime Thronerben sind. Das bedeutet auch: Ein Mitglied des Königshauses, das römisch-katholisch getauft ist, ist von der Thronfolge ausgeschlossen. Das liegt auch daran, dass der König oder die Königin automatisch Oberhaupt der Church of England und der Church of Scotland ist. Bei seinem Amtsantritt muss der Souverän schwören, diese beiden Kirchen zu erhalten. 

In Großbritannien wie in vielen anderen europäischen Monarchien galt lange das männliche Erstgeburtsrecht, das einen großen Einfluss auf die Thronfolge hat. Das bedeutet, dass der älteste männliche Nachkomme eines Königs automatisch Thronerbe ist. Doch 2013, im Jahr der Geburt von Prinz George, trat der sogenannte "Succession to the Crown Act" in Kraft. Das Gesetz besagt, dass automatisch das älteste Kind des Monarchen Thronerbe wird - unabhängig von seinem Geschlecht. Eine Revolution in der britischen Thronfolge! Sollte also Prinz George eines Tages eine Tochter bekommen, wäre die automatisch erste der Thronfolge, wenn er König wird, auch, wenn George später noch Vater eines Sohnes werden sollte.

 

König Charles III.: Das hat es mit dem Titel "Prinz von Wales" auf sich

Der bekannteste Titel des britischen Königshauses - gleich nach dem des Monarchen oder der Monarchin selbst - ist natürlich der des Prinzen von Wales. Er wird traditionell an den Thronfolger vergeben, der ihn bis zu seiner Krönung als König behält. Seit dem 13. Jahrhundert hat den Titel des Prinzen von Wales kein Waliser mehr getragen. Der letzte einheimische Prinz von Wales war LLywelyn ap Gruffudd. Er wurde 1282 bei der Schlacht von Orewin Bridge getötet.

 Als König Charles III. neun Jahre alt war und seine Mutter zur Königin ausgerufen wurde, womit sie ihren Platz in der Thronfolge an ihn übergab, erklärte sie Charles prompt zum Prinzen von Wales. König Charles III. soll davon damals angeblich sehr überrascht gewesen sein. Damit war König Charles III. der am längsten amtierende Prinz von Wales in der britischen Geschichte - insgesamt mehr als 63 Jahre hatte er den Titel inne. 1969, als Charles 20 Jahre alt wurde, wurde er offiziell auf Schloss Caernarfon als Prinz von Wales vorgestellt

Nach dem Tod von Queen Elizabeth II. verkündete König Charles III., dass sein ältester Sohn Prinz William nun nicht nur seine schottischen Titel erben und ihm als Herzog von Cornwall nachfolgen würde. William wurde nun auch zum direkten Thronfolger. "Ich bin stolz, ihn heute zum Prinzen von Wales, Tywysog Cymru zu machen, dem Land, dessen Titel ich so privilegiert war, für einen so großen Teil meines Lebens und meiner Pflichten zu tragen", so König Charles III. Damit ist Prinz William nun nicht mehr Herzog von Cambridge, sondern Herzog von Cornwall, Herzog von Rothesay und Prinz von Wales. Seine Frau Herzogin Kate bekommt den prestigeträchtigen Titel Prinzessin von Wales, den vor ihr ihre verstorbene Schwiegermutter Prinzessin Diana innehatte

In Wales selbst gibt es immer wieder Kritik am Titel des Prinzen von Wales an sich - und an Prinz Charles. 2021 etwa gab es im ganzen Land eine groß angelegte Plakatkampagne gegen den Thronfolger. Doch William bemühte sich schon gleich nach seiner Ernennung zum Prinzen von Wales um eine gute Beziehung zu dem Land. Nach seinem ersten Gespräch mit William sagte Regierungschef Mark Drakeford: "Der Prinz hat die tiefe Zuneigung zum Ausdruck gebracht, die er und die Prinzessin für Wales empfinden, da sie auch ihr erstes gemeinsames Zuhause in Anglesey hatten, was auch die ersten Momente im Leben von Prinz Charles einschloss." William wird sich also große Mühe geben, die Aufgaben, die mit diesem besonderen Titel verbunden sind, so gut wie möglich zu erfüllen.

König Charles III.: Sind Deutsche in der Thronfolge?

König Charles III. und seine direkte Verwandtschaft - also seine Söhne, Enkel, Brüder, seine Schwester und seine Neffen und Nichten - stehen in der britischen Thronfolge natürlich auf den ersten Plätzen. Doch das britische Königshaus hat auch enge familiäre Beziehungen nach Deutschland. Der Großvater von König Charles III. Mutter Queen Elizabeth II., George V., stammt eigentlich aus dem Hause Sachsen-Coburg. Während des Ersten Weltkriegs änderte er jedoch seinen Namen zu "Windsor", weil er sich für seine deutsche Herkunft schämte. 

Ernst August von Hannover ist ebenfalls mit dem britischen Königshaus verbandelt. Er stammt aus dem Haus Welfen, zu dem auch Queen Victoria gehörte. Doch als Victoria Königin wurde, kam es zum Bruch zwischen Großbritannien und Hannover, da im Königreich Hannover ein Gesetz galt, das eine Königin an der Spitze ausschloss. 

Da Queen Victoria jedoch Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha heiratete, blieben die Verbindungen zwischen dem britischen und dem Deutschen Königshaus bestehen. Sowohl König Charles III. als auch seine Mutter Queen Elizabeth II. gehören deshalb zum deutschen Adelsgeschlecht. In dieser Linie ist Hubertus von Sachsen-Coburg aktuell der letzte noch lebende Nachfahre. Und auch Heinrich Donatus Prinz und Landgraf zu Hessen ist noch mit der britischen Königsfamilie verhandelt. Der Urenkel von Queen Victoria ist ein Großneffe von Queen Elizabeth II. Eine Schwester ihres Ehemanns Prinz Philip hatte einst in Heinrichs Familie eingeheiratet. Der Prinz und Landgraf zu Hessen ist mit Floria-Franziska Marie-Luisa Erika Faber-Castell verheiratet, das Paar hat Drei Kinder, die theoretisch auch einen Platz in der britischen Thronfolge inne haben könnten.

König Charles III.: Das ändert sich in der Thronfolge

Die größten Veränderungen kommen nun aber natürlich erst einmal auf die nahen Verwandten von König Charles III. zu. Sein Sohn William wird direkter Thronfolger, seine Enkel Prinz George, Prinzessin Charlotte und Prinz Louis rücken an die Positionen zwei, drei und vier. Erst danach kommen Prinz Harry und seine beiden Kinder Archie und Lilibet. Den Abschluss der wichtigsten Personen in der Nachfolge für den britischen Thron bildet eines der jüngsten Familienmitglieder überhaupt: Lucas Tindall, der Sohn von Zara und Mike Tindall. Er kam im März 2021 zur Welt und ist das jüngste Enkelkind von Prinzessin Anne, der einzigen Tochter der Queen. Aktuell steht Master Lucas Philip Tindall, wie er in Gedenken an seinen kurz nach seiner Geburt verstorbenen Urgroßvater Prinz Philip heißt, auf Position 23. der britischen Thronfolge - und damit nur sieben Positionen hinter seiner Großmutter, obwohl die die Schwester des neuen Königs ist.

Verwendete Quellen: royal.uk, bunte.de, bbc.com, Reuters, theguardian.com

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