Schlagerstar Jürgen Marcus († 69): Sein geheimes Doppelleben

Was für manchen Sänger ein guter Grund ist, um überhaupt eine große Karriere zu machen, war ihm stets ein Graus. Weibliche Fans, sogenannte Groupies, die für eine Umarmung, ein Foto oder ein Küsschen Schlange standen. Manche machten sogar unmoralische Angebote. Darauf eingelassen hat sich der hübsche Blondschopf Jürgen Marcus nie. Aber nicht, weil er glücklich verheiratet und seiner Frau treu war. Die vielen weiblichen Verlockungen haben ihn einfach nicht interessiert. Schon in seiner Jugend hatte er Interesse an Männern.

Jürgen Marcus l#chelt mit Zähnen
Jürgen Marcus outet sich erst spät und führte lange ein geheimes Doppelleben. © Getty Images

Jürgen Marcus († 69): Heimliche Treffen mit Männern

Homosexuell zu sein, war in den Siebzigern, als der gelernte Maschinenschlosser seinen soliden Beruf gegen ein buntes Leben auf der Bühne tauschte, längst nicht so entspannt wie heute. Die Plattenbosse wussten, dass vor allem Frauen treue Schlager-Fans waren und für klingelnde Kassen und hohe Verkaufszahlen sorgten. Jürgen Marcus war ein hübscher Kerl, der 1973 mit "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" die Charts eroberte, und die Illusion vom Traummann sollte unbedingt erhalten bleiben. Wem konnte er wirklich vertrauen? Wenn er Männer getroffen hat, dann heimlich und immer mit der Angst, ob er dem anderen vertrauen kann. Wenn er glücklich verliebt war, durfte niemand davon wissen. Ein Liebesouting, auch nur das leiseste Gerücht, hätte alles zerstören können. Wie schmerzhaft und kräftezehrend das gewesen sein muss, – auch für seine Partner – kann man sich vorstellen. 

Positives Feedback nach Outing

Bei einem konnte er sich endlich sicher fühlen. Sein junger Manager Nikolaus Fischer und er wurden Anfang der 90er mehr als nur Geschäftspartner. Dass sie gemeinsam auf Veranstaltungen gingen, sich vertraut unterhielten, verwunderte niemanden. Trotzdem war Marcus das Versteckspiel und sein ewiges Doppelleben leid, und er erklärte 1991 in einer großen deutschen Sonntagszeitung, dass er homosexuell sei. Was dann passierte, erstaunte ihn sehr. Das Feedback seiner großen Fangemeinde war durchweg positiv. Manche hatten es vielleicht schon geahnt, viele waren überrascht, und alle gönnten ihm das Glück von Herzen. Endlich konnte er ganz befreit leben und vor allem singen. 

1998 belegte er mit "Mach’s gut bis zum nächsten Leben" Platz sechs beim "Grand Prix des Schlagers", und im Sommer 2004 erschien nach 22 Jahren sein Comeback-Album "Ich glaub an die Welt". Zwei Jahre später folgte ein wunderschönes Weihnachtsalbum ("Tausend Lichter, tausend Kerzen"). Da litt er schon an der schweren Lungenkrankheit COPD, trat nur noch selten in TV-Shows und bei Konzerten auf. 2018 starb er kurz vor seinem siebzigsten Geburtstag. Bis zum Schluss fest an seiner Seite stand Nikolaus Fischer, der in diesem Jahr seine große Liebe ganz nah zu sich holte. Das Grab von Jürgen Marcus wurde nach Geretsried verlegt, sodass er ihn nun jeden Tag besuchen kann.

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Verwendete Quellen: Frau mit Herz