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ESC 2024: Skandale, Hass, Glücksgefühle - das geschah hinter den Kulissen des Finales!

ESC 2024: Skandale, Hass, Glücksgefühle - das geschah hinter den Kulissen des Finales!

Der Eurovision Song Contest, kurz ESC, 2024 ist vorbei und der Sieger steht fest: Nemo hat mit "The Code" für die Schweiz den großen Titel geholt. OKmag.de war live beim Grande Finale dabei und verrät dir, wie die Stimmung wirklich war und was es im Fernsehen nicht zu sehen gab.

ESC 2024: Skandale überschatteten den Wettbewerb

Drama, Baby, Drama - es scheint, als hätte sich der Eurovision Song Contest 2024 dieses Motto als Ziel gesetzt, denn jenes hat der Songwettbewerb in diesem Jahr mit voller Bravour erfüllt. Kaum eine Ausgabe des weltweit größten Musikwettbewerbes wurde bereits im Vorfeld so wild diskutiert. Noch bevor das Finale am Samstag, den 11. Mai 2024 in der Malmö-Arena in Schweden richtig losging, überschlugen sich die Skandale. 

Am Freitag wurde aus dem Nichts die Teilnahme der Niederlande infrage gestellt. Joost Klein, der mit "Europapa" den Titel holen wollte, fiel unangenehm auf. Bei einer Pressekonferenz provozierte er die israelische Vertreterin Eden Golan und zog sich, als sie zu Wort kam, seine Flagge über den Kopf. Des Weiteren weigerte er sich, mit ihr für ein offizielles Foto zu posieren. Fair Play sieht anders aus, doch kein Grund für einen Ausschluss. Dieser rührte von einem anderen Vorfall her, so soll eine ESC-Produktionsmitarbeiterin eine Beschwerde gegen den Niederländer eingelegt haben. Sogar von Gewaltvorwürfen ist die Rede. Der Vorfall wird noch immer von der Polizei untersucht, für die EBU stand jedoch fest: Joost Klein darf für die Niederlande nicht mehr beim Wettbewerb antreten. Für viele Fans und wohl vor allem die niederländischen Fans, die extra vor Ort angereist sind, war dies ein Schock. Der heimische Sender Avrotros bezeichnete den Ausschluss des Landes als "sehr schwerwiegend und unverhältnismäßig". Auch im Netz überschlugen sich die #freejoost-Kommentare. An der Entscheidung änderte dies jedoch nichts, die EBU verfolgt eine strenge Null-Toleranzpolitik. Auch wenn die Niederlande somit keine Punkte mehr in dem Wettbewerb erhalten konnte, so durften die Jury und die Zuschauer dennoch abstimmen. Nur letztere nahmen dies in Anspruch, denn als bei der Punktevergabe der niederländische Repräsentant eingeblendet werden sollte, blieb die Übertragung schwarz. Die YouTuberin und Moderatorin des ESC 2021 Nikkie de Jager, fällte diese Entscheidung mit dem Sender Avrotros:

Was auch immer ich heute Abend tue, ob ich da bin oder nicht, ich kann es nicht gut machen.

In der Halle war die Reaktion auf diese Situation eindeutig: Viele ESC-Fans jubelten und unterstützten somit den niederländischen Musiker. Diese trotz des Vorfalls positive Einstellung des Publikums vor Ort gegenüber Joost war auch zu spüren, als Eurovision-Chef Martin Österdahl das Wort ergriff. In keiner Situation waren die Buhrufe so laut zu hören, wie in dem Moment. Die Fans haben ihm den Ausschluss des niederländischen Sängers deutlich übel genommen.

Für einen kleinen Skandal hat auch der Sieger des Wettbewerbs gesorgt: Nemo aus der Schweiz! Die Künstlerinnen und Künstler müssen sich an einige Regeln der EBU halten, so ist es ihnen erlaubt, mit ihrer Heimatflagge sowie der Regenbogenflagge auf die Bühne zu gehen. In der sogenannten "Progressive Pride Flag" werden alle Mitglieder der LGBTQIA+-Community vereint. Jene ist ebenfalls im Wettbewerb erlaubt. Nemo hat hingegen neben seiner Schweizer Flagge noch die non-binäre Flagge bei der Flaggenparade im Opening präsentiert. Ein Regelverstoß, der wohl aber niemanden wirklich gestört haben sollte.

ESC 2024: Hass auf den Straßen und in der Arena

Politischer hätte ein ESC wohl nicht sein können. Schon als die 37 Länder, die sich für das Grande Finale qualifizieren wollten, bekannt gegeben worden, gab es einen großen Aufschrei, warum Israel antreten darf. Die Handhabe Israels in dem Kampf gegen die islamistische Hamas im Gazastreifen wird von vielen Seiten scharf kritisiert. Im Netz überschlugen sich die Diskussionen, viele setzten sich bis zuletzt dafür ein, dass das Land ausgeschlossen wird. Auch vor Ort in Malmö gaben die Israel-Kritiker ein deutliches Zeichen, Palästina-Flaggen hingen an jeder Ecke. In vielen Teilen der Stadt gab es pro-palästinensische Demonstrationen, bei einer war Klimaaktivistin Greta Thunberg mit von der Partie. Sie wurde allerdings vor der Arena von der Polizei abgeführt. Man kann sicher sagen: Die Stimmung in der Stadt war extrem aufgeheizt! Dies zog sich auch in der Arena beim Finale weiter. Israel hatte die Startnummer 6 und kam somit recht am Anfang an die Reihe. Die 20-Jährige Eden Golan hatte die schwierige Aufgabe ihr Land zu vertreten, denn nicht nur ihr Land wurde im Vorfeld angefeindet, sondern auch sie persönlich. Ihr Song "Hurricane" ist eine tragende Ballade, die textlich auf den Terrorangriff auf Israel im Oktober 2023 anspielt. Wer bereits den Song vor dem Finale gehört hat, hatte in der Malmö-Arena gute Karten, denn von dem Moment an, wo Eden ihren ersten Ton sang, war ihr Song kaum mehr zu verstehen. Viele ESC-Fans, die Israels Teilnahme nicht unterstützten, haben mit Buhrufen und Pfiffen alles dafür getan, damit keiner etwas von dem Song versteht. Ob das für diese junge Frau so fair war? Ich bin mir da nicht sicher. Der Israel-Hass zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Auch bei der Punktevergabe war die Abneigung vieler lauter Fans deutlich zu spüren. Wann immer Israel Punkte von einer Jury bekommen hat, gab es laute Buhrufe. Als Deutschlands Jury an Eden 8 Punkte vergab, war bei der Intensität der Buhrufe leider auch ein kleiner Deutschland-Hass zu spüren. Noch stärker war allerdings bei vielen Fans vor Ort die Empörung, als Israel von dem Televoting 323 Punkte (zweithöchste Punktzahl) bekam. Seinen Sitznachbarn konnte man in dieser Situation nicht mehr verstehen. Gewinnen konnte Israel mit dem Televoting nicht mehr, dennoch sicherte sich Eden für Israel den fünften Platz.

ESC 2024: Glücksgefühle - Deutschland hat abgeliefert!

Die Skandale und die hitzige Debatte um Israels Teilnahme legten einen dunklen Schatten über den Eurovision Song Contest 2024. Dennoch gab es beim großen Finale auch Momente des großen Glücks. Allen voran: Unser Isaak hat mit "Always On The Run" Platz 12 für Deutschland geholt - Wahnsinn! Welch ein tolles Ergebnis nach den vielen Jahren der Pleiten. Isaak hat im wahrsten Sinne des Wortes die Hütte abgebrannt mit seiner Stimme, die in der Arena viel Applaus bekommen hat. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch, lieber Isaak und vielen Dank für das Brechen unseres ESC-Fluchs!

Wo wir beim Thema Dankbarkeit wären: Aufgrund der hitzigen Debatte um Israels Teilnahme war vielleicht auch dieser ESC so gefährlich wie kein anderer zuvor. Neben den schwedischen Polizisten wurden Beamte aus Dänemark und Norwegen und Spezialeinheiten angefordert, um die Situation im Griff zu behalten. Bei der Sicherheitskontrolle ging man detailliert vor, Taschen waren nahezu gar nicht erlaubt. Auch im Saal behielten die Beamten jegliche Situationen im Griff. Ein großes Lob an die Einsatzkräfte, dass sie einem ein so sicheres Gefühl wie möglich vermittelt haben!

Obwohl in einigen Momenten, die nahezu immer etwas mit Israel zu tun hatten, die Stimmung in der Malmö-Arena deutlich kippte, war die Grunddynamik der Veranstaltung friedlich. Fans tanzten zu der Musik, lagen sich den Armen und waren überwältigt von der Energie und dem Spektakel auf der Bühne. Jeder Zuschauer besaß am Handgelenk ein Lichtarmband, welches die Farbe passend zu dem Auftritt änderte. Ein echter Augenschmaus bei über 15.000 Fans in der Arena! Generell ist die spektakuläre Technik des diesjährigen ESC zu loben. 

ESC 2024: Wie sieht die Zukunft des Musikwettbewerbes aus?

Nemo, den OKmag.de übrigens noch am Flughafen gesichtet hat, konnte den ESC 2024 für sich entscheiden und die Ausgabe im kommenden Jahr in sein Heimatland holen. Insbesondere nach dem diesjährigen zugegeben schwierigen Wettbewerb stellt sich die Frage: Wie sieht die Zukunft des Eurovision Song Contest aus? Viele Menschen sprechen sich schon lange für ein Ende aus, in diesem Jahr durch die Israel-Debatte ganz besonders. Des Weiteren stehen dem ESC weitere Kritiken entgegen: Ist der Contest zu teuer? Ist das Voting-System unfair? Ist der Wettbewerb zu politisch? All diese Fragen lassen die Zukunft des Eurovision Song Contest unsicher erscheinen. Die Frage, die ich mir insbesondere in Bezug auf den letzten Punkt stelle: Kann der ESC jemals wieder unpolitisch sein? War er das jemals? Meines Erachtens war der ESC schon immer politisch, der Aufschrei der vielen Kritiker ist vielleicht auch deswegen so groß, weil alles dafür getan wird, die Veranstaltung als unpolitisch darzustellen. In meinen Augen ein Fehler, denn es ist immerhin ein Wettbewerb, bei dem am Ende vor einem Millionenpublikum 26 Nationen aufeinandertreffen. Wenn politische Aussagen und Botschaften irgendwo Platz finden, dann bei solch einem Event. Wie der Name schon verrät, handelt es sich beim Eurovision Song Contest um eine Angelegenheit von ganz Europa und das bedeutet: Es geht uns alle etwas an. Probleme sollten ausgesprochen und gemeinsam diskutiert werden. Ob das aber bedeutet, dass die israelische Vertreterin Eden Golan es verdient hat, während all ihrer Auftritte ausgebuht zu werden? Ich bezweifle das stark. 

Der Eurovision Song Contest ist vieles: politisch, problematisch und vielleicht auch teilweise überholungsbedürftig. Eines hat sich doch auch über die vielen Jahrzehnte nicht verändert: Er vereint die Menschen. Aus aller Welt feiern Fans die Songs aus den unterschiedlichsten Ländern. Sie freuen sich gemeinsam, wenn ihr Favorit die goldenen 12 Punkte erhält. Man leidet zusammen, wenn die eigenen Vertreter das Schlusslicht bilden. Es ist eine Veranstaltung, die über die Landesgrenzen hinaus die Menschen alleine durch Musik zusammenbringt. Wohl am wichtigsten ist aber, dass es ein Event für jeden Menschen ist, egal welche Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung. Jeder ist beim Eurovision Song Contest willkommen. Und das ist wohl mittlerweile auch genau das, was den ESC ausmacht. Ich schaue weiter!

Verwendete Quellen: eigene Quelle