Interview

"In aller Freundschaft"-Star Gabrielle Scharnitzky: Sie war kurz davor, aufzugeben

Gabrielle Scharnitzky bricht in ihrer Rolle bei "In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte" mit sämtlichen Oma-Klischees. Im ehrlichen Interview spricht sie über den harten Kampf gegen Altersdiskriminierung in der Branche und gesteht, dass sie ihren großen Traum kurz vor dem Durchbruch fast aufgegeben hätte.

Gabrielle Scharnitzky
Gabrielle Scharnitzky führte ein erfolgreiches Leben als Reisekauffrau. Doch mit 30 warf sie alles über Bord, um Schauspielerin zu werden.© Getty Images

Gabrielle Scharnitzky im Interview: "Ich war kurz davor, aufzugeben"

Nicht jede Oma ist grauhaarig und von gestern! Gabrielle Scharnitzky (69) bricht in "In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte" mit dem vertrauten Bild der älteren Frau. Seit Jahrzehnten geht die Schauspielerin ihren eigenen Weg, auch wenn es dafür oft Geduld und einen langen Atem brauchte.  

War das Angebot einer Oma-Rolle ein Schock für Sie? 

Nein (lacht), ich habe mich gefreut, weil ich keine Oma bin. 

Sie spielen die Oma ohne Klischees. Ist Ihnen das wichtig? 

Ja, sehr. Ich werde bald 70 und entspreche selbst nicht dem Bild einer 70-Jährigen. Zum einen, weil ich genetisch Glück habe, aber auch weil ich nie verstanden habe, wieso eine Zahl mein Sein bestimmen soll. Umso mehr freut es mich, wenn ich Figuren verkörpern darf, die nicht unbedingt dem herkömmlichen Raster einer "älteren Frau" entsprechen. 

Es gibt nicht viele gute Rollen für ältere Frauen. Wie hat das Ihren Weg begleitet? 

Die Altersdiskriminierung ist Teil meines Werdegangs. Ich fing erst mit 30 an mit dem Schauspiel. Damals hieß es bei der staatlichen Agentur "Sie sind zu alt, Sie brauchen gar nicht vorsprechen". Dabei sah ich aus wie ein Küken. Ich wusste, ich muss mich davon unabhängig machen, meinen ganz eignen Weg finden und ging für meine Ausbildung nach New York. Da wurde ich gesehen, unterstützt und gefördert. Zurück in Deutschland hatte ich dann ein bis zwei Drehtage pro Jahr. Eine harte Zeit. 

In der sogar eine Kino-Hauptrolle unbeachtet blieb.

In dem Moment spürte ich, jetzt kann ich nicht mehr. Was muss ich tun, um in Deutschland gesehen oder überhaupt anerkannt zu werden? Auch ein internationaler Film reicht da nicht. Das war ein Wendepunkt. Zum ersten Mal war ich bereit, meinen Traum, als Schauspielerin zu leben, aufzugeben.

Mit 48 kam Ihr Durchbruch und Sie spielen starke Frauen. Braucht es mehr davon im TV? 

Absolut. Wenn man aufmerksam ältere Frauen auf der Straße betrachtet: Was gibt es da für tolle Frauen zwischen 60 bis 100?! So viele Dekaden älterer Frauen, die unglaublich spannend sind, werden nicht erzählt. Ich wohne in Charlottenburg, kenne viele starke Frauen, die längst die 70 überschritten haben und immer noch sehr spannende Leben führen. Solche Frauen sieht man im Fernsehen noch nicht. Dafür kämpfe ich.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe von VIEL SPASS. Weitere spannende Star-News liest du in der aktuellen VIEL SPASS – Jeden Mittwoch neu am Kiosk.