Ingrid van Bergen (†): Tödliche Liebe! Einst erschoss sie ihren jungen Liebhaber

Im November verstarb die Schauspiel-Legende Ingrid van Bergen im Alter von 94 Jahren. Doch ihr bewegtes Leben war nicht nur von glanzvollen Filmrollen geprägt, sondern auch von einer dunklen Tat, die Deutschland erschütterte. Im Februar 1977 erschoss sie aus Eifersucht ihren Geliebten Klaus Knaths in ihrer Villa am Starnberger See.

Ingrid van Bergen (†94): 1977 erschoss sie ihren Liebhaber

Es ist der 20. Juli 1977: Um neun Uhr betritt Ingrid van Bergen (†94) durch einen Seiteneingang den Münchener Justizpalast. In den 1950er- und -60er-Jahren avancierte sie zum internationalen Filmstar, feierte in "Rosen für den Staatsanwalt" ihren großen Durchbruch. Jetzt spielt sie die Hauptrolle in ihrem ganz eigenen Justizdrama. Fünf Monate zuvor, in der Nacht auf 3. Februar, erschießt die Schauspielerin ihren zwölf Jahre jüngeren Geliebten. Klaus Knaths (†33) lernt sie auf einem Gestüt kennen und obwohl der Finanzmakler verheiratet ist, verfällt sie ihm sofort. "Er war eben anders als die anderen. Er war ein Lebemann und schon sehr faszinierend. Andere Frauen hätten sicher ihre Finger von ihm gelassen, aber ich war da ganz blauäugig", erklärt sie später in einem Interview. 

Handlung im Affekt?

Der Vater zweier Kinder zieht zu ihr in die Villa am Starnberger See. Doch schnell wird die Romanze für die damals 45-Jährige zum Albtraum: Klaus verprasst ihr Geld, kommt und geht, wann er will, ist nicht treu. "Ich liebte ihn, ich war blind", so die gebürtige Danzigerin. Am Tattag sind die beiden zusammen Mittagessen, planen, den Abend miteinander zu verbringen: "Da war alles total harmonisch. Er sagte, fahr du nach Hause und ich komme nach. Wir wollten abends die Sauna und den Kamin anmachen." Doch sie wartet vergeblich auf Klaus, trinkt viel Rotwein und nimmt auch noch starke Beruhigungsmittel. In seiner Verzweiflung ruft der Filmstar in Bars und Restaurants an, in denen sich Klaus oft aufhält. Sogar bei anderen Frauen fragt sie nach ihm. Ihr Liebhaber aber ist nicht auffindbar. In ihrer Wut verbrennt Ingrid gemeinsame Fotos im Kamin, steigt von Wein auf Gin um und schreibt einen Brief an ihre beiden Töchter, die im Erdgeschoss des Hauses schlafen. Endlich, gegen ein Uhr nachts, kommt Klaus nach Hause: Er wolle seine Koffer packen und sie verlassen. 

Ingrid tobt vor Wut und das Unglück nimmt seinen Lauf! "In unserem Schlafzimmer lag ein Revolver – seiner – irgendwo auf einer Ablage und in der Nacht habe ich mir die Waffe geholt", rekonstruiert sie die Tatnacht. Dreimal schießt die Blondine: ein Schuss geht zum Fenster hinaus, ein anderer trifft ihn in den Bauch, der dritte in den Oberkörper. Unter Schock ruft er seine Mutter Hildegard an, schreit ins Telefon, dass Ingrid auf ihn schieße. Er will fliehen, bricht schließlich im Vorgarten zusammen. Daran will sich Ingrid van Bergen nicht mehr erinnern, ihr Rausch übermannt sie. Sie sagt: "Ich dachte, jetzt ist er verschwunden, da ging ich die Treppe runter – und da lag er vor dem Haus." 

7 Jahre Haft für  Ingrid van Bergen

Der Prozess gegen sie wird zu einem der größten Medienereignisse der 1970er-Jahre in Deutschland. Ingrid van Bergen engagiert den Promi-Anwalt Rolf Bossi (†92), der sie vor Gericht vertreten soll. Der argumentiert, dass seine Mandantin im Affekt gehandelt habe, dass sie emotional stark belastet und alkoholisiert war. Seine Strategie geht auf: Ingrid van Bergen wird wegen Totschlags zu sieben Jahren Haft verurteilt. Später resümiert sie: "Im Grunde war alles zu Ende. Für mich sowieso. Ich wusste, mein Beruf ist erst mal weg. Meine Kinder sind alleine. Die Kinder von ihm hatten plötzlich keinen Vater mehr. Also, es hat mein Leben furchtbar beeinflusst." Und selbst im Gefängnis verfolgt sie ihre Geschichte und Klaus' Untreue: "Die Nutten im Knast sagt mir, dass sie mein Schlafzimmer gut kennen." 

Am 2. Oktober 1981 kommt sie nach knapp fünf Jahren hinter Gittern vorzeitig frei. Schnell nimmt ihre Karriere wieder Fahrt auf. Sie steht auf der Theaterbühne, ist im Fernsehen zu sehen und gewinnt 2009 das Dschungelcamp. Aber kein Erfolg der Welt konnte je ihre Schuldgefühle auslöschen. Sie würde die Bluttat gerne aus ihrem Leben streichen, sagt sie später mal. Bis zu ihrem Tod wird Ingrid van Bergen von Albträumen und Gewissensbissen geplagt, kann kaum schlafen, ist auch am Tag ständig innerlich unruhig. Dennoch sei Verdrängen für sie nie eine Option gewesen. "Ich wüsste nicht, wie ich so eine Erinnerung löschen sollte", erklärt sie 2021. Es scheint, als habe sie ihre wahre Strafe erst mit ihrem Tod am 28. November 2025 abgesessen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Printausgabe von IN.Weitere spannende Star-News liest du in der aktuellen IN – Jeden zweiten Mittwoch neu am Kiosk.