Hannah Herzsprung & Daniel Brühl im OK!-Gespräch

'Lügen sind erlaubt'

Muss man immer ehrlich sein? Die beiden Shootingstars des deutschen Kinos, Hannah Herzsprung, und Daniel Brühl verraten uns, wann es in Ordnung ist, NICHT die Wahrheit zu sagen. Denn genau darum geht es in ihrem neuen Film "Lila, lila".

Es ist jetzt sieben Jahre her, seit er den Roman "Lila, Lila" von Martin Suter entdeckt hat. "Schon damals dachte ich, dass das ein guter Film für mich wäre, dass ich diesen Typen wirklich gern spielen würde", gesteht Daniel Brühl, 31. Dieser Typ, damit meint er Suters Helden David Kern, der sich als Autor einer Liebesgeschichte ausgibt, die er nicht selbst geschrieben hat, um das Herz der Literaturstudentin Marie, gespielt von Hannah Herzsprung, 28, zu erobern. Und tatsächlich werden die beiden ein Paar, doch das Lügen­gerüst gerät ins Wanken und eine turbulente Beziehungskomödie nimmt ihren Lauf …

Ihre Liebe in „Lila, Lila“ basiert auf einer Riesenschwindelei. Kämen Sie mit so einer Lüge klar?
Daniel Brühl: Ich bin ein leidenschaftlicher Lügner. Wenn eine Flunkerei nicht aus einem nega­tiven Beweggrund heraus geschieht oder dazu benutzt wird, um Menschen bewusst zu schaden, würde ich ganz oft Lügner verteidigen. Ich muss mich schließlich auch oft selbst verteidigen.
Hannah Herzsprung: Außerdem erkennt Marie am Ende der Geschichte, was David alles für sie getan hat. Dann wird seine Lüge einfach unglaublich schmeichelhaft. Wenn jemand so weit geht, um eine Frau zu erobern, ist das doch großartig!

Der Zweck heiligt also die Mittel?
Hannah:
Wenn die Lüge niemandem schadet und keine negativen Nebenwirkungen hervorruft, warum nicht? Mit Lügen möchte man doch oft etwas erreichen oder etwas Gutes damit bewirken. Aber eines muss einem immer bewusst sein: Irgendwie kommt immer alles raus.

Lügen haben kurze Beine...
Daniel: Ich habe da andere Erfahrungen gemacht.
Hannah: Ich glaube, dass Lügen mit Vertrauen zu tun haben. Klingt das jetzt absurd? Ein Beispiel: Ich habe bei einem Casting einmal gelogen und behauptet, ich könne Klavier spielen, obwohl ich es gar nicht konnte. Aber ich wollte diese Rolle unbedingt spielen! Und ich weiß ganz genau: Wenn ich mir das selbst nicht zugetraut hätte, das innerhalb kurzer Zeit zu lernen, hätte ich nicht gelogen.
Daniel: Und du hättest die Rolle wahrscheinlich nie bekommen.
Hannah: Es gibt Momente, in denen man einfach nicht die Wahrheit sagen kann und möchte.
Daniel: Mal ehrlich, ein Leben ohne Lügen wäre doch langweilig.

Haben Sie sich schon mal in eine Lüge verstrickt?
Daniel: Sicher, häufig. Wobei, ehrlich gesagt: Einen ­Ausweg gibt meistens doch noch. Nur die lustigsten, wirklich komplizierten Lügen fliegen ­irgendwann auf.

Bleibt nicht bei jeder Lüge ein fader Beigeschmack?
Daniel: Das finde ich nicht. Aber ich bin wahrscheinlich der begeistertste Lügner der ganzen Welt.
Hannah: Geht es beim ­Lügen nicht auch darum, Geschichten zu erzählen?
Daniel: Es hält einen wach. Geschichten zu erfinden, ist ein kreativer Prozess. Der berühmte ­Filmemacher Fe­derico Fellini hat das auch gesagt: Wenn er seine eigenen Anekdoten zum dritten Mal erzählt hat, haben sie ihn irgendwann zu Tode gelangweilt. Also hat er sie in jeder Runde immer wieder neu erfunden. Das hat es für ihn spannender gemacht und automatisch auch die Zuhörer angesteckt.

Was war die tollste Lüge, die Sie einer Frau jemals aufgetischt haben, um bei ihr besser anzukommen?  
Daniel: Vielleicht nicht direkt, um bei einer Frau zu landen, aber als Jugendlicher habe ich meine erste Freundin erfunden, um mich interessant zu machen …

Von der erfundenen Frau habe ich schon gelesen!
Hannah: Irgendwann kommt eben alles raus! Die erfundene Freundin hat geplaudert... (lacht)

Apropos: Während der Dreharbeiten gab es Getuschel, Sie wären ein Paar. Ist da was dran?
Hannah: Wir haben uns das aufgrund der Presse­berichte zu „Lila, Lila“ mal überlegt. (lacht) Aber für eine PR-Geschichte kamen die Gerüchte zu früh.
Daniel: Schlechtes Timing …

Vor den Dreharbeiten kannten Sie sich gar nicht. Dabei leben Sie beide in Berlin, sind ein Alter...
Hannah: Moment mal, Daniel geht schon auf Ü30-Partys. (kichert)
Daniel: Wir sind uns wirklich nie vorher begegnet. Aber manchmal entstehen besondere Energien und Verbindungen zwischen Schauspielern. Das finde ich faszinierend. Wenn man mit einem Blick alles bekommt, was man für die Szene braucht, ist das das Tollste, was man beim Spielen erleben kann.

Wie in der Szene, in der Marie auf Davids ­Anmache äußerst schlagfertig reagiert …
Hannah: Ich hätte da ganz anders reagiert. Ich würde einem Mann zuhören und ihm meine ganze Aufmerksamkeit schenken.
Daniel: Wir sind beide sehr höflich.

Werden Sie um Ihrer selbst Willen angesprochen oder weil Sie bekannt sind?
Daniel: Das rauszufinden ist ja immer so eine Sache. Zum Glück sind die meisten Leute nicht so gute Lügner wie man selbst oder können sich nicht so gut ­verstellen. Wenn du zwei, drei ­geschickte Fragen stellst, bekommst du ziemlich schnell raus, woran die eigentlich interessiert sind.

Verraten Sie uns welche?
Daniel: Nein, das wäre ja saublöd.

Kati Degenhardt