Sportsüchtige Stars: Wenn Fitness krank macht

Nur Sport im Kopf

Sie werden für ihre Disziplin gelobt, um ihre Muskelpakete beneidet. Sportliche
Stars sind ideale Vorbilder – ein Trugschluss, wenn man sich das krankhafte Fitnessprogramm von Matthew McConaughey, Mel B und Madonna anschaut &hellip

Er hat ein Problem. Matthew Mc­Conaughey sieht zu gut aus. Der Schauspieler ist durchtrainiert bis in die Zehenspitzen. Ein Muskelprotz, ausgezeichnet mit dem Titel des „Sexiest Man Alive“. Doch mit diesem – hart erarbeiteten – Traumkörper kann er seine jüngste Rolle in „The Grackle“ vergessen. Darin mimt Matt einen übergewichtigen Anwalt. Und weil der Regisseur einen Fatsuit unglaubwürdig findet, muss sein sehniger Star jetzt zunehmen: zehn Kilo mindestens.

Zunächst schien er sich auf die Kalorienorgien­ zu freuen: „Jetzt darf ich ohne Ende Cheeseburger essen!“ Doch um wirklich dicker zu werden, müsste Matthew auf sein exzessives Fitnessprogramm verzichten. Undenkbar für den Sportfreak! „Rumzusitzen macht keinen Spaß“, sagt der 39-Jährige über seinen Bewegungsdrang. „Training ist mein Leben. Zu laufen, bis man vor Erschöpfung nicht mehr über Vergangenheit und Zukunft grübeln kann.“ Profi-Sportler nennen diesen Zustand, der sie vorübergehend alle Sorgen vergessen lässt „Runners High“ – ausgelöst durch Glückshormone, die bei intensiver Anstrengung verstärkt ausgeschüttet werden. Die dadurch ausgelöste Euphorie kann psychisch abhängig machen.

Wie bei Renée Zellweger, 40. „Ohne Sport werde ich verrückt!“, gesteht die Schauspielerin. Fünf Kilometer legt sie täglich auf dem Laufband zurück, dabei plagt sie seit Jahren ein Fersensporn. „Renée lässt sich nicht behandeln, weil sie dann für einige Wochen pausieren müsste“, weiß ein Freund. Lieber erträgt sie Schmerzen als die Angst vor einem schlaffen Körper. Was die meisten als Spinnerei abtun, ist ein neues medizinisches Phänomen: Sportsucht! Betroffene leiden unter dem Zwang, sich sportlich betätigen zu müssen – ohne jedoch Wettkampf-Ambitionen zu haben. Sportpsychologe Lars Hilgers warnt: „Problematisch wird’s, wenn Fitnessprogramme das soziale Leben einschränken, man heimlich oder trotz Krankheit trainiert.“

Auch Mel B ignoriert die Alarmsignale. „Ich hatte neulich so extremen Muskelkater, dass mich mein Mann ins Bett tragen ­musste“, lacht sie. Doch von Regeneration will das ­Spice Girl nichts wissen. Am nächsten Tag ­folterte sie ihren Body wieder mit stundenlangem Workout, schließlich ist ein Sixpack die beste Werbung für ihre neue Sport-DVD „Totally Fit“. Darin verspricht Mel: „Nie mehr schwabbelige Haut! Ich verrate meine Tricks.“ Und die scheinen zu funktionieren: Fünf Kilogramm hat die Britin im letzten Jahr zugenommen – an Muskelmasse! Motiviert wurde sie dabei von ihrer Burlesque-Show in Las Vegas (bei der sie sich allabendlich in sexy Dessous präsentiert) und ihrem Vertrag mit „Ultimo“. Eine Sprecherin des Unterwäschelabels schwärmt: „Mel ist die perfekte Markenbotschafterin. Seitdem sie für uns Werbung macht, ist der Umsatz rasant gestiegen!“ Ein Lob, dass die 34-Jährige darin bestärkt, ihr extremes Training fortzusetzen.

„Die Krankheit bleibt meist unerkannt, weil die Grenze zwischen gesellschaftlich akzeptiertem Sporttreiben und einem Suchtproblem fließend ist“, erläutert Lars Hilgers. Wie bei allen Süchten glauben die Betroffenen, ihren Zwang im Griff zu haben. Auch Madonna, 50, spricht lieber von einem „Lifestyle“ als von einem Problem. Dabei ist ihr Fitnesswahn mehr als besorgniserregend. „Morgens eine Stunde Yoga und Pilates, abends eine Stunde Lauftraining“, zählt ein Insider ihr Pensum auf. Dabei sagen Experten, dass es vollkommen ausreicht, sich drei Mal wöchentlich eine Stunde lang schweißtreibend zu bewegen. Doch bei Sportsucht greift der Gesundheits­aspekt nicht mehr. Hilgers: „Sie ist eine Flucht – zum Beispiel vor Stress oder Überforderung.“

Madonna könnte eine Selbsthilfegruppe mit Sarah Jessica Parker, 44, Brooke Shields, 44, und Jessica Biel, 27, gründen. Alle drei haben sich qualvoll einen Bizeps wie ein Bodybuilder antrainiert. „Ich war früher Tänzerin“, erklärt Sarah ihre Muskelberge. Kollegin Jessica will uns sogar weismachen: „Ich bin am liebsten faul!“ Dabei schießen Paparazzi sie täglich auf der Rennstrecke ab. Dumm gelaufen – im wahrsten Sinne …

Maren Gäbel