Bela B ganz privat

Der Drummer der Ärzte im Interview

Lässig und gut gelaunt wartet er in einem Café im Hamburger Schanzenviertel. Bela B, 46, bekannt als Drummer und Sänger der Ärzte, zog vor zwölf Jahren von seiner Heimatstadt Berlin hierher. Normalerweise gibt er People-Magazine

Sie sind ja ein richtiger Romantiker – wenn man mal den Titel Ihrer neuen Single nimmt: „Altes Arschloch Liebe“ …
(lacht) Ja, das hat durchaus was Romantisches, oder? Rein textlich gesehen kann sich da doch jeder wiederfinden! Die Frage ist: Was würdest du der Liebe sagen, wenn du dich auf einer Party neben sie setzen würdest? Der Song ist ein Beispiel für Unzufriedenheit, Melancholie und Unglück. Ich singe von einer Situation, in der ich mich gerade nicht befinde, aber ich habe ja auch so meine Liebeserfahrungen gemacht …

Können Sie Lovesongs besser schreiben, wenn Sie – wie jetzt – in einer glücklichen Partnerschaft sind oder wenn Sie unglücklich verliebt sind?
Die allerschönsten Country-Balladen sind natürlich die vom verlassenen Cowboy mit dem Whiskeyglas im Saloon, aber am schönsten und ergreifendsten hat Johnny Cash gesungen – und der war ja in einer glücklichen Beziehung.

Na, und Sie selbst?
Ich habe tolle Lieder aus Liebeskummer geschrieben, die strotzten nur so von ganz schlimmem Pathos, aber ich weiß nicht, ob es nicht übel für den Zuhörer ist, Zeuge von so viel Selbstmitleid zu werden. (lacht) Ich glaube, dass man das mit Abstand besser beschreiben kann, als wenn man gefühlsmäßig noch zu sehr drinhängt.

Wie wichtig sind Soloprojekte, damit es bei den Ärzten keinen Band-Koller gibt?
Wir würden unsere Krisen nie nach außen tragen. Aber unsere Soloausflüge sind absolut befruchtend für die Band, weil wir dadurch eine neue Leichtigkeit gefunden haben und so den Druck rausnehmen. Ich für mich kann schon sagen, dass ich tragischerweise mal die Leidenschaft für die Musik verloren habe.

Klingt ja heftig – wann und wieso?
Als wir unser eigenes Label gründeten, war ich mehr Geschäftsmann als Musiker: Ich war mehr damit beschäftigt, eine Platte zu verkaufen und zu vermarkten, als kreativ zu sein. Wir wollten nichts falsch machen, haben nur noch gearbeitet. Irgendwann fehlte mir der Elan. Mein erstes Soloalbum „Bingo“ und die Zusammenarbeit mit Freunden wurden zum Befreiungsschlag von Bela B – das hat mich wieder auf alles Essenzielle zurückgeführt: dass Musik mein Leben ist!

Was hat das innerhalb der Band bewirkt?
Es herrscht jetzt innerhalb der Ärzte so ein wahnsinnig fast schon unsympathisch harmonisches Verhältnis. (lacht) So war es vielleicht ganz zu Anfang, als man noch mit großen Augen die weite Welt betrachtet und die ersten Erfolge zusammen gefeiert hat.

Hört sich rundum glücklich an!
Ja, ich bin gerade echt glücklich. Teile von mir sind schon angekommen, aber eben nur Teile. Ich bin auf jeden Fall auf der Suche nach Glück und Zufriedenheit – denn darum geht es im Leben. Wenn Glück da ist, dann muss man es auch annehmen und das Hier und Jetzt genießen. Aber ich bin auch rastlos, das ist ein Wesenszug von mir, der mich antreibt, Dinge auszuprobieren.

Und wie hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie vor einem Jahr Vater eines Jungen geworden sind?
Dinge verlaufen geplanter. (lacht) Ich hab das irgendwie noch nicht ganz reflektiert, das ging mir mit dem Erfolg der Ärzte anfangs aber auch so. Bei mir dauert’s wohl immer ein bisschen …

Wie haben die anderen Ärzte, Farin Urlaub und Rod Rodriguez, auf die Babynews reagiert?
Die haben sich gefreut. Es war mir irgendwann ein Bedürfnis, sie zu mir nach Hause einzuladen – ich war sehr aufgeregt, weil es Unter uns nie ein Thema war, dass wir Kinder wollen. Ich hab das jetzt hinter mir – und jetzt warte ich auf die anderen beiden. (lacht)

Früher waren die Ärzte bekannt für exzessive Partys. Eigentlich ein Wunder, dass Sie heute noch so frisch aussehen!
Ich lebe deutlich gesünder als noch vor 15 Jahren. Gewisse Exzesse habe ich einfach erlebt, das ist dann auch langweilig. Ich kann durchaus noch mal durchmachen, aber – da werden jetzt sicher viele nicken – mit 46 laborierst du an einer durchzechten Nacht länger als mit 20!

Fällt Ihnen da eine besondere Party ein?
Oh ja! Nach einem Konzert im Klubheim des FC St. Pauli haben wir ein Sperrmüll-Sofa auf die Reeperbahn getragen, sind von Kneipe zu Kneipe gezogen, inklusive spontanem Sex. Im Morgengrauen bin ich erst nach Hause – und abends hab ich mich dann beim Konzert von Dieter Thomas Kuhn im Stadtpark tanzend mit einer blonden Polin wiedergefunden. (lacht)

Ilka Peemöller