Lily Allen: "Deine Enkel werden sich für dich entschuldigen wie die Deutschen für die Nazis"

Nach Tränen im Flüchtlingscamp Calais: So schlagfertig hält die Sängerin dem Shitstorm stand

Konfrontiert mit dem Schicksal eines 13-jährigen afghanischen Jungen bricht Lily Allen in Tränen aus.  Die 31-Jährige besuchte für einen BBC-Beitrag das Flüchtlingscamp in Calais.  Schlagfertig reagierte die Sängerin auf den Gegenwind vieler User auf Twitter.

Großbritannien hat sich während der Flüchtlingskrise bislang nicht mit Ruhm bekleckert: Das Königreich hat erst rund 8000 Schutzsuchende aufgenommen (nach Deutschland kamen im Vergleich dazu über eine Million) - und seit dem Brexit wird unterschwelliger Fremdenhass mitunter offen zur Schau gestellt. Ein untragbarer Zustand für Lily Allen, 31, die sich unter Tränen beim Besuch im Flüchtlingslager von Calais im Namen ihres Landes bei einem Flüchtling entschuldigte - und anschließend auf Twitter deutliche Worte fand.

Lily Allen besucht Flüchtlingscamp in Calais

Aber der Reihe nach: Begleitet von BBC-Kameras hatte Allen eine provisorische Flüchtlingszeltstadt in der französischen Grenzstadt Calais besucht. Hier kommen vor allem Einwanderer unter, die ohne Einreiseerlaubnis auf dem Landweg nach Großbritannien einreisen möchten. Oft versuchen sie die Grenze zu passieren, indem sie sich beispielsweise auf oder unter LKW verstecken - und begeben sich so in Lebensgefahr. Viele dieser Reisenden halten sich wochen- oder monatelang in Calais auf und versuchen jede Nacht aufs Neue den Ärmelkanal zu überqueren. Unterkunft finden sie in leerstehenden Häusern oder im sogenannten Dschungel von Calais, im Unterholz errichteten Hüttendörfern aus Planen und Paletten. Laut BBC-Recherchen leben in der Zeltstadt derzeit etwa 600 bis 1000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Konfrontiert mit der Lebensgeschichte eines 13-Jährigen, reagierte Allen sehr emotional. Der afghanische Junge hatte der Sängerin erzählt, er sei in seiner Heimat vor den Taliban geflohen und versuche nun, über den Ärmelkanal hinweg ins englische Birmingham zu seinem Vater zu gelangen - was allerdings gefährlich sei. Während des Gesprächs brach die "Fuck You"-Sängerin in Tränen aus und sagte die Worte, die nun in ihrer Heimat sowohl für Zustimmung als auch für eine Welle des Hasses sorgen. 

 

Lilly Allen: "Ich entschuldige mich im Namen meines Landes für das, was wir dir angetan haben"

Es sieht so aus, als hätten an drei verschiedenen Momenten im Leben dieses Jungen die Briten sein Leben in Gefahr gebracht. Wir haben dein Land bombardiert, dich in den Händen der Taliban zurückgelassen und bringen dich jetzt dazu, dein Leben zu riskieren, um in unser Land zu gelangen. Ich entschuldige mich im Namen meines Landes für das, was wir dir angetan haben.

In einer anderen Passage des Beitrags erklärt die 31-Jährige, sie sei selbst Mutter von zwei kleinen Töchtern: „Wenn in diesem Land etwas passiert, wir vertrieben werden und sie allein flüchten müssten, hoffe ich, dass andere Gegenden der Welt etwas hilfsbereiter agieren.“ 

Die Aussagen Allens polarisieren in der Boulevardpresse, wo Lily heute auf zahlreichen Titelseiten Erwähnung findet - und auf die Sängerin hagelt ein Shitstorm ein.

Lily Allen veröffentlicht Shitstorm via Twitter

Doch sie entschied sich dazu, die User-Kommentare via Twitter im Minutentakt zu veröffentlichen - und darauf scharfzüngig zu reagieren. Hier einige Beispiele: 

 

 

User: "Lilly Allen wird ihre Meinung ändern, wenn ihre Kinder vergewaltigt werden, stimmt's?"
Allen: "Du bist widerlich"

 

"Deine Enkel werden sich für dich und deinen Hass entschuldigen"

User: "Wie zur Hölle kommt sie darauf, sich für Großbritannien zu entschuldigen? Nicht in meinem Namen, du Idiot!"
Allen: "Deine Enkelkinder werden sich für dich und deinen Hass in einigen Jahren entschuldigen. So wie die Deutschen es für die Nazis machen."

Auch die Presse kriegt dabei ihr Fett weg:

 

 

Immerhin eins hat die Sängerin bereits geschafft, wie sie selbst betont: "Ich bin nach Calais gekommen, um für das Problem zu sensibilisieren - Job erledigt". Dazu postet sie die heutigen Zeitungen, die heute auf der Titelseite über sie berichten:

 

 

Seht hier Lily Allens Tränenausbruch im Video: