Kindermörder von Herne: So schwer fällt es seinem Anwalt, Marcel H. zu verteidigen

Michael Emde übernahm das Mandat als Pflichtverteidiger

Der Doppelmord von Herne hielt die Bundesrepublik tagelang in Atem: Am 6. März erstach Marcel H., 19, den 9-jährigen Jaden auf brutale Art und Weise mit 52 Messerstichen - und tötete wenig später seinen Freund Christopher, 22. Jetzt sprach sein Anwalt über den 19-Jährigen.

Ein Mordfall, der Deutschland tageland in Atem hielt und die Bundesrepublik in Fassungslosigkeit versetzte. Im März tötete Marcel H. seinen Nachbarsjungen Jaden (†9) - aus reiner "Heimtücke und Mordlust" wie die Polizei verlauten ließ. Einen Tag später erstach er seinen Bekannten Christopher W. Am Freitag beginnt vor dem Landgericht Bochum der Prozess gegen den „Kindermörder von Herne".

Doch auch wenn viele den 19-Jährigen so schnell wie möglich hinter Gittern sehen wollen, hat auch er das Recht auf eine Verteidigung und einen Anwalt. Im Fall von Marcel H. ist das Michael Emde, Fachanwalt für Strafrecht. Emde entschied sich dafür, das Mandat zu übernehmen. Er ist seitdem Marcels Pflichtverteidiger. Doch die Entscheidung fiel dem Familienvater alles andere als leicht!

Schwere Entscheidung: Michael Emde übernahm die Verteidigung

Das war eine relativ schwere Entscheidung für mich, den Fall überhaupt anzunehmen", gab der Anwalt im Interview mit  "DerWesten" zu. Auch die mediale Präsenz des Falls wog in seiner Entscheidungsfindung schwer. Denn nicht nur in Deutschland beschäftigte der Doppelmord von Herne viele Menschen, auch über die Landesgrenzen hinaus - internationale Medien berichteten darüber. Deshalb habe Emde sich mit seiner Entscheidung schwergetan: „Man kann sich nicht sicher sein, inwieweit so etwas auf die Familie durchschlägt.

Familie. Das ist der Punkt, der Emde am meisten daran zweifeln ließ, ob er das Mandat übernehmen solle, oder nicht: „Ich bin selbst Vater und wenn ein Kind getötet wurde, beschäftigt einen das schon sehr."

Nun steht Marcel H. vor Gericht. Die Anklage: zweifacher Mord, Raub mit Todesfolge und schwere Brandstiftung. Und an seiner Seite, sein Verteidiger Michael Emde. Er entschied sich nämlich dafür, den Herne-Mörder zu verteidigen. Der Grund?

Jeder hat in einem Rechtsstaat das Recht auf eine Verteidigung vor Gericht. Und man wird nun mal nicht Strafverteidiger, um so einen Fall abzulehnen,

so Emde. Selbst, wenn das heißt, den Kindermörder von Herne zu verteidigen.