Lehrerin packt aus: "Ich hasse meinen Job!"

Die Kriminalitätsrate an deutschen Schulen steigt immer weiter an

Frust, Mobbing und Gewalt: Viele Lehrer wissen nicht, wie sie mit gewaltätigen Schülern umgehen sollen. Selbst die eigenen Eltern sind überfragt. Louisa S., 30, erzählt vom schwierigen Alltag an deutschen Schulen.

Louisa S.: „Manchmal hasse ich meinen Job!"

Als ich mich vor acht Jahren für das Studium aufs Lehramt einschrieb, war mir absolut nicht klar, was mich wirklich erwarten würde,

stellt Louisa S., 30, heute ernüchtert fest. Die Lehrerin gibt zu: „Manchmal hasse ich meinen Job!“ Grund dafür sind vor allem unmotivierte und immer häufiger gewaltbereite Schüler, aber auch die lethargischen Eltern, die die Verantwortung scheinbar nur zu gern wegschieben. Die Erwartungshaltung an Louisa und ihre Kollegen steigt immer mehr - genauso wie der Wunsch, manchmal alles hinzuschmeißen.

Die Eltern sind hilflos

„Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, kommt mir sofort in den Sinn, wie meine Eltern stets darauf achteten, dass ich auch ja meine Hausaufgaben erledigt hatte, bevor es ins Bett ging“, erklärt die Pädagogin. Heutzutage sieht das ihrer Meinung nach in vielen Familien leider ganz anders aus:

Mütter sagen mir: ‚Machen Sie, was Sie wollen. Mein Mann und ich wissen auch nicht mehr weiter mit unserem Kind.‘

Keine leichte Aufgabe …

Der Nachwuchs verwandelt sich in vielen Teilen der Bundesrepublik offenbar immer mehr in einen gewaltbereiten Mob.

Erst vor Kurzem stand mir ein Schüler plötzlich mit einem Messer gegenüber und bedrohte mich,

berichtet Louisa S. „Das war schon ein traumatisches Erlebnis. Ich konnte wochenlang nicht schlafen." Leider kein Einzelfall: Wie die polizeiliche Kriminalstatistik Nordrhein-Westfalens zeigt, hat die Zahl der Straftaten wie Körperverletzung an Schulen seit 2015 stetig zugenommen. Die Situation in anderen Bundesländern ist ähnlich - und brandgefährlich. Auch für die Lehrkräfte. Viele schauen deshalb weg, wenn es Ärger gibt. „Streitereien auf dem Schulhof versuche ich zu meiden“, gesteht Louisa S. verlegen.

Ich traue mich nicht, sie zu schlichten. Mit meiner kleinen, zierlichen Statur sind mir die Jugendlichen häufig überlegen. Und Respekt vor den Lehrern haben viele Schüler ohnehin nicht.

Sie ist mit ihrer Angst nicht allein. Viele Schulen in sozialen Brennpunkten setzen deshalb bereits auf Überwachung durch die Polizei oder den Einsatz privater Sicherheitsfirmen. „Das ist ein Baustein bei der Gewaltprävention“, erklärte Doris Unzeitig, Direktorin der Berliner Spreewald-Grundschule.

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Judenhass und antisemitisches Mobbing

Eine weitere Entwicklung macht den Verantwortlichen große Sorgen: durch Judenhass motiviertes Mobbing! Für viele Politiker ein Alarmsignal, auf das man sofort und rigoros reagieren muss.

Bei antisemitischem Mobbing sollten harte Strafen direkt auf dem Fuß folgen,

stellte der CDU-Abgeordnete Johannes Steiniger erst kürzlich in einem Interview klar. Auch Außenminister Heiko Maas (SPD) zeigt sich empört über diese Entwicklung: „Wenn ein Kind antisemitisch bedroht wird, ist das beschämend und unerträglich. Jeder Form von Antisemitismus müssen wir uns entschieden entgegenstellen.“

Louisa S. versucht, eine Erklärung zu finden:

Die Kinder sind frustriert. Sie fühlen sich häufig mit ihren Nöten und Ängsten alleingelassen. Deshalb lassen sie all ihren Frust und die angestaute Energie in der Schule raus.

Mitschüler und Lehrer sind dann häufig das Ziel dieser Aggressionen. Trotzdem möchte die 30-Jährige nicht aufgeben. Stattdessen versucht sie, das Beste aus ihrem Alltag zu machen: „Heute weiß ich, dass ich nicht nur Englisch- und Biologielehrerin bin, sondern auch Psychologin, Krankenschwester und Streitschlichterin."

 

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