Verbraucherzentrale warnt vor "Veluvia": Ist der "Höhle der Löwen"-Hype völlig überflüssig?

Vernichtendes Urteil der Verbraucherschützer: "Die Mikromengen sind ein Hohn angesichts des Werbespruchs"

Wie gesund sind die Kapseln wirklich? Jörn-Marc Vogler mit seinem Nahrungsergänzungsmittel „Veluvia“ Auch die Vox-Show kriegt sein Fett bei den Verbraucherschützern weg: Die

Mächtiger Gegenwind für die "Veluvia"-Macher und die "Höhle der Löwen"-Investoren: Die gefeierten Nahrungsergänzungsmittel-Kapseln, die bereits einen Verkaufs-Hype auslösten, wurden von der Verbraucherzentrale jetzt als "nutzlos" abgestraft. Das vernichtende Urteil: "Die Mikromengen sind ein Hohn angesichts des Werbespruchs." Warum die Präparate durchfielen - und was "Veluvia" selbst dazu sagt. 

Die "Höhle der Löwen": 300.000 Euro für Wundermittel "Veluvia"

Sie heißen "Shape", "Beauty", "Detox", "Immun" oder "Green" - und sollen den Konsumenten laut Hersteller "in allen Lebenslagen" helfen. Mit knapp 40 Euro pro Packung ist der Preis für die Nahrungsergänzungsmittel dabei ganz schön happig, doch noch während der Sendung rissen die Verbraucher der Firma die Kapseln quasi aus den Händen. "Innerhalb von zwölf Stunden haben wir soviel verkauft wie in zwölf Monaten! Waren im Wert von weit mehr als einer halben Millionen Euro", jubelte die Geschäftsführerin später.

Auch wir dachten, dass es sich lohnen muss, in Gesundheit und Schönheit zu investieren - und wer will nicht relaxt oder in shape sein? Eben. Auch die erfahrenen "Höhle der Löwen"-Investoren Ralf Dümmel und Carsten Maschmeyer werden sich schon nicht täuschen - schließlich steckten sie 300.000 Euro für 25,1 Prozent der Firmenanteile in "Veluvia". Oder?

"Die Versprechungen sind vage und wissenschaftlich nicht belegt"

Die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) hat die Produkte nun genauer unter die Lupe genommen. Die Ausgangslage: 

Wir fragen uns, warum die Produkte gerade so gehypt werden, denn die Versprechungen sind vage und wissenschaftlich nicht belegt.

Die Verbraucherschützer haben sich vor allem die "Green"-Kapseln genauer vorgeknöpft - und kommen zu einem katastrophalen Ergebnis. 

Veluvia "Green" besteht aus einem Mix von 14 verschiedenen Obst- und Gemüse-Pulvern und -Extrakten sowie Grüntee-Extrakt – sogar in Bio-Qualität. "Was da genau extrahiert wird, ist unklar", kritisiert die Verbraucherzentrale. Viel bedenklicher sei allerdings die Menge, die in den Kapseln enthalten ist. 

Waaaass? Mit einer Monatsration "Green" nehmen wir gerade mal eine drittel Erdbeere und ein Einzelröschen Brokkoli zu uns!

Beispiel: Bei 2 Prozent Erdbeer- oder 5 Prozent Brokkolipulver – wie deklariert – macht das rund 0,02 Gramm Erdbeerpulver und 0,06 Gramm Brokkolipulver pro Tag. In der 30-Tage-Packung sind es dann sensationelle 0,67 Gramm Erdbeerpulver und 1,68 Gramm Brokkolipulver. Das desillusionierende Ergebnis: 

Grob über den Daumen gepeilt könnte das höchstens einem Drittel einer frischen Erdbeere und einem kleinen Einzelröschen Brokkoli pro Monat (!) entsprechen.

Kein Wunder, dass die Verbraucherschützer alles andere als begeistert vom Nutzen der Pillen sind: "Die Mikromengen sind ein Hohn angesichts des Werbespruchs von Veluvia 'Hast Du heute schon genug Obst & Gemüse gegessen?'. Selbst wenn man davon ausgeht, dass das Pulver konzentrierter ist als frisches Obst, sind die Mengen in den Kapseln marginal – dafür sind sie mit 118,70 Euro pro 100 Gramm schön teuer."

Firma kontert: "Es kommt nicht nur auf die Menge an, sondern auf den Nährstoffgehalt"

"Veluvia" hält dagegen: "Auch wenn sich das von der VBZ genannte Beispiel wenig anhört: es kommt nicht auf die Menge an, sondern auf den Nährstoffgehalt. Veluvia green enthält zum Beispiel nicht nur Vitamin C, sondern auch sekundäre Pflanzenstoffe, wie z.B. Polyphenole.
", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Doch das ist nicht die einzige Kritik an "Veluvia". So sei auch der Vitamin-C-Gehalt nicht weltbewegend, und die Verbraucherzentrale zweifelt zudem die Bio-Qualität aller Inhaltsstoffe - insbesondere bei den "Cell"-Kapseln - an. 

"Der Nutzen erschließt sich nicht"

Fazit: Bei "Veluvia" würden "alle Register zur Vermarktung eines Wundermittels gezogen", der Nutzen erschließe sich den Experten jedoch nicht. Heißt zusammengefasst: überflüssig! 

Das sieht Geschäftsführerin Grazia De Francesco anders:

Da uns die Qualität unserer Produkte sehr am Herzen liegt, lassen wir uns sogar freiwillig von verschiedenen externen Zertifizieren, wie dem VEBU und dem TÜV, kontrollieren. Wir sind besonders stolz darauf, dass alle Produkte unseren hohen Qualitätsanspruch erfüllen –  und das über das rechtlich geforderte Maß hinaus!

Die Verbraucherzentrale stehe Nahrungsergänzungsmitteln grundsätzlich sehr kritisch gegenüber, heißt es. "In einer Hinsicht geben wir der Verbraucherzentrale allerdings recht: eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist immer das Beste! Das sagen wir auch unseren Kunden. Es geht Veluvia nicht darum eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu ersetzen. Es ist nur eine Alternative die Nahrung zu ergänzen. Und zwar für alle diejenigen, die es nicht schaffen jeden Tag ausreichend Obst & Gemüse zu essen."

Kritik an "Die Höhle der Löwen": "Verbrauchern werden überteuerte und häufig nutzlose Produkte angedreht"

Doch nicht nur die "Veluvia"-Gründer, sondern gleich die ganze Vox-Show kriegt von der VZHH ihr Fett weg:

Für uns ist die TV-Show auf VOX die „Butterfahrt“ des digitalen Zeitalters. Verbrauchern werden subtil und mit viel Tamtam überteuerte und häufig nutzlose Produkte angedreht. Fallen Sie nicht darauf herein!

Auweia. 

Trotz aller Kritik ist "Die Höhle der Löwen" immer noch kurzweilige Unterhaltung und auch bei uns in der Redaktion äußerst beliebt. Wer die Produkte kaufen möchte, bleibt auch schließlich jedem selbst überlassen ... 

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