Kaffeeservice statt Anerkennung

50 Jahre Frauenfußball - doch noch immer keine Gleichberechtigung

Fast gänzlich unbeachtet blieb Ende 2020 ein besonderes Jubiläum: 50 Jahre Frauenfußball. Man hat den Eindruck, dass die Damen in der Welt des Fußballs noch immer nicht richtig angekommen sind. Zwar finden internationale Turniere Widerhall in den Medien, doch richtig berühmt und beliebt wie ihre männlichen Kollegen sind die Frauen der deutschen Mannschaften noch lange nicht. Jeder kennt Manuel Neuer, aber wie heißt denn die Torhüterin der Frauennationalmannschaft?

Auf Talent und Können kommt es an

Noch nicht einmal eigene Kleidung gibt es für die Damen. Zur WM 2019 wurde erstmals ein besonderes Trikot für Frauen designt, das nicht einfach nur eine Abwandlung der Herren-Schnitte war. Was nicht einmal die Nationalmannschaft bekommt, haben die Breitensportvereine schon gar nicht zur Verfügung. Und so ist zum Beispiel das wichtigste Arbeitsmaterial der Torfrau, die Torwarthandschuhe, noch immer in erster Linie für Männer gedacht. Kleine Größen aber machen die Handschuhe auch für die Frauenhand tragbar. Es kommt ohnehin in erster Linie auf Talent und Können an. Und das ist bei den Damen in gleicher Weise vorhanden wie bei den Herren.

Ein langer Weg zum Sieg

Noch Anfang der 1950er-Jahre war der Deutsche Fußballbund (DFB) der Auffassung, dass Fußball keine Sportart für Frauen ist. Damals kamen die Damen aber schon überall auf der Welt zusammen, um gemeinsam Fußball zu spielen. Sehr zum Leidwesen ihrer Familien. Gekickt wurde, wo es Platz dafür gab, am Rande von Feldern, auf der Straße. Darin unterschied sich der Frauenfußball der Anfangsjahre in keiner Weise von dem der Männer. Auch deren größte Talente haben meist auf der Straße angefangen. Und doch wurde Frauenfußball wo immer möglich eingeschränkt und verboten. Erst am 31. Oktober 1970 gab der DFB seinen Widerstand auf und machte damit den Weg frei für die Gründung von Frauenfußballvereinen. 1990 nahm die Frauenbundesliga den Betrieb auf, 1991 fand die erste Weltmeisterschaft in China statt. 2003 und 2007 holten sich die deutschen Damen den Weltmeistertitel. Im Übrigen beide Male mit Nadine Angerer im Tor, die auf Platz 19 in der Weltrangliste der erfolgreichsten Spielerinnen rangiert. Derzeit hüten Laura Benrath, Merle Frohms und Stina Johannes das Tor der deutschen Frauennationalmannschaft.

Von Gleichberechtigung weit entfernt

Die deutschen Fußballfrauen gehören mittlerweile zu den besten der Welt. Neben den beiden Weltmeistertiteln wurden sie zweimal Europameister und Gold bei den Olympischen Spielen konnten sie auch gewinnen. Aber statt Preisgeld gab es für die Damen ein Kaffeeservice und auch sonst ist es mit der Gleichberechtigung im Fußball nicht weit her. An der Einstellung der Gesellschaft und des Verbandes gegenüber Frauenfußball hat sich trotz aller Erfolge der Fußballdamen in den letzten Jahren nicht viel geändert. Die US-Spielerinnen haben sogar 2019 ihren Verband wegen Diskriminierung verklagt. Unter anderem wollten sie endlich die gleiche Entlohnung wie die Herren. Wie krass der Unterschied ist, zeigt ein Blick in die Statistik. Im Jahr 2017 gingen nur 0,2 Prozent der Einnahmen aus der Champions League an die Frauen, der satte Rest von 99,8 Prozent blieb dem Wettbewerb den Herren vorbehalten. Inzwischen haben sich die US-Damen mit dem Verband auf mit den Herren vergleichbare Reise- und Trainingsbedingungen geeinigt, der Kampf ums Geld aber geht weiter.

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