Krebs und HIV zur gleichen Zeit: Georg Uecker ließ sich nie unterkriegen
Über drei Jahrzehnte lang war Georg Uecker (63) als Dr. Carsten Flöter in der Kult-Soap "Lindenstraße" der absolute Liebling von Millionen Zuschauern. Doch während er vor der Kamera ein strahlendes Lächeln zeigte, spielte sich hinter den Kulissen ein gesundheitliches Drama ab. Nach jahrelangen Spekulationen über seinen Gesundheitszustand machte der Schauspieler 2016 öffentlich, mit HIV zu leben. Die Diagnose erhielt Georg Uecker dabei nach eigenen Angaben bereits 1993. Vor einigen Jahren schlug das Schicksal dann erneut gnadenlos zu, denn bei dem heute 63-Jährigen wurde Morbus Hodgkin diagnostiziert - ein bösartiger Tumor des Lymphsystems.
Wie schlecht es ihm damals wirklich erging, verriet er erst später in einem hochemotionalen Rückblick gegenüber "stern": "Ich lag im Krankenhaus mit der Diagnose: Lymphdrüsenkrebs und HIV. Alles auf einmal. Ich bin durch die Hölle gegangen." Und: "Ich dachte, jetzt sterbe ich. Ich hatte die härteste Chemo-Variante, die es gab. Die Ärzte wollten den Krebs in den Griff kriegen, bevor Aids ausbrechen könnte. In meinem Körper herrschte Atomkrieg." Mit Erfolg, denn Aufgeben war für den gebürtigen Münchner nie eine Option. Fünf Jahre später hatte Uecker den Krebs besiegt. Schon 2016 hatte er im Magazin "Schwulissimo" klargestellt, dass er trotz HIV-Diagnose "völlig fit und fest entschlossen sei, ein schriller Alter zu werden."
So geht es dem "Lindenstraße"-Star heute
Dennoch wurden öffentliche Auftritte nach dem endgültigen Aus der "Lindenstraße" eher selten, 2024 sorgte ein Eventbesuch von Georg Uecker beispielsweise für entsprechende Schlagzeilen. Wie es dem sympathischen Schauspieler heute ergeht? Das verriet er jetzt gegenüber "Bild":
Sehr gut. Ich bin ein zähes Luder!
Auch beruflich schaute der 63-Jährige nach dem "Lindenstraße"-Aus nach vorn: "Nach der 'Lindenstraße' gab's eine kleine Pause. Die Theater- und Lese-Tour, die auf meiner Autobiografie 'Ich mach dann mal weiter' basiert, ging aber weiter". Zuletzt gönnte er sich eine Auszeit im Mexiko-Urlaub.
Große Auszeichnung nach heftigen Morddrohungen
Nun wartete der nächste Meilenstein auf den 63-Jährigen: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst zeichnete Georg Uecker am 2. Juni mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen aus. Geehrt wurde er für seinen unermüdlichen Einsatz in der queeren Community - und für einen Moment, der deutsches Fernsehen für immer veränderte. In den Jahren 1987 und 1990 schrieb Uecker TV-Geschichte, als er in der "Lindenstraße" Günter Barton und später Martin Armknecht küsste. Es war der allererste Kuss zwischen zwei Männern in einer deutschen Serie. Die Reaktionen der damaligen Gesellschaft waren so schockierend wie grausam: Es hagelte homophobe Beleidigungen und sogar Morddrohungen, sodass Uecker zeitweise nur noch mit Personenschutz auf die Straße gehen konnte.
Dem "Kölner Stadt-Anzeiger" sagte er damals: "Die Leute sind auf der Straße übergriffig geworden, haben mich beschimpft: 'Du schwule Sau, ab ins KZ.'" Doch die Zeiten haben sich - Gott sei Dank - geändert. Zu seiner Auszeichnung erklärte er "Bild":
Ich fühle mich sehr geehrt, aber habe absolut nicht damit gerechnet. Ich wollte ja für mein Engagement nie einen Orden, sondern gesellschaftliche Veränderung. Und die haben wir erreicht. Man muss aber auch das, was wir erreicht haben, verteidigen. Und dafür ist so eine Auszeichnung natürlich prima!
Verwendete Quellen: Bild, Stern, Schwulissimo, Kölner Stadt-Anzeiger
Man kann vor Georg Uecker nur tief den Hut ziehen. Dass dieser Mann heute mit einem strahlenden Lächeln im Gesicht von sich sagt, er sei ein 'zähes Luder', ist die schönste Nachricht des Tages. Uecker hat in seinem Leben Meilensteine gesetzt und TV-Geschichte geschrieben, als ein Kuss im Fernsehen noch einen bundesweiten Skandal und hässliche Morddrohungen auslöste. Er hat dem Hass getrotzt. Und er hat zwei der schwersten Diagnosen unserer Zeit - Krebs und HIV - die Stirn geboten, um am Ende als Sieger aus diesem unfairen Kampf hervorzugehen. Die Verleihung des Verdienstordens ist weit mehr als eine formelle Ehre. Sie ist ein lautstarkes Zeichen der Anerkennung für einen Mann, der unsere Gesellschaft toleranter gemacht hat und der uns allen zeigt, was es heißt, niemals den Mut zu verlieren. Herzlichen Glückwunsch, Georg Uecker - diese Auszeichnung ist ein Triumph des Lebens!







