Karl Lagerfeld (†85): Die Geheimnisse des Modeschöpfers

Karl Lagerfeld (†85): Das Leben und die Geheimnisse des Modeschöpfers

Er war der größte deutsche Modeschöpfer aller Zeiten. Keiner beeinflusste die Haute Couture so sehr wie Karl Lagerfeld (†85). Einiges über sein Leben wurde erst nach seinem Tod am 19. Februar 2019 bekannt.

Seine Kindheit und das schwere Verhältnis zu seiner Mutter

Karl Lagerfeld wurde im September 1933 in Hamburg als Sohn des Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld und seiner Frau Elisabeth Bahlmann geboren. An Geld und Wohlstand mangelte es der Familie nicht. Karl Lagerfeld wuchs mit Hausangestellten und Bediensteten auf, jedoch ohne die Liebe seiner Mutter.

Ihr lag nicht viel an Kindergeschwätz. Sie sagte: 'Wenn du mit mir reden willst, dann streng dich an, oder sei ruhig. Dein Unfug verdient nicht mehr Zeit, also sprich schneller'. Sie verteilte keine Komplimente, sagte stattdessen Dinge wie: 'Du bräuchtest Vorhänge für deine Nasenlöcher. Sie sind zu groß',

offenbarte Karl Lagerfeld über seine Mutter in der Dokumentation "Lagerfeld, der einsame König".

Nach einem Jahr Klavierunterricht habe seine Mutter ihm dann gesagt: "Du hast kein Talent. Mal' lieber, das macht wenigstens keinen Lärm" und ihm anschließend auf die Finger geschlagen. Trotz seiner Kurzsichtigkeit durfte Karl Lagerfeld als Kind keine Brille tragen, denn seine Mutter fand: "Kinder mit Brille sind das Hässlichste auf der Welt."

Der ehemalige "VOGUE"-Journalist und enger Freund des Modeschöpfers, André Leon Talley, schrieb in seinem Buch "The Chiffon Trenches" ebenfalls über die Kindheit von Karl Lagerfeld. Dabei ging es auch um Misshandlung. Demnach soll der Mode-Zar als Kind von seiner Mutter Elisabeth ans Bett gefesselt worden sein, damit er nachts keine Nahrung zu sich nahm.

Trotzdem sagte Karl Lagerfeld 2008: "Meine Mutter war aber perfekt für mich. Ohne sie wäre ich heute nicht wie ich bin."

Kindheit in Bad Bramstedt

Während des Zweiten Weltkriegs verließ Lagerfelds Familie die Großstadt Hamburg und ließ sich im rund 50 Kilometer entfernten Bad Bramstedt nieder. Dort verbrachte der junge Karl 14 Jahre seines Lebens. Auf Gut Bissenmoor bezog die wohlhabende Familie das Gutshaus, welches von kleinen Höfen umgeben war. Dort herrschte damals reges Treiben, die Kinder tollten herum und nutzen die weitläufigen Flächen zum Spielen. Nur Karl Lagerfeld soll schon damals lieber seine Zeit drin verbracht haben. Er fing an, mit Puppen zu spielen und ihnen Kleider zu nähen. Jahrzehnte später offenbarte der Modezar: "Als Kind träumte ich davon, erwachsen zu sein. Ich fand es erniedrigend, ein Kind zu sein, so als wäre man ein Mensch zweiter Klasse".

Jahrelang hatte Karl Lagerfeld öffentlich ehemalige Schulkameraden in Talkshows beleidigt und war Fragen nach Bad Bramstedt ausgewichen. In seinem Buch "Karl Lagerfeld. Ein Deutscher in Paris" offenbart Alfons Kaiser, Journalist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der den Modeschöpfer persönlich kannte:

Damals wurde er in Bad Bramstedt von Mitschülern oft gehänselt und gedemütigt. Solche Erfahrungen vergisst man sein Leben lang nicht.

Heute erstreckt sich ein kleiner Wald über die Fläche, wo einst der Gutshof Bissenmoor stand. Die Gebäude wurden bereits vor Jahrzehnten abgerissen.

Karl Lagerfelds Eltern waren Anhänger der NSDAP

Ebenfalls im Buch "Karl Lagerfeld: Ein Deutscher in Paris" enthüllt Alfons Kaiser ein lang gehütetes Familiengeheimnis. Dort schreibt er, dass die Eltern des berühmten Modeschöpfers Mitglieder
 der NSDAP gewesen sein sollen! Während Otto Lagerfeld (†85) sich nur aus geschäftlichen Gründen mit den Nazis abgab, sei dessen Frau Elisabeth (†81) eine überzeugte Nationalsozialistin gewesen. „Seine Karriere hätte womöglich anders verlaufen können, wäre das früher bekannt geworden“, orakelt der Autor.

"Vielleicht hätte ihn Chanel dann gar nicht genommen, denn als Deutscher hatte er es in Paris in den Anfangsjahren ohnehin nicht leicht", heißt es weiter. Erst nach dem Krieg sollen sich Lagerfelds Eltern von Hitlers Ideologien distanziert haben. Ob Karl Lagerfeld Kenntnis darüber hatte, ist nicht bekannt. Jedoch wollte er niemals mit Nazi-Deutschland in Verbindung gebracht werden. 

Lagerfeld gab früher ein falsches Geburtsdatum an

Karl Lagerfeld wurde am 10. September 1933 geboren, doch er selbst gab als Geburtsjahr lange Zeit 1938 an, später 1935. Dies könnte zum einen an seiner Eitelkeit gelegen haben. Jedoch vermutet Kaiser, dass noch ein weiterer Grund dahinter stecken könnte. Lagerfeld könnte sich jünger gemacht haben, um im Paris der 50er-Jahre nicht in den Verdacht zu geraten, im Zweiten Weltkrieg gekämpft zu haben. Außerdem sagte der Modeschöpfer immer wieder "Ich bin Hanseat, kein Deutscher".

Anfänge in Paris

1952, im Alter von 19 Jahren, verließ Karl Lagerfeld Hamburg und ging noch vor seinem Abitur nach Paris. Dort wohnte er zunächst in einem Wohnheim für Minderjährige in der Rue Sorbonne und besuchte eine private Zeichenschule. 1954 erreichte Lagerfeld beim Wettbewerb des Internationalen Wollsekretariats den ersten Platz, für den Entwurf eines Mantels. Danach begann er eine Schneiderlehre bei Pierre Balmain, der 1945 gleichnamige Luxusmodemarke gründete. Später arbeitete Karl Lagerfeld als freier Mode-Illustrator.

1963 wechselte Lagerfeld als künstlerischer Direktor zu Chloé, entwickelte dort bis 1978 Kollektionen. 1964 entwarf der Modeschöpfer das offizielle Logo für das italienische Pelz- und Modeunternehmen Fendi ("Zucca"-Logo). Es soll dabei der erste Handgriff gewesen sein und nur wenige Sekunden gedauert haben. Heute ist das Doppel-F weltberühmt. Ende 1982 stellte der Eigentümer von Chanel, Alain Wertheimer, Lagerfeld als Designer der Haute Couture Kollektion an.

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Karl Lagerfeld bei der Arbeit, 1976.

Lagerfelds große Liebe: Jacques de Bascher

1972 lernte Karl Lagerfeld seine große Liebe Jacques de Bascher kennen. Bis zu seinem Tod führten die Männer eine Liebesbeziehung. Zwischen 1973 und 1977 hatte Jacques de Bascher jedoch eine Affäre mit dem Modeschöpfer Yves Saint Laurent. 1989 starb Jacques de Bacher im Alter von 38 Jahren an Aids. 1991 kaufte Karl Lagerfeld eine Villa in Hamburg Blankenese und nannte sie in Gedenken an seinen verstorbenen Lebensgefährten "Villa Jako". 1998 brachte er ein Parfum mit dem Namen Jako auf den Markt. Seit dem Tod von Karl Lagerfelds großer Liebe soll er am liebsten allein gelebt haben.

Jacques war ein reizender, charmanter, eleganter und sehr amüsanter französischer Aristokrat. Er liebte es auszugehen, rauchte wie ein Schlot, trank Alkohol und war genau das Gegenteil des disziplinierten Karl, was dieser aber herrlich fand,

erzählte Lagerfelds Mitarbeiterin und enge Vertraute, Marietta Andreae nach seinem Tod der "Bild".

Jacques De Bascher und Karl Lagerfeld 1978
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Jacques De Bascher und Karl Lagerfeld 1978.

Karl Lagerfelds Blitz-Diät

"Früher liebte er Nürnberger Bratwürstl, Kaiserschmarrn und Salzburger Nockerl. Aber dann beschloss er abzunehmen, weil er unbedingt in die Jeans passen wollte, die Hedi Slimane für Dior Homme kreiert hatte", erinnert sich Marietta Andreae. Dr. Jean-Claude Houdret entwickelte eine Diät für ihn, "dank der und dank seiner Disziplin er in 13 Monaten 42 Kilo abnahm." Zuvor hatte Karl Lagerfeld immer ein kleines Bäuchlein.

Karl Lagerfeld wollte seinen treuen Begleiter Choupette zunächst gar nicht 

Jeder kennt Karl Lagerfelds treuen Begleiter Choupette. Die Birma-Katze des Designers erbte nach seinem Tod fast sein ganzes Vermögen. Doch eigentlich wollte sich Karl Lagerfeld nie eine Katze zulegen. Choupette gehörte ursprünglich dem Model Baptiste Giabiconi, das für Karl Lagerfeld einst in einem Magazin entdeckte und anschließend einer der engsten Vertrauten des Modeschöpfers wurde. Doch beinahe wäre die innige Freundschaft an Choupette zerbrochen, schreibt der französische Star in seinem Buch "Karl und ich". Model und Sänger Bapiste Giabiconi enthüllt dort, dass sich Lagerfeld zunächst wenig begeistert von der Birma-Katze zeigte.

Sag, dieses Tier hat keine Bakterien?,

habe er gefragt, als Giabiconi ihm Choupette aufgrund einer Weihnachtsreise für ein paar Tage überlassen wollte. Nach der Rückkehr wollte Karl Lagerfeld das Haustier nicht wieder hergeben. "Baptiste, Du kannst Dich nicht um sie kümmern, wie es nötig ist", habe er gesagt. Nach einem heftigen Streit verschenkte Giabiconi dann Choupette an seinen Freund Karl Lagerfeld.

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Karl Lagerfeld und sein Kater Choupette waren ein Herz und eine Seele.

Er zerbrach am Tod seines Neffen

Was viele nicht wissen, Karl Lagerfeld hatte eine Schwester namens Christiane. Er selbst behauptete stets, er habe keine richtige Familie, doch das war eine Lüge. Die große Schwester des Designers wanderte 1957 in die USA aus.

Erst kam er immer wieder zurück und besuchte uns, aber als er in Paris immer berühmter wurde, wurden auch die Treffen immer seltener,

erzählte sie in einem Interview mit der "DailyMail".

Christiane, die mit ihrem Ehemann Robert vier Kinder bekam, benannte einen ihrer Söhne sogar nach ihrem Bruder Karl. Im Alter von 18 Jahren starb der allerdings Ende Mai 1980 bei einem Motorradunfall – und genau dieser Tag soll auch Karl Lagerfeld verändert haben. Zum 18. Geburtstag am 17. April 1980 erfüllte der Designer seinem Lieblingsneffen einen Herzenswunsch: ein eigenes Motorrad. Jenes verhängnisvolle Gefährt, mit dem Karl Arthur nur 43 Tage später in den Tod fahren würde. Nach dem Unfall wurde der Designer von tiefen Schuldgefühlen geplagt. Seine Schwester soll ihm jedoch nie Vorwürfe gemacht haben.

Warum trug Karl Lagerfeld immer eine Brille?

Seit 1967 verließ Karl Lagerfeld das Haus nie ohne Brille — und dafür gab es scheinbar zwei Gründe. Dem Magazin "ZEITmann" erzählte der Modeschöpfer 2014:

Ich war mit einer Bekannten in einem Nachtclub. Da kam so ein Knilch, mit dem hatte sie mal ein Verhältnis gehabt. Wie der mich mit ihr sah, wollte er ihr ein Glas an den Kopf schmeißen. Er traf aber mein Auge. An dem Tag hatte ich zufällig eine Brille auf, ich bin nämlich leicht kurzsichtig.

Das Gestell habe die Wucht abgefangen. "Da wurde mir bewusst, dass meine Augen das Wertvollste sind, was ich habe. Seitdem gehe ich nicht mehr ohne Brille aus dem Haus", so Karl Lagerfeld.

Als Karl Lagerfeld 2018 von einem BR-Reporter gefragt wurde, ob er sich hinter seiner Sonnenbrille verstecken würde, antwortete er:

Ja, ich will auch den Gesichtsausdruck dem Publikum nicht zu sehr offenbaren. Wissen Sie, kurzsichtige Leute, die haben oft etwas traurige Augen, da sieht man beinahe dann aus wie ein Hund, der adoptiert werden möchte oder sowas. Da muss man die Brille zwei, drei Stunden ablegen, damit das nicht mehr so aussieht und der mitleiderregende nette Blick ist nun wirklich etwas, was ich nicht haben will und den Eindruck, den ich nicht geben will, denn das entspricht nicht der Realität.

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Seit 1967 trägt Karl Lagerfeld immer eine Brille.

Tod und Beisetzung von Karl Lagerfeld

Am 19. Februar 2019 verstarb Karl Lagerfeld im Alter von 85 Jahren. Laut französischer Medien litt der Modezar an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Deutsche Medien berichteten allerdings, dass Karl Lagerfeld an Prostatakrebs starb, was schließlich auch durch seinen langjährigen Assistenten bestätigt wurde.

Am 22. Februar 2019 wurde Karl Lagerfeld im Krematorium von Nanterre, einem Vorort von Paris, eingeäschert. Eine große Zeremonie wollte der Modeschöpfer nicht haben. So kam zu seiner Beisetzung nur das engste Umfeld. Die Asche von Karl Lagerfeld soll anschließend auf seinen Wunsch mit der seiner Mutter Elisabeth († 1978) und der seines Lebensgefährten Jacques de Bascher († 1989) vermischt worden sein.

Verwendete Quellen: dailymail.co.uk, Hambuger Abendblatt, Bild, Bunte, "Karl und ich", "Karl Lagerfeld: Ein Deutscher in Paris"

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