Goldrausch in Russland: Größtes Gold-Vorkommen wird nach Jahrzehnten erschlossen

Edelmetall beliebter als Bitcoin und Co.

Nachdem die Immobilienpreise immer weiter steigen, suchen Anleger nach weiteren Möglichkeiten Geld zu investieren. Gold ist und bleibt, trotz Bitcoin und Co., immer noch eine der beliebtesten Anlegemöglichkeiten.

Auch Russland hat, neben anderen Rohstoffvorkommen, eine Menge Gold zu bieten. Im Oktober 2020 gab der russische Bergbaukonzern Polyus bekannt, dass die Erschließung des Goldvorkommens Sukhoi Log in Sibirien ab 2023 beginnen soll. Nach Schätzungen von Experten sollen dort bis zu 3000 Tonnen oder 40 Millionen Feinunzen Gold unter der Erde liegen, was das Gebiet zum größten Goldvorkommen der Welt machen würde. Die Planungen für die Förderung der Ressourcen laufen bereits seit Jahrzehnten, doch erst jetzt gibt es einen Plan, der die Erschließung des Edelmetalls möglich macht.

Russland gehört zu den größten Goldproduzenten der Welt

Bereits vor der Erschließung von Sukhoi Log gehört Russland zu den Ländern mit den höchsten geförderten Goldmengen. So lag man 2020 mit einer Förderung von 300 Tonnen auf dem dritten Rang der globalen Goldproduzenten, womit man unter anderem Kanada oder die USA überholte. Lediglich in Australien und in China wurden mit 320 bzw. 380 Tonnen Gold deutlich höhere Mengen des Edelmetalls aus dem Boden geholt. Neben Erdöl, Erdgas sowie Eisen und Stahl gehören Edelmetalle zu den wichtigsten Exportgütern Russlands, die dem Land jährlich Exportüberschüsse im zweistelligen Milliardenbereich einbringen. Im Zuge der Corona-Krise wurden die Goldexporte sogar stark gesteigert, um die niedrigeren Einnahmen durch den Handel mit Gas auszugleichen. Von den Sanktionen, die von der EU oder den USA in den letzten Jahren aufgrund des Ukrainekonflikts oder des Giftanschlags auf Alexander Nawalny verhängt wurden, sind die Goldexporte dabei kaum betroffen.

Die 5 größten Goldproduzenten der Welt für 2020 (auf Basis des United States Geological Survey):

  • China (Produktion von 380 Tonnen Gold)

  • Australien (Produktion von 320 Tonnen Gold)

  • Russland (Produktion von 300 Tonnen Gold)

  • USA (Produktion von 190 Tonnen Gold)

  • Kanada (Produktion von 170 Tonnen Gold)

Wieso wurde das Goldvorkommen in der Vergangenheit nicht erschlossen?


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Bekannt sind die riesigen Goldvorkommen unter Sukhoi Log bereit seit den 60-er und 70-er Jahren, als das Feld zum ersten Mal von Geologen in der Sowjetunion entdeckt wurde. Doch aufgrund der entfernten Lage in Sibirien ohne weitere Infrastruktur in der Nähe war eine Erschließung bisher für Bergbaukonzerne nicht rentabel. Denn es muss sowohl die Logistik für den Transport von Maschinen zu Sukhoi Log als auch für den Abtransport von geschürftem Gold geschaffen werden. Zudem müssen Unterkünfte oder ganze Siedlungen für die Minenarbeiter aufgebaut werden, damit es in der Freizeit zumindest einige Aktivitäten für die Beschäftigten gibt. Für die Erschließung plant das aktuelle Budget von Polyus mit etwa 2,3 Milliarden Euro, die im Voraus finanziert werden müssen. Zwar wurden bereits Versuche unternommen, das Gold aus dem Boden zu extrahieren, aber unter anderem die Kooperation eines australischen Bergbauunternehmens mit lokalen Firmen wurde kurz nach dem Fall der Sowjetunion in den 90-er Jahren vom russischen Parlament abgelehnt.

Hoher Goldpreis rechtfertigt Investitionen in Sukhoi Log

Grund für die jetzige Erschließung der Goldvorkommen vom Besitzer der Schürfrechte, dem russischen Bergbaukonzern Polyus, sind die gestiegenen Goldpreise. Zwar ist der Preis für Gold seit September 2020 um knapp 7 Prozent gefallen, doch im 5-Jahres-Vergleich ist das Edelmetall immer noch 30 Prozent mehr wert. Somit lohnt es sich auch, kostspieligere Vorkommen zu erschließen. Ein baldiges Fallen des Goldpreises wird dabei nicht erwartet, denn vielfach besteht eine Angst vor Inflation durch die Gelddruckprogramme der Zentralbanken in der Corona-Krise. Gold als physikalisches Anlageobjekt wird von vielen Anlegern als sicherere Investition als Aktien oder der Immobilienmarkt betrachtet.

Vereinfacht der Klimawandel das Schürfen von Gold?

Auch Russland wird von den Folgen des Klimawandels nicht verschont und auf Sibirien wüten im Sommer zahlreiche Brände, die sich in abgelegenen Gebieten nur schwer löschen lassen. Allerdings bieten die steigenden Temperaturen ebenfalls Vorteile, denn durch den auftauenden Boden lassen sich Rohstoffe wie Gold oder Erdöl leichter fördern. Während der Permafrost früher die Kosten in die Höhe getrieben hat, ist das Bohren nun deutlich einfacher, was Bergbaukonzernen wie Polyus entgegenkommt. Allerdings kann das Auftauen des Permafrosts auch ein Absacken der Böden in Sibirien bewirken, was in Verbindung mit der Belastung durch das Schürfen des Goldes gravierende Auswirkungen auf die Umwelt rund um Sukhoi Log haben könnte.

Wird Sukhoi Log zum größten Goldvorkommen der Welt?

Falls sich die Schätzungen von Geologen als richtig erweisen, könnten Sukhoi Log zur größten Goldmine der Welt werden. Bisher wurde dieser Titel der Grasberg-Mine in Indonesien oder der South-Deep-Mine in Südafrika zugerechnet. Jährlich plant Polyus die Entnahme von 1,6 Millionen Unzen Gold, was bei aktuellen Goldpreisen mehr als 2 Milliarden Euro einbringen würde. Kommt es bei dem Projekt nicht zu Problemen, können sich die Investitionen in die Infrastruktur und die Erschließung des Goldvorkommens dadurch schnell lohnen. Die Aktionäre des Bergbauunternehmens dürfen sich in diesem Fall auf hohe Dividenden freuen, wenn die prognostizierte Profitabilität der Mine zutrifft.

Kommt es zu Verzögerungen während der Erschließung der Goldmine?

Trotz der Ankündigung von Polyus, das Goldvorkommen in den nächsten Jahren zu erschließen, ist ein genauer Start des Bergbaubetriebs noch weit entfernt. Mit Kosten von geschätzten 2,3 Milliarden Euro und einem geplanten Beginn der Hauptinvestitionen 2023 stehen noch zahlreiche Fragezeichen hinter dem Projekt. So könnte ein rasanter Fall des Goldpreises das Vorhaben unrentabel machen und weiter aufschieben. Ebenso sind Fragen zum Naturschutz zu beantworten, damit nahe gelegene Wälder und Natur nicht durch den Goldabbau zerstört werden.

Zusammenfassung

Nach Jahren der Planung und verschobenen Investments verkündete der russische Bergbaukonzern Polyus die Erschließung des Goldvorkommens Sukhoi Log in Sibirien, das nach Schätzungen von Geologen die größten Goldreserven der Welt enthalten soll. Rentabel wird das Projekt durch den gestiegenen Goldpreis, der das Investment, das ab 2023 beginnen soll, durch sinkende Kurse allerdings noch stoppen kann.