
Daniel Küblböck: Tragödie jährt sich zum 7. Mal
Es ist kurz nach fünf Uhr morgens an diesem 9. September 2018. Der Wind peitscht über das Deck der AIDAluna, noch ist die Sonne nicht aufgegangen; das Meer vor der Küste Neufundlands ist schwarz und unruhig. Die Schiffsmotoren röhren, das Wasser rauscht, doch plötzlich durchdringt ein gellender Schrei die Monotonie. Aufnahmen einer Überwachungskamera werden später zeigen, dass sich auf Deck 5 ein Mann der Reling nähert – Daniel Küblböck (†33). Entschlossen stürzt er sich in die eisigen Fluten. Kein Zögern. Kein kurzes Durchatmen vor dem Absprung. Die Wellen schlagen über ihm zusammen. Sofort wird an Bord Alarm ausgelöst. Crewmitglieder werfen Rettungsringe ins Wasser, der Touridampfer stoppt seine Fahrt mitten auf dem Nordatlantik. In Windeseile wird eine riesige Rettungsaktion gestartet. Die kanadische Küstenwache überfliegt die Unglücksstelle mit Hubschraubern, schickt Boote aufs Meer. Denn alle Beteiligten wissen: Die Zeit läuft gegen sie.
"Auf dem Schiff klappt irgendwie nichts"
Das Meer hat nur ein paar Grad über Null. Bei diesen Temperaturen überlebt ein Mensch maximal eine Stunde im Wasser. Und auch nur, wenn man eine Rettungsweste trägt. Denn schon kurz nach dem Eintauchen stellen die Muskeln ihre Funktion ein – Schwimmen wird unmöglich. Entweder ertrinkt man recht schnell, oder das Herz bleibt durch den Kälteschock stehen. Nach 80 Stunden wird die Suche nach Daniel eingestellt. Ein Leichnam wird nie gefunden. 2021 wird der Niederbayer juristisch für tot erklärt. Doch bis heute ist nicht klar, was den "DSDS"-Star dazu bewog, über Bord zu gehen oder was in den Tagen davor genau geschah. Fest steht nur: Daniel startet seine Kreuzfahrt am 5. September in Hamburg, will über Grönland nach Kanada reisen. Hatte er da schon den Plan gefasst, sich umzubringen? Seinen Liebsten daheim sagt er, er wolle Urlaub machen. War es mehr als das? Eine Flucht vor seinem neuen Leben als Frau, als Lana Kaiser, das er kurz zuvor begonnen hatte? Wollte er einen Neuanfang wagen, bekam dann aber Angst? Zeugen, die den Unternehmer an Bord erlebt haben, beschreiben seine Stimmung jedenfalls als wechselhaft. Mal aufgedreht, fast euphorisch. Mal still und nachdenklich. Er trug auffällige Kleidung, tanzte allein auf dem Deck, sprach fremde Passagiere an. Andere berichten von Spannungen – manche Gäste sollen sich über ihn lustig gemacht haben.
Nur kurz zuvor hatte Daniel auf Social Media über seine eigenen Mobbingerfahrungen gesprochen. Es heißt, das Sicherheitspersonal habe ihn kurzzeitig im Blick gehabt, da er "ungewöhnlich wirkte". Laut AIDA und späteren Ermittlungsunterlagen gibt es aber keine Hinweise auf körperliche Gewalt oder Bedrohung, Fremdeinwirkung beim Sprung wird ebenfalls ausgeschlossen. Fachleute vermuten, Daniel könnte eine akute psychische Krise gehabt haben. Eine jetzt erst in der Doku "Die KüblböckStory – Eure Lana Kaiser" veröffentlichte Sprachnachricht von ihm an seinen Ex-Freund Manuel Pilz jedenfalls zeigt deutlich, dass der Paradiesvogel die Kreuzfahrt abbrechen wollte:
Hallo Manni, ich bin’s, der Daniel, äh, also die Lana eigentlich … ich wollte dir nur sagen, dass ... ich möchte gerne von dem Schiff hier runter und ich würd gerne nach New York fliegen. Auf dem Schiff klappt irgendwie nichts, wie ich das … ruf mich doch bitte zurück … alles klar, mach’s gut. Ciao!
Doch ein weiteres Gespräch ziwschen den beiden hat es nie gegeben. Was genau an Bord nicht so "klappte" oder warum Daniel Küblböck (würde am 27. August 40. Geburtstag feiern) die Reise nicht einfach abbrach, wird wohl nie geklärt werden. Die Wahrheit hinter dieser tragischen Geschichte ruht irgendwo in den Tiefen des Nordatlantiks.
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Text von Julia Liebing
Verwendete Quellen: IN