
Jennifer Lawrence über "Die My Love": "Ich glaube, viele Frauen erkennen sich darin wieder"
Hollywoof-Star Jennifer Lawrence (35) hat nie versucht, ein makelloses Bild abzugeben – und genau darin liegt ihre Stärke.
"Die My Love“ ist kein einfacher Film – er ist roh, intensiv und emotional extrem fordernd. Ihre Figur geht emotional an extreme Grenzen. War es für Sie als Schauspielerin auch ein Befreiungsmoment, so weit zu gehen?
Jennifer Lawrence: "Was für mich besonders war: Ich bin im echten Leben Ehefrau. Und das bedeutet, dass man ständig mitdenkt, wie sich der andere fühlt. Jeden Tag. Und Grace macht genau das Gegenteil. Sie denkt nicht an Harmonie. Sie denkt nicht an Schutz. Sie denkt nur an sich und daran, zu überleben. Und genau das war so befreiend. Es ist, als würde man einen dieser verrückten, unangebrachten Gedanken, die man normalerweise sofort wieder wegschiebt, einfach zu Ende denken und ausleben."
Im Kino wird Mutterschaft oft extrem dargestellt: entweder als das Beste der Welt oder als Albtraum. Warum war es Ihnen so wichtig, diese komplizierte Zwischenwelt zu zeigen?
Jennifer Lawrence: "Weil das echte Leben genau da stattfindet: im Grau. In diesen Momenten zwischen Liebe und Überforderung. Zwischen Dankbarkeit und Erschöpfung. Aber genau diese Zwischentöne sind für mich die Wahrheit. Und ich glaube, viele Frauen erkennen sich genau darin wieder – gerade, weil es nicht perfekt ist."
Jennifer Lawrence: "Ohne Humor würde ich es nicht aushalten"
Wie haben Sie es geschafft, sich so weit in diese Figur hineinzuversetzen, ohne sich selbst dabei zu verlieren?
Jennifer Lawrence: "Ich glaube, es hängt stark mit meinem eigenen Leben zusammen. Nach der Geburt meines ersten Sohnes hatte ich eine wirklich schöne, stabile Zeit: Ich führe eine gesunde, erfüllte Beziehung, ich bin frischgebackene Mutter – und genau aus dieser Sicherheit heraus konnte ich diese kaputten Dynamiken erst richtig erforschen und konnte mich dieser Dunkelheit nähern, ohne Angst zu haben, darin unterzugehen."
Sie neigen dazu, gerade in sehr intensiven oder verletzlichen Momenten Humor reinzubringen. Ist das für Sie einfach Teil Ihres Wesens oder auch eine Art Selbstschutz?
Jennifer Lawrence: "Ich glaube, ohne Humor würde ich vieles gar nicht aushalten. Für mich ist Lachen nichts, was etwas banalisieren soll, sondern es ist eine Art Überleben. Wenn ich nicht ab und zu darüber lachen könnte, wie absurd oder überfordernd sich manche Situationen anfühlen, würde ich mich darin verlieren. Humor ist für mich kein Weglaufen, sondern ein Weg, wieder Luft zu holen."
Wie fühlt es sich für Sie an, wenn Sie als die "Meryl Streep Ihrer Generation" bezeichnet werden?
Jennifer Lawrence: "Es ist wunderschön, so etwas zu hören, aber gleichzeitig fühlt es sich auch surreal an, weil ich mich innerlich immer noch genauso unsicher und normal fühle wie früher."
Dieses Interview von R. K. und J. Z. erschien zuerst in der aktuellen Ausgabe der IN - alle zwei Wochen mittwochs neu am Kiosk!
Jennifer Lawrence ist und bleibt ein Phänomen. In einer Welt, die auf Instagram und roten Teppichen oft nur die polierte Oberfläche zeigt, ist ihre Offenheit ein echtes Geschenk. Dass sie Mutterschaft nicht als schwarz-weißes Klischee darstellt, sondern mutig in die 'Grauzonen' eintaucht, macht sie zur wichtigsten Stimme ihrer Generation. Besonders beeindruckend finde ich ihre Reflexion über ihr Eheleben: Sie gibt zu, dass das ständige Mitdenken für den Partner eine Kraftanstrengung ist, die sie in ihrer Rolle als 'Grace' bewusst ablegen konnte. Lawrence zeigt uns, dass man erst aus einer Position der inneren Sicherheit heraus – wie sie sie in ihrer stabilen Beziehung findet – die wahre Dunkelheit erforschen kann. Das ist wahre künstlerische Freiheit.







