Was ist bloß mit diesen Mädchen passiert?

Deutschlands ungelöste Mord- und Vermisstenfälle

Jedes Jahr bleiben hierzulande bis zu 20 Mordfälle ungelöst. Die Täter laufen weiterhin frei herum – möglicherweise auf der Suche nach weiteren Opfern ...

Schwester von Rebecca Reusch: "Der Schmerz ist unerträglich"

Stirbt ein geliebter Mensch, ist das furchtbar. Der Schmerz raubt einem den Atem, das Einzige, was helfen kann, ist Zeit. Sie heilt bekanntlich alle Wunden. Verschwindet dagegen ein geliebter Mensch, ist das nicht möglich. Die Ungewissheit wird für die Hinterbliebenen zur Qual. Nichts geht voran, alles steht still. Bevor die Hoffnung stirbt, gehen die Angehörigen durch die Hölle.

Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht an dich denken, für dich beten. Der Schmerz ist unerträglich,

sagt beispielsweise die Schwester von Rebecca Reusch.

 

 

Das Mädchen wird seit zehn Monaten (18. Februar 2019) vermisst. Die Polizei geht davon aus, dass sie nicht mehr lebt, vermutet, dass ihr Schwager etwas damit zu tun hat, konnte ihm bislang aber nichts nachweisen. Gewissheit gibt es nicht. Ein unerträglicher Zustand, der noch Jahre anhalten kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Mädchen tatsächlich zurückkehren wird, ist minimal. Wahrscheinlicher ist es, dass irgendwann das Telefon bei den Reuschs klingeln und jemand ihnen mitteilen wird, dass eine Leiche gefunden wurde. Ein Damoklesschwert des Grauens, das über der Familie schwebt.

 

 

Neue Hoffnung durch Cold-Case-Teams?

Deutschlandweit gibt es jährlich knapp 300 Mordfälle – fast 95 Prozent davon werden aufgeklärt. Die Erfolgsquote bei Mordopfern, die erst Jahre nach der Tat gefunden wurden, ist dagegen sehr viel niedriger. Viele Täter werden nie zur Rechenschaft gezogen, leben unbehelligt weiter, vielleicht sogar in der eigenen Nachbarschaft. Und haben eventuell weiterhin entsetzliche Gewaltfantasien ... Ein unerträglicher Gedanke.

Die Polizei will ihre Aufklärungsquote nun verbessern. In ganz Deutschland wurden deshalb sogenannte Cold-Case-Teams gebildet, in denen Kriminalisten alte Akten erneut durchforsten. Zudem helfen die DNA-Analyse und neue Arbeitstechniken dabei, viele ältere Fälle aufzuklären. Eine gerechte Strafe für den Mörder kann den geliebten Menschen zwar nicht zurückbringen, aber sie kann den Hinterbliebenen wenigstens dabei helfen, wieder nach vorne zu schauen.

Diese Mädchen fielen brutalen Mördern zum Opfer

Regina Neudorf, 17 Jahre

Am 24. Mai 1979 verschwand sie auf dem Heimweg von der Diskothek. Zwei Tage später wurde ihre zerstückelte Leiche gefunden. Die Polizei geht von einem Serienmörder aus, der Fall war mehrmals Thema bei "Aktenzeichen XY".

 

Peggy Knobloch, 9 Jahre

90.000 Aktenseiten mit 4.800 Spuren gibt es zu dem Mord an dem Mädchen aus dem fränkischen Lichtenberg. 2001 kam Peggy nicht von der Schule nach Hause, 2016 wurde ihre Leiche gefunden. Eine heiße Spur zum Mörder gibt es bis heute nicht.

 

Bianca Burbach, 32 Jahre

Die Studentin traf ihren Mörder 2007 auf dem Weg von der Uni nach Hause. Sie wurde vergewaltigt und zu Tode gewürgt. Die Polizei hat die DNA des Täters, doch trotz Tausender genommener Speichelproben läuft Biancas Mörder immer noch frei herum. "Das macht mich verrückt", sagt der leitende Kommissar.

 

Claudia Ruf, 11 Jahre

Das Mädchen aus Grevenbroich war 1996 mit dem Nachbarshund spazieren, als es verschwand. Zwei Tage später wurde seine Leiche 80 Kilometer entfernt entdeckt. Claudia wurde vergewaltigterdrosselt und danach angezündet. Seit einigen Monaten verfolgen die Ermittler einen neuen Ansatz, geben aus taktischen Gründen aber keine Einzelheiten bekannt.

 

Adelina Pismak, 10 Jahre

Es war der 28. Juni 2001. Das Mädchen besuchte seinen Opa. Gegen 17.30 Uhr machte es sich auf den Rückweg und traf seinen Mörder. Im Oktober wurde ein blauer Plastiksack gefunden, in dem sich Adelinas Leiche befand. Sie wurde missbraucht. 2004 wurde ein Mann verhaftet, der die Morde an zwei anderen Kindern gestand. Die Polizei geht davon aus, dass er auch Adelina auf dem Gewissen hat, aber er schweigt dazu.

 

Tanja Gräff, 21 Jahre

2007 verschwand die Studentin aus dem rheinland-pfälzischen Trier. 2015 fanden Bauarbeiter ihr Skelett. Zuletzt gesehen wurde sie auf einem Studentenfest. Im Fokus der Ermittler steht seit geraumer Zeit ein polizeibekannter Straftäter mit markantem Spitzbart, nachgewiesen werden konnte ihm das Verbrechen bislang aber nicht.

 

Beatrice Jaekel, 25 Jahre

Am 20. Dezember 1989 wird die Mönchengladbacherin beim Joggen überfallen. Der Täter zog sie ins Gebüsch, vergewaltigte die junge Frau und erdrosselte sie danach mit einer Kordel. Trotz vieler Zeugenaussagen, vor allem zum Tatwerkzeug, verliefen alle Spuren im Sande, ein Tatverdächtiger wurde sogar freigesprochen.

 

Frauke Liebs, 21 Jahre

Nach dem Besuch in einem Pub machte sich die Schwesternschülerin im Juni 2006 allein auf den Weg nach Hause und kam nie dort an. Vier Monate später fand ein Jäger ihre Leiche, der Fund war aber nicht der Tatort, die Polizei tappt im Dunkeln.

Text: Lennard Klindworth

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